Norderstedt
Kreis Segeberg

47 Millionen Euro für die Landesstraßen

Wakendorf II: Verkehrsminister Reinhard Meyer (rechts, SPD) und Bürgermeister Hans-Hermann Schütt begutachten die Sanierungsarbeiten auf der Landesstraße 75

Wakendorf II: Verkehrsminister Reinhard Meyer (rechts, SPD) und Bürgermeister Hans-Hermann Schütt begutachten die Sanierungsarbeiten auf der Landesstraße 75

Foto: Christopher Herbst / HA

Beim Ortstermin in Wakendorf II erklärt Verkehrsminister Reinhard Meyer seine Investitionsstrategie für die Verkehrsinfrastruktur.

Kreis Segeberg.  Die Versäumnisse der Vergangenheit holen Schleswig-Holstein ein. Was die heimische Infrastruktur angeht, hat das nördlichste Bundesland enormen Nachholbedarf. Das hat Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) am Dienstag in Wakendorf II verdeutlicht, als die Großbaustelle auf der Landesstraße 75 begutachtete. „25 Jahre wurde zu wenig in die Infrastruktur investiert. 1990 war der Zustand der Landesstraßen noch gut. Die Landesregierung legte 2014 erstmals einen Landesstraßen-Zustandsbericht vor. Rund ein Drittel war sanierungsbedürftig. Jetzt haben wir im Vergleich zu 2011 die Mittel verdreifacht.“

47 Millionen Euro fließen 2016 in die Instandsetzung von rund 90 Kilometern Landesstraße. Einer der Schwerpunkte ist der Kreis Segeberg mit der L 75 – sie ist eine wichtige Verbindungsachse, führt von Elmshorn, also der Autobahn 23, bis zur Bundesstraße 432. Kürzlich haben hier zwei Großprojekte begonnen: In Nahe wird die Asphaltdecke erneuert, zudem ersetzt die Gemeinde auf eigene Kosten in diesem Zuge die Kanalisation. Teil zwei, und darum ging es in Wakendorf II, ist ein 6,3 Kilometer langer Abschnitt von Götzberg bis zur Ortseinfahrt Nahe – also einschließlich der Durchfahrt in Wakendorf II.

„Die letzte Sanierung ist hier zehn Jahre her. Das hielt nicht, wie wir uns das vorstellen“, sagte Christoph Köster, zuständiger Dezernatsleiter beim Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr. 25 Jahre seien eigentlich die Maßgabe. „Aber wir hatten sichtbare Auflösungserscheinungen im Bereich der Einmündung der Kreisstraße nach Wilstedt, wo der Asphalt sich gelöst hat. Die Probleme lagen in tieferen Schichten.“

Zusammengerechnet kosten die Sanierung der Strecke ab Götzberg sowie innerorts von Nahe das Land 2,5 Millionen Euro. Eine weiträumige Umleitung verläuft weiter nördlich über Henstedt-Ulzburg, Kisdorf und Oering. Die Vollsperrung ist laut LBV nötig, damit die Arbeiten schneller vorangehen, als es bei einer Einbahnstraßenregelung der Fall wäre. Köster: „Wakendorf II wollen wir in den Sommerferien sanieren, damit es zu keinem Konflikt mit dem Schulbusverkehr kommt.“

Grundsätzlich arbeitet der Landesbetrieb eine Prioritätenliste ab, die drei Punkte umfasst: den jeweiligen Zustand einer Straße, das Verkehrsaufkommen sowie die Netzfunktion, also wenn Orte im ländlichen Raum miteinander verbunden werden. „Die L 75 stand relativ schnell oben auf der Prioritätenliste“, sagte Reinhard Meyer.

Beim „Wesselkreisel“ herrscht derzeit Stillstand

Der Minister wurde bei seinem Besuch in Wakendorf II zudem an ein ganz anderes Projekt erinnert, das im Gegensatz zur L 75 überhaupt nicht vorankommt. Es ist knapp 14 Monate her, als der Minister nicht weit entfernt in Kisdorf zu Besuch war. Seinerzeit ging es bei dem Ortstermin um den geplanten Umbau der stark frequentierten „Wesselkreuzung“ in einen einspurigen Kreisverkehr. Dort, wo sich zwei Kreisstraßen und eine Landesstraße treffen, wurden teilweise schon mehr als 15.000 Fahrzeuge am Tag gezählt, die Wartezeiten an den roten Ampeln betragen aufgrund des Verkehrsaufkommens und einer komplizierten Schaltung mit vier Phasen zur Rush-Hour nicht selten 90 Sekunden.

Eigentlich hätte der Bau in diesem Sommer beginnen sollen. Kisdorfs Bürgermeister Reimer Wisch (CDU) ist genervt von der Verzögerung. „Ich habe vom Landesbetrieb aus Lübeck ein Schreiben bekommen, dass die Planung für den Kreisverkehr auf die ehrenamtliche Gemeinde Kisdorf übertragen werden soll“, berichtete er. „Wir sollen jetzt den Kreisel planen und das Amt mit einschalten. Das ist nicht machbar. Ich habe dem LBV die Empfehlung gegeben, ein Ingenieurbüro einzuschalten.“

Der Minister zeigte sich diesem Vorschlag gegenüber offen. „Auch der Kreis könnte planen. Das Problem wird hin- und hergeschoben. Was aus Lübeck gesagt wird, ist unbefriedigend. Dass man die Gemeinde nicht allein lassen kann, ist klar.“

2015 hatte er bereits zugesagt, dass das Land den Kreisel mit 220.000 Euro mitfinanzieren würde – die restlichen 240.000 Euro kämen vom Kreis Segeberg. Meyer und Wisch vereinbarten ein baldiges Gespräch, um die Planung wieder in Gang zu bringen.