Norderstedt
Kaltenkirchen

Aus Kaltenkirchen in die ganze Welt

Abendblatt-Leser besuchen das Ersatzteilzentrum des Gabelstapler-Herstellers Jungheinrich

Kaltenkirchen.  Was sich hinter dem großen grauen Gebäude am südlichen Stadtrand Kaltenkirchens verbirgt, fragen sich vermutlich immer wieder die Autofahrer, die an dem Gebäude der Firma Jungheinrich vorbeifahren. 20 Abendblatt-Leser wissen es jetzt genau. Bei der Aktion „Willkommen hinter den Kulissen!“ der Regionalredaktion Norderstedt haben sie exklusiv das Ersatzteilzentrum des Unternehmens besucht, das von Kaltenkirchen aus weltweit Kunden und Techniker des Gabelstapler-Herstellers beliefert.

Bei der Aktion „Willkommen hinter den Kulissen“ lädt die Redaktion Leser ein, Firmen und Institutionen zu besuchen, die in der Regel für die Öffentlichkeit tabu sind. Auch das hochmoderne Ersatzteilzentrum von Jungheinrich ist nur fürs Fachpublikum zugänglich, Dort ist das Interesse jedoch besonders groß, denn Gebäude und Technik setzen Maßstäbe in der Branche. Qualitätsmanager Jens Ringeling, der die Leser informierte, hat bereits 5000 Experten aus aller Welt durch den 36-Millionen-Bau geführt. Viele kommen aus China. „Das ist unser Vorzeigeprojekt“, sagt Ringeling über das Zentrum, das vor drei Jahren eröffnet wurde.

Die Dimensionen des Ersatzteilzentrums haben die Besucher beeindruckt. Auf den 22.000 Quadratmeter großen Lagerflächen liegen 75.000 unterschiedliche Artikel bereit. 7000 Aufträge wickeln die 300 Mitarbeiter pro Tag ab. Wer bis 16 Uhr bestellt, kann in Europa davon ausgehen, dass die Ware am kommenden Morgen eintrifft. „Das Geschäft brummt“, sagt Ringeling. Erwirtschaftete der Standort 2012 noch einen Umsatz von 168 Millionen Euro, so waren es im vergangenen Jahr 209 Millionen.

Auch für die Zukunft sind die Aussichten vielversprechend. Jungheinrich plant bereits drei Jahre nach der Eröffnung eine Erweiterung des Lagers. Flächen stehen bereit, das Unternehmen hat langfristig geplant.

Bis vor drei Jahren gehörte das Ersatzteilzentrum zum Jungheinrich-Werk in Norderstedt, in dem 1400 Mitarbeiter jährlich 32.000 Gabelstapler und andere Fahrzeuge produzieren und einen Umsatz von 500.000 Millionen erwirtschaften. Am Standort in Norderstedt fehlten jedoch die Expansionsflächen. Als der Umzug nach Kaltenkirchen anstand, wurde an einem Wochenende Ware verfrachtet, die rechnerisch auf 11.000 Paletten gepasst hätte – von der kleinen Schraube bis zum Zwölf-Tonnen-Aggregat.

Bei ihrem Rundgang mussten die Abendblatt-Leser Leuchtwesten tragen. Die Sicherheitsstandards sind hoch. Nur die blau markierten Wege inklusive der Zebrastreifen sind für Fußgänger zugelassen. Auf den anderen Flächen sind die Gabelstapler unterwegs.

Jens Ringeling spricht von einer „chaotischen Lagerung“. Wo welcher Artikel liegt, weiß nur der Computer. Er legt dort Ware ab, wo gerade Platz ist. Das System lernt auch, welche Ersatzteile besonders oft angefordert werden und platziert sie automatisch an schnell zugänglichen Stellen. Der Prozess verläuft vollautomatisch, das Gebäude ist mit Förderbändern durchzogen. Menschen müssen nur selten die Waren anfassen.

Ein Lagerbereich ist aus Sicherheitsgründen nur für Mitarbeiter mit einer besonderen Schulung zugänglich. Dort liegen die Waren, die direkt ohne weitere Sicherheitsüberprüfungen zum Flugzeug transportiert werden. „Wir sind ein Luftsicherheitsstandort“, sagt Ringeling den Lesern. Dazu gehören auch genaue Kontrollen der Personalien. Vor dem Betreten des Ersatzteilzentrums mussten alle Abendblatt-Leser ihre Personalausweise vorlegen.

Auch ins Gefahrgutlager können die Leser nur einen kurzen Blick werfen. Falls bei Jungheinrich in Kaltenkirchen ein Brand ausbricht, steht genug Wasser bereit. Vor dem Gebäude stehen zwei Tanks mit je 850.000 Litern.