Norderstedt
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Bewährungsstrafe für Fahrt mit 2,48 Promille

Der Richter des Amtsgerichtes Nordersted verurteilte den Angeklagten zu einer Bewährungsstrafe

Der Richter des Amtsgerichtes Nordersted verurteilte den Angeklagten zu einer Bewährungsstrafe

Foto: Michael Rauhe

Nicht zum ersten Mal setzte sich der 57-jährige Angeklagte unter Alkoholeinfluss hinters Steuer seines Motorrollers.

Norderstedt.  Es gibt Menschen, die einen unheilvollen Begleiter in ihrem Leben haben: Alkohol. Dieter S. (Name von der Redaktion geändert) gehört zu den Unglücklichen. Trotz mehrerer Versuche ist er nie vom Hochprozentigen losgekommen. Kleinlaut saß der 57-Jährige im Amtsgericht Norderstedt auf dem Anklagestuhl – und das nicht zum ersten Mal. Vorsätzliche Trunkenheit im Verkehr wird dem einschlägig Vorbestraften vorgeworfen.

Laut Anklage kurvte Dieter S. im vorigen Januar mit seinem Motorroller in Schlangenlinien durch Kaltenkirchen. Mehrfach geriet er dabei fast in den Gegenverkehr. Sein Schutzengel musste damals Schwerstarbeit leisten. Der festgestellte Alkoholgehalt: 2,48 Promille.

Angeblich will der kleine unauffällige Mann mit den grauen Haaren vor seiner Fahrt nur zwei Bier und einen Korn getrunken haben. „Ich kann wohl nichts mehr ab“, zweifelte er an seiner Trinkfestigkeit. Amtsrichter Matthias Lohmann erfuhr durch einfühlsame Nachfragen, dass das Leben dieses Mannes ein ständiger Kampf gegen seine Sucht war. Mehrmals, so gestand Dieter S., habe er ambulante Entziehungskuren versucht – leider alle vergeblich. „Im Moment“, freute sich Dieter S., „fasse ich aber gar nichts an.“

Zu den von Glück und Erfolgen verwöhnten Menschen zählt der Angeklagte eindeutig nicht. Er war Lagerarbeiter und Produktionshelfer. Kürzlich kündigte ihm seine Zeitarbeitsfirma, seitdem ist er arbeitslos. Als er bei der Alkoholfahrt von der Polizei geschnappt wurde, kam er von der Bank, die ihm gerade das Konto gekündigt hatte. Etwa 5000 Euro Schulden schiebt er verzweifelt vor sich her. Dieter S. lebt allein, seine geschiedene Frau hat einen Schlaganfall erlitten. „Ich kümmere mich um sie“, sagte er, „das bin ich ihr schuldig“.

Ausgesprochen lobende Worte fand der Bewährungshelfer, der sich seit Längerem um den Angeklagten kümmert. Bei seinen unangemeldeten Hausbesuchen sei die Wohnung tiptop aufgeräumt. Angestrengt überlege sein Mandant, wie er den Schuldenberg abtragen könne. „Er trinkt nur bei Problemen. Vor der Unglücksfahrt war ihm alles über den Kopf gewachsen“, stellte der Bewährungshelfer fest.

Die halbwegs günstige Sozialprognose sprach für den Angeklagten, die einschlägigen Vorstrafen gegen ihn. Amtsrichter Lohmann verurteilte Dieter S. zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung. Bewährungszeit: drei Jahre. Er muss mit Hilfe seines Bewährungshelfers unverzüglich zur Schuldnerberatung und zur ATS-Suchthilfe. Außerdem hat er 40 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Amtsrichter Lohmann zum Angeklagten: „Das Urteil ist die letzte Warnung! Wenn sie rückfällig werden, geht es beim nächsten Mal hinter Gitter. Es besteht aber Anlass zur Hoffnung, dass sie es schaffen.“