Norderstedt
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Ziemlich wahr: „Es ist so ein Blödsinn!“

Aleksey Igudesman (re.) und Huying-ki Joo sind virtuose Musiker, aber Comedians ohne jede Authentizität

Aleksey Igudesman (re.) und Huying-ki Joo sind virtuose Musiker, aber Comedians ohne jede Authentizität

Foto: Heike Linde-Lembke

Konzert-Kritik: Das Konzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals in der „TriBühne“ mit dem Duo Igudesman & Joo war purer Klamauk.

Norderstedt.  Joja Wendt macht es, Hans Liberg, die Frauen-Combo Salut Salon und einige Ensembles mehr. Jetzt also Aleksey Igudesman und Huying-ki Joo. Wer allerdings neben Salut Salon, Liberg, Wendt und Co. bestehen will, muss sich einiges einfallen lassen. Und noch mehr können. Das Können ist keine Frage bei dem koranisch-russischen Duo, als es beim letzten Norderstedter Konzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals in der „TriBühne“ das Programm „And now Mozart“ abfackelt. Igudesman beherrscht seine Geige, eine Santo Serafin von 1717, ebenso virtuos wie Joo seinen Steinway-Flügel, dessen Beine und Flügeldeckel-Stützen sie mal rasch als Spielzeug enttarnen und demontieren.

Ihr Programm allerdings dürfte sogar den guten Wolfgang Amadeus Mozart schocken, der ja bekanntlich keinem Schabernack auswich. Klar, ertönt die Kleine Nachtmusik des Salzburger Genies, klar wird die große Arie der Königin der Nacht aus seiner Oper „Die Zauberflöte“ verbalhornisiert. Neu sind beide Ideen nicht.

Igudesman und Joo schaffen es, fast kein einziges Stück durchzuspielen. Von Johann Sebastian Bach gibt’s nur Fetzen, Ludwig van Beethovens „Ode an die Freude“ wird angerissen, der brachiale Ausflug in Metal und Hard Rock, bei dem vor allem Joo sich verausgabt, dauert zu lang. Dann lieber gleich Wacken!

Zu Beginn streiten sie sich um Bach oder Bond – und das eine gefühlte Viertelstunde lang. Ohne Musik. Nur Blödelei. Der Chopin wird von Kalinka niedergemetzelt, der Geiger kratzt sich mit seinem Bogen den Rücken, das Publikum wird mit Violaerobic in Bewegung gebracht und macht begeistert mit, doch bleibt das Ganze so herrlich einfältig wie eine Reality-Show im Privat-TV. Mit dem Rauf und Runter von Tonleitern, gespielten Eifersüchteleien, Geige- und Bogenklau schlägt das Duo die Zeit tot, Sprüche vom Band knallen auf die Ohren. Igudesman macht mit einer E-Geige, vorher Stütze des Flügeldeckels, auf Jimi Hendrix, bevor, wie erholsam, Joo einmal Bach ohne Klamauk spielt. Hält aber nicht lange an. Igudesman bemüht den Milchmann Tevje, um Money abzuzocken, und zum Schluss bringen sie das Publikum in der so gar nicht voll besetzten „TriBühne“ dazu, „I Will Survive“ zu singen. Das einzig Wahre dieses Klamauks ist Igudesmans Spruch „Es ist so ein Blödsinn!“