Norderstedt
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Komplizin lenkt ab, Mann steigt in Haus ein

Angeklagter schwieg zum Tatvorwurf

Angeklagter schwieg zum Tatvorwurf

Foto: Michael Rauhe

Prozess wird ausgesetzt, weil das Gericht ein anderes Urteil abwarten will. Oberstaatsanwalt fordert Geständnis und Entschuldigung.

Norderstedt.  Man trifft sich im Leben immer zweimal. Auch im Amtsgericht Norderstedt trifft diese Lebensweisheit zu, wenn sich der beschuldigte Täter und dessen Opfer wieder sehen – als Angeklagter und als Zeuge. Die Opfer bewegt die neuerliche Begegnung verständlicherweise oft erheblich.

In einem Prozess vor dem Schöffengericht in Norderstedt endete das zweite Aufeinandertreffen der Zeugin und dem Angeklagten jedoch ausnahmsweise halbwegs harmonisch.

Diebstahl, lautete die Anklage gegen Mario F. (Name von der Redaktion geändert). Er soll sich im November 2015 mit einer unbekannten Begleitperson vor einem Einfamilienhaus in Norderstedt herumgetrieben haben.

Oberstaatsanwalt fordert eine Entschuldigung

Während die Komplizin die ältere Inhaberin bei der Gartenarbeit im Blick behielt, holte sich der Angeklagte eine Leiter aus einem unverschlossenen Schuppen. Mithilfe dieser Leiter stieg er laut staatsanwaltlicher Ermittlungen durch ein Fenster in das Einfamilienhaus ein. Danach habe er die Hauseingangstür von innen verriegelt und das Haus nach Wertsachen durchsucht. Seine Beute: zwei Geldbörsen mit 182 Euro sowie 270 US-Dollar. Außerdem stahl er eine Kreditkarte. Zum Tatvorwurf schwieg der 49-Jährige jetzt vor Gericht. Auch ein Geständnis lehnte er ab.

Diese Verweigerungshaltung erboste Oberstaatsanwalt Alexander Ostrowski. „Ich möchte ein Geständnis und vor allem eine Entschuldigung bei ihrem Opfer“, so die Forderung des Anklagevertreters. Andernfalls würde er auf keinerlei Absprachen mit der Verteidigung eingehen. Daraufhin räumte der Rechtsanwalt im Namen seines Mandaten die Täterschaft ein.

Der Gerichtsvorsitzende bat die geschädigte ältere Dame in den Zeugenstand und fragte die sichtlich aufgeregte Frau, ob sie eine Entschuldigung des Angeklagten annehmen würde. „Ja“, antwortete die kleine nach einem unsicheren Blick zum Anklagestuhl.

„Was ich getan habe, war schlecht“, räumte der Angeklagte seine Schuld ein. Bei einer direkten Begegnung, erklärte der groß gewachsene Mann, wäre er sowieso nie handgreiflich geworden. Er könnte keinen Menschen schlagen.

Gegen Schuldspruch wurde Berufung eingelegt

Mario F., der sich reumütig gab, ist einschlägig vorbestraft. Wohnungseinbrüche werden selten aufgeklärt. Der gebürtige Rumäne gehört zu den wenigen Tätern, die wegen dieses Deliktes vor Gericht gestellt werden konnten. Im vorigen März wurde der Mann von einem Schöffengericht in Hamburg wegen sechs Einbrüchen in der Hansestadt und drei weiteren in Schleswig-Holstein zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Das ist das höchste Strafmaß, das ein erstinstanzliches Amtsgericht verhängen kann. Gegen den Schuldspruch hat die Verteidigung Berufung eingelegt. Im September ist der Prozess vor dem nächst höheren Landgericht in Hamburg angesetzt.

Das dortige Urteil will das Schöffengericht Norderstedt abwarten, um dann zu entscheiden, wie der Prozess in Norderstedt weitergeht. Deshalb wurde das Verfahren vorläufig eingestellt.