Norderstedt
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Neues Zuhause für Flüchtlinge

Am Donnerstag hat die Stadt die neue Unterkunft für 86 Menschen mit einem bunten Fest eingeweiht

Norderstedt.  Ein buntes Bild vor einem gelben Gebäude: 86 Flüchtlinge aus unterschiedlichen Ländern haben am gestrigen Donnerstag mit ihren Nachbarn sowie Vertretern von Verwaltung und Politik ihr neues Zuhause mit einem Nachbarschaftsfest eingeweiht. Erwachsene und mehr als 20 Kinder aus Syrien, Afghanistan, dem Iran und anderen Nationen leben zusammen in einem ehemaligen Bürogebäude.

Die städtische Entwicklungsgesellschaft hatte den leer stehenden Komplex an der Ecke Moorbekstraße/Oadby-and-Wigston-Straße im Auftrag umgebaut und in acht Monaten jedes der drei Stockwerke mit zusammenhängenden Wohneinheiten versehen: Zwei Schlaf- und Wohnräume mit jeweils drei Betten, die durch einen Gang mit Küche und Bad/WC voneinander getrennt sind.

1500 Flüchtlinge werden am Jahresende in der Stadt leben

„Wir werden auch weitere Unterkünfte für Flüchtlinge bauen und brauchen“, sagt Norderstedts Sozialdezernentin Anette Reinders. Zwar sei der Zustrom momentan mit 40 bis 50 pro Monat nicht mehr so stark wie im vorigen Jahr und Anfang 2016. Dennoch geht Reinders davon aus, dass Norderstedt in diesem Jahr 600 bis 700 Asylsuchende aufnehmen wird. Der Kreis Segeberg habe sogar von 1050 gesprochen. Ende des Jahres würden nach der hauseigenen Prognose rund 1500 Menschen in Norderstedt leben, die vor Krieg, Zerstörung und Hunger aus ihrer Heimat geflohen sind.

An acht Standorten habe die Stadt 900 Plätze geschaffen. „Das Konzept der dezentralen Unterbringung ist voll aufgegangen“, sagte die Dezernentin. Es gebe zwar einige freie Plätze, doch dass „der Druck aus dem Kessel ist“, begrüßt Anette Reinders. Dadurch könne die Situation in den Unterkünften entzerrt werden, den Bewohnern mehr Platz eingeräumt und der Komfort erhöht werden. Acht-Bett-Zimmer wie in der Anfangszeit des Flüchtlingsstroms gebe es nicht mehr. „Am liebsten würde ich jedem ein Einzelzimmer geben, aber das ist natürlich nicht machbar“, sagt die Dezernentin, die jetzt die Chance sieht, sich um bestimmte Flüchtlingsgruppen besonders zu kümmern. So bräuchten Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind, ein eigenes Zuhause und eine spezielle Betreuung. Auch die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge werden getrennt untergebracht. 23 sind bisher in Norderstedt angekommen, sie wohnen in der Teestube am Falkenberg und im ehemaligen Frauenhaus. 56 junge Flüchtlinge soll die Stadt aufnehmen.

Die in die Jahre gekommenen Container bleiben als Reserve

In den nächsten Monaten sei weiterer Wohnraum nötig, denn die 190 Männer, Frauen und Kinder, die zurzeit in Mietwohnungen leben, müssten wieder ausziehen, die Wohnungen sollen saniert werden. Schritt für Schritt will die Stadt die Asylbewerber von den alten in neue Unterkünfte umsiedeln, die in die Jahre gekommenen Container wie die an der Lawaetzstraße und am Buchenweg aber noch nicht abbauen, sondern als Reserve stehen lassen.

Auch das Gebäude am Harkshörner Weg stehe im nächsten Jahr nicht mehr zur Verfügung. Der Mietvertrag läuft aus und soll nicht verlängert werden. Noch genutzt wird auch das ehemalige Gebäude der Gemeinschaftsschule Harksheide. Was nach dem Auszug der Flüchtlinge mit dem Komplex geschehen soll, ist noch unklar.

Bisher hat der Kreis Segeberg in diesem Jahr 1514 Asylsuchende aufgenommen, im Vorjahr waren es zeitgleich 874 Menschen. 557 sind Kinder und Jugendliche. Der Kreis erwartet für dieses Jahr 3000 Flüchtlinge. „Trotz fehlender Zahlen von Bund und Land haben wir die Prognose aktuell nach unten korrigiert“, sagt Gernot Schramm, Sprecher der Kreisverwaltung. Im Jahr 2015 wurden dem Kreis Segeberg 2380 Asylsuchende vom Land zugewiesen.

Die Gemeinschaftsunterkünfte in Schackendorf und Rohlstorf, die renoviert beziehungsweise neu eingerichtet wurden und im Frühjahr den Betrieb aufgenommen haben, bieten 170 Plätze. Zurzeit seien sie zu 41 Prozent ausgelastet, wobei sich die Auslastung immer wieder kurzfristig ändere. In der Boostedter Unterkunft, die ursprünglich für 2000 Flüchtlinge ausgelegt war, leben zurzeit 180 Menschen.

Zwar seien die Flüchtlingszahlen gegenüber dem zweiten Halbjahr 2015 augenblicklich rückläufig. Dennoch solle der Kreis Segeberg in diesem Jahr 73 Prozent Schutzsuchende mehr aufnehmen als im vergangenen Jahr. „Erfahrungsgemäß kommen im zweiten Halbjahr mehr Menschen aus den Kriegs- und Krisengebieten als in den ersten sechs Monaten“, sagt Schramm. Es sei unklar, wie sich die Situation entwickeln wird, weil sich nicht vorhersagen lasse, wie sich der Flüchtlingspakt mit der Türkei, die Verschärfungen des Asylgesetzes und die Veränderungen auf Landesebene auswirken werden – die Landesunterkünfte sollen reduziert und Erstaufnahmeeinrichtungen mit zugeordneten Außenstellen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in Glückstadt, Neumünster/Boostedt und Rendsburg geschaffen werden.