Norderstedt
Serie Kennzeichen E

Mit dem E-Auto in den Urlaub? Kein Problem!

An der modernen Ladestation Taste Kitchen in Hasbergen bei Osnabrück fachsimpelt Martin Oster (rechts) beim Tankstopp mit dem Serviceleiter Tom Tenk

An der modernen Ladestation Taste Kitchen in Hasbergen bei Osnabrück fachsimpelt Martin Oster (rechts) beim Tankstopp mit dem Serviceleiter Tom Tenk

Foto: Anne Pamperin

In der Serie Kennzeichen E berichtet Martin Oster von einem Selbstversuch: Er legte mit dem Zoe auf einer Tour 1000 Kilometer zurück.

Quickborn.  Die meisten Menschen sprechen mich direkt an, wenn ich mit meinem rein elektrisch angetriebenen Renault Zoe an einer Ladesäule vorfahre, den Stecker in die dafür vorgesehene Buchse an meinem Fahrzeug stecke und den Ladevorgang starte. Es gibt aber auch Passanten, die unterhalten sich über mich - oder vielmehr über mein noch nicht alltägliches, aber durchaus alltagstaugliches Gefährt. „In den Skiurlaub kann man damit aber nicht fahren“, höre ich einmal hinter mir

Und ich frage mich, was mich denn eigentlich daran hindern sollte, mit meinem neuen Wagen in Urlaub zu fahren? Ich habe schon viele Erfahrungsberichte in einschlägigen Zeitungen und Magazinen gelesen, in denen Journalisten sich ein Elektro-Auto geliehen haben und damit einfach mal losgefahren sind. Bei dem einen endete die Fahrt mit einem leeren Akku, der andere Journalist wollte eine Langstrecke von 700 Kilometer an einem Tag bewältigen, fuhr aber erst um 12 Uhr mittags los. Beide waren schließlich gescheitert, weil sie einfach schlecht vorbereitet waren.

Noch lohnt sich Abrechnungssystem oft nicht

Ich wollte es nun genau wissen und habe mein Experiment mit einem Besuch in meiner Heimat Siegerland verbunden. Mit kleinen Abstechern zu den Ladesäulen ist das – hin und zurück – eine Tour von rund 1000 Kilometer. Damit es etwas spannender wird, habe ich mir außerdem das Ziel gesetzt, die komplette Strecke einzig mit Ladestopps an frei zugänglichen und somit kostenlosen Ladesäulen zu bewältigen. Es sei an dieser Stelle aber ganz klar gesagt, dass der kostenlose Bezug von Strom kein signifikantes Kriterium dieser Fortbewegungsmethode ist. Aber in Pionierzeiten lohnt sich für viele Betreiber ein Abrechnungssystem einfach noch nicht. Vielmehr will man sich zunächst erst einmal am Markt etablieren.

Ich nehme mir also vor, die Möglichkeiten zu entdecken und plane die Ladestopps entlang meiner Route ins Siegerland, die mich über die A 7, A 1 und die A 45 führt.

Mit der letzten Ladung geht es über die Höhenzüge

Auf dem Hinweg läuft alles wie geplant. Alle von mir ausgewählten Ladepunkte sind verfügbar und funktionieren problemlos. Mit einer halben Stunde Stau benötige ich insgesamt acht Stunden. Ich lade an der Elsdorfer Molkerei und Feinkost GmbH in Elsdorf, am Rasthof Wildeshausen, am Restaurant Taste Kitchen in Hasbergen bei Osnabrück und am Gartencenter Augsburg in Schwerte. Mit der letzten Ladung geht es über die Höhenzüge des Sauerlands bis in die südwestfälische Großstadt Siegen. Vor Ort habe ich bei mehreren Autohändlern die Möglichkeit, den Zoe wieder aufzuladen.

Der Rückweg zwei Tage später gestaltet sich dann aber sehr abwechslungsreich. Erster Halt am Rasthof Lichtendorf bei Schwerte: Der Zoe lädt, ich mache einen kleinen Spaziergang, bin nach einer halben Stunde wieder abfahrbereit. Auf dem Hinweg konnte ich hier nicht laden, da es leider nur in die Nordrichtung eine Lademöglichkeit gibt.

Zum Mittag erreiche ich wieder das Taste Kitchen in Hasbergen. Auf dem Hinweg habe ich hier nur geladen, da ich schon gegessen hatte. Nun schaue ich mir diesen modernen Ladepunkt aber genauer an. Photovoltaik auf dem Dach, eine Ladesäule auf dem Parkplatz und ein modernes freundliches Gastronomiekonzept im Inneren. Hier erlebe ich eine ansprechende Variante des Tankens der Zukunft. Serviceleiter Tom Tenk berichtet mir, dass der komplette Geschäftsbetrieb inklusive Großmarkteinkauf über stromgetriebene Fahrzeuge realisiert wird. Alle Mitarbeiter sind begeistert davon.

Die Ladesäule des Betreibers RWE startet einfach nicht

Gut gestärkt setze ich meine Fahrt fort, wissend, dass es jetzt spannend wird. Denn ich hatte schon im Internet gelesen, dass der Ladepunkt am Rastplatz Wildeshausen bei Bremen in Nordrichtung ein Wackelkandidat ist. Und tatsächlich: Die Ladesäule des Betreibers RWE zeigt zwar Bereitschaft an, aber der Ladevorgang startet nicht. Was also tun? Die Reichweitenanzeige erlaubt mir noch rund 35 Kilometer Spielraum. Mit meiner App mache ich in der Nähe nur zwei Angebote des Ladeverbundes RWE aus. Dort bin ich allerdings nicht registriert. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als bis zur nächsten Ausfahrt zu fahren, dann wieder auf die Autobahn Richtung Süden und an der vom Hinweg bekannten Ladesäule auf der anderen Autobahnseite zu laden.

Ich stand vor Bremen eine Stunde im Stau, bin seit acht Stunden unterwegs und entsprechend lange kommt mir der Ladevorgang von einer Dreiviertelstunde an der 22-kW-Zapfstelle dieses Mal vor. Nach einer gefühlten Unendlichkeit geht es weiter. Wieder zur nächsten Ausfahrt und zurück Richtung Norden. Ein letzter Zwischenstopp an der Molkerei in Elsdorf. „Unser Service für Genießer und Umweltbewusste“ steht an der Ladesäule. Ich bedanke mich im Geiste für diesen tollen Service und nehme nach 20 Minuten die letzten 80 Kilometer unter die energiesparenden Reifen meines Elektrofahrzeugs. Nach zehn Stunden bin ich – bedingt durch die vier Pausen keineswegs müde oder abgespannt - wieder in Quickborn angekommen. Ich muss am nächsten Tag zur Arbeit nach Bad Oldesloe, schaue also noch schnell an „meiner“ Säule bei Famila vorbei.

Schnellladestationen an allen 430 Rasthöfen wären klasse

Dort ziehe ich folgendes Resumee meines Ausflugs: Heutige Elektroautos sind selbst mit ihrer eingeschränkten Reichweite durchaus langstreckentauglich. Es hapert einzig noch an der Infrastruktur des Ladenetzes. Schnellladestationen an allen 430 Rasthöfen und 200 Autohöfen auf deutschen Autobahnen würden hier schon helfen und hätten meine Reisezeit spürbar verkürzt. Die Sicherheit, am nächsten Rasthof eine ausgeschilderte Lademöglichkeit vorzufinden, an der ich in 20 bis 30 Minuten nahezu voll laden kann, wäre das i-Tüpfelchen auf einer insgesamt entspannten Langstreckenreise.

Martin Oster wird weiterhin über seine Erfahrungen mit seinem Elektroauto berichten. Außerdem schreibt er im Internet einen Block unter der Adresse www.kennzeichen-e.de.