Norderstedt
Tangstedt

Hunderte schleichen täglich durch Siedlung

Mittlerweile schon ein vertrautes Bild: Die Siedlung Fahrenhorst am Rande des Tangstedter Gemeindegebiets hat sich zu einer Abkürzung in Richtung der Bundesstraße 432 entwickelt

Mittlerweile schon ein vertrautes Bild: Die Siedlung Fahrenhorst am Rande des Tangstedter Gemeindegebiets hat sich zu einer Abkürzung in Richtung der Bundesstraße 432 entwickelt

Foto: Christopher Herbst / HA

Weil in Wakendorf II und Nahe gebaut wird, nutzen viele Auto- und Lkw-Fahrer eine Abkürzung über den Tangstedter Ortsteil Fahrenhorst.

Tangstedt.  Der Verkehr rollt wie auf Knopfdruck. Morgens ab 6 Uhr, nachmittags ab 16.30 Uhr, ungefähr dann hat die Ruhe ein Ende für die Menschen in Fahrenhorst, einer kleinen Siedlung am Rande des Tangstedter Gemeindegebiets. So wie für Dirk Möller, der bislang beim Blick aus dem Fenster eine Idylle mit grasenden Kühen vor sich hatte. Dazwischen verläuft zwar der Fahrenhorster Weg, doch diesen nutzten bisher in der Regel nur Anlieger mit ihren Fahrzeugen, Jogger, Radler und Spaziergänger.

Mit der Beschaulichkeit ist es aber vorbei, seitdem die Sanierung der Landesstraße 75 zwischen Götzberg und Nahe begonnen hat. Noch bis Herbst 2017 ist deswegen die Ortsdurchfahrt in Nahe bis zur Bundesstraße 432 gesperrt, voraussichtlich bis Ende der Sommerferien zudem auch noch in Wakendorf II. Der zuständige Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr empfiehlt eine weiträumige Umleitung über Henstedt-Ulzburg, Kisdorf und Oering.

Ein Cabrio-Fahrer wurde bei einem Unfall schwer verletzt

Doch wer sich auskennt, nimmt einen anderen Weg, um Zeit zu sparen: Von Wilstedt die Kreisstraße nach Norden, dann nach einer Minute rechts in den kleinen Höstelweg. Nach etwas mehr als einem Kilometer mündet diese Straße in den Fahrenhorster Weg, dieser führt über einige Gehöfte und biegt dann in Naherfurth am beliebten Ausflugscafé Alsterwiesen auf die Bundesstraße 432 ab.

„Man muss echt aufpassen hier“, sagt Dirk Möller und deutet auf einen Baum, dessen Rinde offenbar vom Dach eines Lkw beschädigt worden ist. Täglich sieht er viele Autos mit Kennzeichen „SE“ und insbesondere die Laster von Rewe und Penny, die frühmorgens vom Lager an der Oststraße in Norderstedt nach Nahe fahren, wo zwei Supermärkte täglich beliefert werden. Dass Höstelweg und Fahrenhorster Weg weniger als dreieinhalb Meter breit sind, dass an den Fahrbahnrändern unbefestigte, abschüssige Sandstreifen sind, all das sorgt derzeit für brenzlige Situationen. „Hinten ist eine Ölspur auf der Straße, da muss sich einer die Wanne kaputt gefahren haben“, sagt Möller. Mehr noch: Vor wenigen Tagen ereignete sich sogar ein schwerer Verkehrsunfall – ein Cabrio musste dem Gegenverkehr ausweichen, kam von der Fahrbahn ab, krachte gegen einen Baum, der Fahrer wurde bei dem Unfall schwer verletzt.

Ausgerechnet zu einer Zeit also, da das Verkehrsaufkommen merklich zunimmt, sind jedoch sämtliche Verkehrszeichen verschwunden. Besser gesagt: Sie wurden vom Bauhof abmontiert auf Geheiß der Verkehrsaufsicht und des Amtes Itzstedt. Zuvor galten streckenweise Tempolimits von 30 oder 50 km/h, es gab ein Schild, das auf Kühe hinwies – denn Landwirte treiben ihre Tiere nicht selten über die Straße zu einer anderen Weide. Auch die Beschilderung des Radwanderwegs hängt nicht mehr, genauso wenig die Gewichtsbeschränkung auf 5,5 Tonnen.

Auf dem Schleichweg gibt es kein Tempolimit

Zuständig ist die Verkehrsaufsicht des Kreises Stormarn. Deren Leiter Hans-Jürgen Zimmermann erklärt die Maßnahme: „Wir haben festgestellt, dass die Beschilderung nicht mehr den gesetzlichen Vorgaben entspricht.“ Konkret: der Straßenverkehrsordnung. Im März 2015 habe es deswegen eine sogenannte Verkehrsschau gegeben mit Behörden, Polizei, ADAC, Landesbetrieb und Gemeinde. Die damalige Übereinkunft ist erst jetzt in die Tat umgesetzt worden. „Es ist unglücklich, dass jetzt die Baumaßnahme in Nahe läuft“, sagt Zimmermann. Davon habe er aber erst kürzlich erfahren.

Aus Sicht des Kreises Stormarn genügt Paragraf 3, Absatz 1 der StVO: „Die Geschwindigkeit ist insbesondere den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie den persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen.“

Theoretisch wäre demnach sogar Tempo 100 erlaubt. Dass der Schleichweg genutzt wird, ist per se nicht verboten. „Ausgeschildert ist eine große Umleitung. Aber wer die Abkürzung kennt, nutzt diese auch. Es ist eine öffentliche Straße“, sagt Kerstin Lamp vom Ordnungsamt Itzstedt.

Manche würden aus Höstelweg und Fahrenhorster Weg am liebsten reine Anliegerstraßen machen – zumindest solange, bis die L 75 wieder voll befahrbar ist. Juristisch wäre das aber kaum durchsetzbar. Immerhin: Verkehrsaufsicht und Amt Itzstedt können sich vorstellen, dass die Geschwindigkeitsbeschränkungen wenigstens temporär wieder gelten. Hierzu soll es Gespräche geben. Auch die Schilder für den Radwanderweg und die Warnung vor Kühen auf der Straßen sollen möglichst wieder aufgestellt werden.