Norderstedt
Kreis Segeberg

Bund gibt Geld für den Weiterbau der A 20

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Einziger Haken an der Sache: Es steht noch nicht fest, ob die Schutzmaßnahmen für Fleder- und Haselmäuse ausreichend sind.

Kreis Segeberg.  Immer wieder stockt der Bau der Autobahn 20. Fledermäuse und Haselmäuse und zuletzt Klagen gegen die Elbquerung bei Glückstadt haben verhindert, dass die wichtige Ost-West-Verbindung weiter nach Westen vorangetrieben wird. Bisher endet die Autobahn bei Bad Segeberg. Doch nun macht der Bund Druck und räumt dem Ausbau von Weede bis zur Autobahn 7 im gerade verabschiedeten Bundesverkehrswegeplan höchste Priorität ein. 344 Millionen Euro stehen für die gut 30 Kilometer lange Strecke zur Verfügung.

Jetzt liegt es am Land Schleswig-Holstein, wie schnell tatsächlich weitergebaut werden kann. Zwar steht das Geld bereit, doch es gibt noch einen Haken: Fleder- und Haselmaus-Bestand sind erfasst, doch die Untersuchung ist noch nicht ausgewertet. Bevor das nicht geschehen ist, rücken keine Bagger an, um die Autobahn weiterzubauen. Das Kieler Verkehrsministerium geht davon aus, dass es in der laufenden Legislaturperiode, die im Frühjahr 2017 endet, nicht mehr dazu kommen wird.

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte den geplanten Ausbau an Bad Segeberg vorbei im November 2013 vorerst gestoppt, weil der Schutz der rund 20.000 Fledermäuse in den Kalkhöhlen von Bad Segeberg nicht hinreichend beachtet wurde. Auch bei der Haselmaus hatten die Planer laut Bundesverwaltungsgericht nicht sauber gearbeitet. Der Bestand sei in einem zu engen Korridor erfasst worden. Und die Umsiedlungsmaßnahmen seien zu weit von der ehemaligen Heimat der Mäuse entfernt.

Die Landesregierung beteuerte anschließend, die A 20 weiterbauen zu wollen, weil sie von herausragender Bedeutung für den gesamten norddeutschen Raum sei. Die mitregierenden Grünen befürworten allerdings nur den Weiterbau der Autobahn bis zur A 7 westlich von Bad Segeberg.

Immerhin: Der Planfeststellungsbeschluss für den Abschnitt von Weede bis Wittenborn südlich um Bad Segeberg herum liegt bereits seit vier Jahren vor.

„Die Fledermaus- und Haselmausdaten werden derzeit aufbereitet und die bereits planfestgestellten Schutzmaßnahmen dahingehend überprüft, ob zusätzliche Maßnahmen erforderlich werden, bereits vorgesehene entfallen können oder das Schutzkonzept in Gänze bestätigt wird“, sagt Harald Haase, Sprecher des Verkehrsministeriums in Kiel. Anschließend werde das Gutachten öffentlich ausgelegt, wobei Einwendungen ausgewertet werden müssten, bevor es zu einem ergänzenden Planfeststellungsbeschluss zu diesem Themenkomplex komme.

Das Ministerium will sich zeitlich allerdings nicht festlegen. Harald Hasse ist nur zu dieser Äußerung bereit: „Die A 20 rund um Bad Segeberg genießt wie der weitere Anschluss an die A 7 höchste Priorität.“ Um einer möglichen Klage von Naturschutzverbänden aus dem Weg zu gehen, werden nach Angaben des Ministeriumssprechers „prozessbegleitende Gespräche“ geführt, um das gesamte Expertenwissen zu bündeln und einen Konsens herbeizuführen.

Weitere Hindernisse, die den Bau der Autobahn um Bad Segeberg herum und weiter bis zur A 7 verhindern könnten, sind dem Verkehrsministerium nach Angaben Haases nicht bekannt. Der Schutz einer gefährdeten Reptilienart wurde bereits vor Jahren in die Wege geleitet: Für die unscheinbare und auf der Roten Liste bedrohter Tier- und Pflanzenarten stehenden Schlingnatter wurde ein neuer Lebensraum geschaffen. Über ein begleitendes Monitoring wird der Erfolg kontrolliert. Diese Ausgleichsmaßnahme war nach dem Bundesnaturschutzgesetz nötig.