Norderstedt
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Was geschah beim Fluchtversuch in Glasmoor?

Der Angeklagte soll zwei Justizangestellte angegriffen haben

Der Angeklagte soll zwei Justizangestellte angegriffen haben

Foto: Michael Rauhe

Prozess gegen 28-Jährigen, der zwei Justizangestellte tätlich angegriffen haben soll. Angeklagter stand angeblich unter Drogen.

Norderstedt.  Es ist vor Gericht keine seltene Verhandlungsstrategie, keine Aussage zum Anklagevorwurf zu machen. Diese generelle Verweigerungshaltung macht die Beweisaufnahme mühselig und bringt dem Angeklagten bei Richter und Staatsanwalt kaum Pluspunkte ein. Sven B. (Name von der Redaktion geändert) ist erheblich vorbestraft, hat schon einige Gerichtssäle von innen gesehen und müsste deshalb wissen, dass man mit Schweigen nicht sehr weit kommt. B. verweigerte vor dem Amtsgericht Norderstedt trotzdem jede Aussage. Deshalb ließ er nach vorheriger mündlicher Absprache seinen Pflichtverteidiger sprechen. Die Anklage: Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Der 28-Jährige hat größere Strecken seines Lebens hinter Gittern verbracht. Momentan verbüßt er in Hamburg eine Freiheitsstrafe. Zum Gerichtstermin in Norderstedt kam der große schlanke Mann mit den dunklen Haaren in Handschellen und eskortiert von zwei Justizvollzugsbeamten.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im vorigen Februar in der Justizvollzugsanstalt Glasmoor im Norderstedter Stadtteil Glashütte bei einem gescheiterten Fluchtversuch zwei Justizangehörige tätlich angegriffen zu haben. Laut Anklage schubste er eine Beamtin heftig zur Seite, während deren Kollege einen kräftigen Tritt ans Schienbein kassierte.

Im Namen seines Angeklagten gab der Verteidiger an, sein Mandant hätte zur Tatzeit Alkohol intus gehabt und unter Drogen gestanden. Es sei eine Kurzschlussreaktion gewesen, aber „gezielt getreten“ habe er nicht. Außerdem entschuldige sich sein Mandant bei seinem Opfer. Für B. kommt der Prozess sehr ungelegen, weil er im Oktober eine weitere Freiheitsstrafe abgebüßt hätte und entlassen werden sollte. Deshalb befand sich B. im Gefängnis Glasmoor in Norderstedt übergangsweise schon im offenen Vollzug. Nach dem Fluchtversuch sitzt B. wieder im geschlossenen Vollzug.

Der Wärter erhielt einen Tritt an sein Knie

Erster Zeuge war der Justizvollzugsbeamte, der damals getreten worden sein soll. „Ich war mit einer Kollegin im Aufenthaltsraum, in der der Häftling wartete. Er bat um eine Zigarette“, schilderte der Wärter die damalige Situation. Urplötzlich sei er auf die Kollegin losgegangen und habe sie durch einen Schlag auf deren Schulter an die Wand gestoßen. Daraufhin erhielt der 44 Jahre alte Wärter einen Tritt an sein rechtes Knie. „Der Angeklagte wusste genau“, sagte der Beamte, dass ich dort ein künstliches Gelenk hatte.“ Nach der Attacke sei der Angeklagte aus der Tür gestürmt, aber noch im Sicherheitsbereich überwältig worden. Sein Knie wäre nach dem Tritt angeschwollen, er hätte aber am nächsten Tag wieder zum Dienst erscheinen können, sagte der Beamte.

Wie genau der Angriff damals ablief, konnte ohne die Zeugenaussage der beteiligten Kollegin nicht präzise aufgeklärt werden. Deshalb wird der Prozess mit der diesmal fehlenden Beamtin im November fortgesetzt.