Norderstedt
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Freiwillige Helfer werden dringend gesucht

Marina Groth (17) und Frederik Hartz (21) haben während ihres Freiwilligen Sozialen Jahres bei den Norderstedter Wohn- und Werkstätten viel gelernt

Marina Groth (17) und Frederik Hartz (21) haben während ihres Freiwilligen Sozialen Jahres bei den Norderstedter Wohn- und Werkstätten viel gelernt

Foto: Fenya Hentsch / HA

Soziale Einrichtungen in Norderstedt können ihre Plätze im Bundesfreiwilligendienst nicht besetzen, denn es fehlen die Bewerber.

Norderstedt.  Freie Stellen und zu wenige Bewerber – das ist die Bilanz für den Bundesfreiwilligendienst (BFD) in Norderstedt. Vor fünf Jahren hat der Bund den Freiwilligendienst als Ersatz für den Zivildienst eingeführt, doch noch scheint er nicht den Stellenwert seines Vorgängers zu haben, denn: Die Stellen, die Norderstedter Einrichtungen für die sogenannten Bufdis anbieten, sind nur zum Teil besetzt, wie eine Umfrage des Abendblattes ergab. Ob die Norderstedter Wohn- und Werkstätten oder das Rauhe Haus – die Träger suchen freiwillige Helfer, nicht nur Bufdis, sondern auch Männer und Frauen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolvieren wollen.

„Wir sind noch auf der Suche nach mindestens drei Bufdis“, sagt Andrea Conradi von den Norderstedter Werkstätten. Sechs Stellen stellt die Diakonie, Träger der Einrichtung, in der behinderte Menschen leben und arbeiten, zur Verfügung. Ab Ende August sind nur noch drei davon besetzt. Dabei werden die Bufdis eigentlich immer gebraucht: In den Norderstedter Werkstätten gibt es zehn Montagegruppen, eine Tischlerei, einen Gartenbetrieb, eine Tagesförderstätte sowie die Bereiche für Menschen mit psychischen Behinderungen. Seit kurzem gibt es dort auch eine Küche, in der behinderte Menschen für ihre Kollegen kochen.

Auch im Rauhen Haus sieht es nicht besser aus. Die Einrichtung, die ebenfalls behinderte Menschen in der Region betreut, vergibt sechs Plätze, nicht nur für Bufdis, sondern auch für FSJler. Auch hier sind nur zwei Stellen besetzt. Obwohl das Rauhe Haus fleißig durch Anzeigen in der Lokalpresse und durch Aushänge in allen Schulen im Kreis Segeberg wirbt, melden sich kaum Bewerber. Ob in Henstedt-Ulzburg, Kaltenkirchen oder Kattendorf – überall gibt es noch Plätze.

Das Rauhe Haus sucht Bufdis für die Tagesbetreuung, die Tagesförderung, sowie fürs Wohnhaus und das Sozialkaufhaus Ran & Gut. Auch über FSJ 4 You können sich Interessierte bewerben. Über diese Plattform sollen besonders Menschen mit Migrationshintergrund oder auch schlechten Schulabschlüssen angesprochen werden.

Mario Röhres (48) hat sich auf eigene Faust beworben. Er recherchierte im Internet und stieß schließlich auf die Rosa-Settemeyer-Stiftung. „Ich stellte mich dort einfach vor, absolvierte einen Probetag und war dann innerhalb von 14 Tagen Bufdi.“ Außerdem bezog er eine Wohnung auf dem Gelände der Norderstedter Einrichtung. Die Stiftung stellt Freiwilligen von außerhalb Wohnraum zur Verfügung. Ähnlich lief es auch bei Marlon Hennings (18). Auch der FSJler fand schnell seinen Freiwilligen-Job. Beiden macht ihre Arbeit in der Stiftung Spaß. „Natürlich ist es manchmal anstrengend, aber auch abwechselungsreich“ sagt Marlon. „Kein Tag ist wie der andere.“

Genauso sehen es auch Marina Groth (17) und Frederik Hartz (21). Auch sie sind FSJler, allerdings bei den Norderstedter Wohn- und Werkstätten. Frederik suchte nach einer sozialen Einrichtung für sein FSJ, fand die Norderstedter Werkstätten und fuhr einfach hin, um sich vorzustellen. Prompt landete er im Vorstellungsgespräch und absolvierte einen Probetag. Marina kannte die Einrichtung noch von einem zweiwöchigen Praktikum und bewarb sich nochmals dort. Auch sie wurde nach einem Probetag eingestellt.

Beide sind glücklich mit ihrer Wahl. „Das Jahr hat mir unheimlich viel gegeben“ sagt Frederik und Marina ergänzt: „Eigentlich dachte ich, dass ich hierher komme um den Leuten etwas beizubringen. Stattdessen haben sie mir mindestens genauso viel beigebracht.“

Wer also nicht vor einer Herausforderung zurückschreckt und noch einen Platz für seinen Freiwilligendienst sucht, kann sich noch bei allen drei Einrichtungen bewerben. Bewerbungen für die Norderstedter Werkstätten an andrea.conradi@norderstedter-werkstaetten.de, für die Rosa-Settemeyer-Stiftung an schaefer@settemeyer-stiftung.de und für das Raue Haus an freiwillig@rauheshaus.de.

Einen anderen Weg ist Annabell Arndt aus Nahe gegangen. Sie hat sich für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr entschieden, das sie beim Verein „Eine Welt für Alle” im Norderstedter Weltladen absolviert. Die junge Frau wird das ehrenamtliche Team im Laden unterstützen und helfen, die Konzerte unter dem Schirm zu organisieren. „Das Weltladenteam freut sich sehr über die neue junge freiwillige Mitarbeiterin“, sagt Franz Maletzke vom Verein.