Norderstedt
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Stadtpark – Eine Show vom anderen Stern

Foto: Christopher Herbst / HA

Die Pyrogames im Norderstedter Stadtpark ziehen viele Tausend Besucher in ihren Bann. Der Sieg geht an ein Team aus Quickborn-Heide.

Norderstedt.  Die Sonne scheint noch, als Benjamin Hoop bereits Bombast für den späteren Abend verspricht. „Das ist unser Heimspiel, da wollen wir auftrumpfen, da wollen wir gewinnen.“ Wenn der professionelle Feuerwerker von „wir“ redet, meint er das Team von Hanse Pyroshows aus Quickborn-Heide. Sie sind Spezialisten für alles, das möglichst spektakulär zündet, knallt und den Nachthimmel bunt erstrahlen lässt. So wie bei den Pyrogames im Stadtpark Norderstedt. Hoop als Firmeninhaber, sein Vater Wilhelm und viele weitere Helfer sind hier sogar Titelverteidiger, sie sind mit der Veranstaltungsreihe derzeit auf Deutschland-Tournee – gerade im Osten der Republik sind die Shows ungemein populär.

Aufbau der Feuerwerke dauert mehrere Stunden

Je dunkler es wird, desto voller ist allerdings auch der hiesige Stadtpark. Die im Vorfeld anvisierte Zahl von 5000 verkauften Tickets dürfte übertroffen worden sein. Was die Besucher nur erahnen können, ist der enorme Aufwand, der in den jeweils rund zehnminütigen Feuerwerken – gerne auch Pyro-Musicals genannt – steckt. „In diesem Jahr ist der Aufbau nicht optimal, weil so viel Feuchtigkeit im Boden steckt“, sagt Wilhelm Hoop.

Stundenlang werden die einzelnen Komponenten im Hellen verkabelt, wer nachmittags über das Feld geht, muss aufpassen, keine Verbindung zu kappen. Später, also bei Dunkelheit, ist der Abschussbereich sowieso Sperrgebiet, gezündet wird ferngesteuert per Computer. Und selbst im Nachgang warten die Pyrotechniker stets 15 bis 20 Minuten, ehe sie ihre Geräte inspizieren, falls ein Rohr noch glüht, also verzögert feuern könnte. Mehrere Hundert Kilogramm Schwarzpulver stecken in den Apparaturen, die unter anderem Bezeichnungen wie „Kugelbomben“ oder „Cakes“ haben. Entscheidend sind Details wie Winkel, Dauer und Steighöhe. „Und die Show soll musiksynchron sein“, ergänzt Wilhelm Hoop. Die Komposition umfasst mehr als 400 unterschiedliche Zündungen von neun Positionen auf der Hangwiese – teilweise das dreifache der Konkurrenz. So viel Opulenz können die Quickborner nicht immer leisten – nicht zuletzt aus Kostengründen. Aber Norderstedt ist eben ein Sonderfall.

Es buhlen drei weitere Teams um die Gunst des Publikums, das letztlich per Telefonvoting den Gewinner wählt: Apollo Art von Jürgen Matkowitz (Berlin), Feuerwerke Kürbs aus dem sächsischen Pirna sowie PyroProdukt von Matthias Hörr (Hamburg). Per Los wird die Reihenfolge bestimmt. Bereits hier haben die Hoops Glück, denn sie dürfen das letzte Feuerwerk zünden.

Bis es soweit ist, sorgen die ersten Wettstreiter für viele „Ooohs“ und „Aaahs“, mehrere Musikbands überbrücken die Wartezeiten, Jürgen Matkowitz führt zudem eine farbenfrohe Lasershow auf. Kurz vor 22.30 Uhr drückt Benjamin Hoop endlich auf den Knopf – und hofft, dass alles glattgeht. Tut es auch – „bis auf eine Kleinigkeit“, sagt er.

Und die Mühe lohnt sich: Das Publikum spricht sich mehrheitlich für seine Show als Sieger des Abends aus – Mission erfüllt. Mit dem Pokal im Arm verabschiedet sich Benjamin Hoop schon bald, denn die Technik muss sorgfältig wieder abgebaut werden. Am nächsten Wochenende geht es schon weiter mit dem Pyrogames, dann am Schweriner Schloss. Ob das Spektakel erneut nach Norderstedt kommt, scheint unklar.

Zukunft der Pyrogames in Norderstedt ist offen

„Es ist wahrscheinlich das letzte Mal“, vermutet Wilhelm Hoop sogar und verweist auf die Lärmbeschwerden einiger Anwohner. Auch die schweren Fahrzeuge beim Aufbau gefielen der Stadtpark-Leitung offenbar nicht, da der Boden zerfurcht wurde. Die Grundsatzdiskussion darüber, was an Norderstedts zentraler Freizeit- und Vergnügungsstätte ins Konzept passt, betrifft demnach offenbar eine weitere Großveranstaltung.