Norderstedt
Kreis Segeberg

Sicherheitsberater für Senioren vorgestellt

Sie beraten die Senioren: Klaus Otterstetter, Gerd Wilcken, der Polizeibeamte Christian Schmok, Jörg-Henning Schulze und Manfred Räker (von links)

Sie beraten die Senioren: Klaus Otterstetter, Gerd Wilcken, der Polizeibeamte Christian Schmok, Jörg-Henning Schulze und Manfred Räker (von links)

Foto: Wolfgang Klietz

Die Polizei hat Experten ausgebildet, die ältere Menschen informieren sollen. Schwerpunkte sind Enkeltrickbetrug und Einbruch.

Kreis Segeberg.  Die Unsicherheit bei älteren Menschen ist groß: Wie schütze ich mich vor Betrügern? Wie kann ich Einbrüche oder Diebstähle verhindern? Antworten auf diese Fragen geben im Kreis Segeberg vier Männer, die eng mit der Polizei zusammen arbeiten und ebenfalls zur Generation der Senioren gehören: „Sicherheitsberater für Senioren“ heißen die ehrenamtlichen Experten, die von der Polizei geschult und unterstützt werden.

Die Henstedt-Ulzburger Klaus Otterstetter und Jörn-Henning Schulze übernahmen 2014 als erste diese Aufgabe. Jetzt haben sie Verstärkung bekommen: Manfred Räker aus Nahe und Gerd Wilcken aus Bad Bramstedt haben sich ebenfalls in der Fachhochschule der Polizei in Kiel-Altenholz ausbilden lassen.

Die vier Männer sind unterwegs bei Seniorenkreisen, Landfrauen und in Kirchengruppen, sie halten Vorträge beim Sozialverband und verteilen Informationsmaterial. „Dabei gibt es zwei Themenschwerpunkte“, sagt Christian Schmok, Präventionsbeamter bei der Polizeidirektion Bad Segeberg. „Das sind Enkeltrickbetrug und Einbruch.“

Wie groß die Sorgen sind, hat der pensionierte Bundespolizist Gerd Wilcken erlebt, als er seinen ersten Vortrag hielt. 44 Senioren des Roten Kreuzes saßen dem 62-Jährigen im Bramstedter Schloss gegenüber. Zwei Frauen war schon einmal die Handtasche gestohlen worden, zwei hatten plötzlich betrügerische Handwerkerkolonnen an der Haustür. Eine berichtete von einem versuchten Enkeltrick.

Diese Masche organisierter Banden ist gefürchtet. Anrufer melden sich per Telefon bei alten Menschen, geben sich geschickt als Verwandter aus und täuschen eine Notlage vor. Angeblich benötigen sie schnell eine große Summe Bargeld, die von einem Boten abgeholt werden soll. Einige Senioren in Norddeutschland haben fünfstellige Summen gezahlt. „Ich will den Menschen Mut machen, konsequent zu sein und Nein zu sagen“, berichtet Wilcken. „Wir müssen den Senioren das Gefühl vermitteln, dass sie nicht hilflos sind.“

Der 67-jährige Manfred Räker hat als Bauingenieur gearbeitet, bevor er in Rente ging und entschied, sich sozial zu engagieren. Auch er sagt: „Ich will die alten Menschen nicht verunsichern, ich will sie sensibilisieren.“ Wichtig sei, den Menschen klar zu machen, dass sie in Deutschland relativ sicher leben können. Wenn aber Senioren auf Kriminelle treffen, haben sie es – zum Beispiel bei Enkeltrickbetrug oder Haustürgeschäften – meistens mit Profis zu tun. Räker: „Dann muss auch klar sein, dass man den Notruf 110 wählt, wenn etwas nicht stimmt.“

Der 77-jährige Schulze arbeitete früher als Fluglotse, der drei Jahre jüngere Otterstetter war weltweit im Vertrieb für Medizintechnik unterwegs. Sie treten als Sicherheitsberater für Senioren gemeinsam auf und sind seit 2014 bei vielen Informationsveranstaltungen zu Gast gewesen. Otterstetter informiert über die Sicherheit im Haus, sein Kollege über den Schutz vor Straftätern in der Öffentlichkeit. Zur ihrer Standardausrüstung gehört ein Fenster mit Rahmen. Damit demonstrieren sie anschaulich, wie schnell sich das Fenster von außen öffnen lässt, wenn es auf Kipp steht.

Auch andere, scheinbar selbstverständliche Sicherheitstipps haben die Berater parat. „Es gibt besonders im ländlichen Raum immer noch viele ältere Menschen, die Haustürschlüssel unter Fußmatten verstecken“, berichtet Otterstetter. „Dort finden sie Straftäter garantiert.“

Der Polizeibeamte Schmok und seine Kollegen sorgen dafür, dass die Sicherheitsberater gut informiert sind, welche Delikte sich gerade häufen und wo Banden einen regionalen Schwerpunkt setzen. „Wir haben einen kurzen Draht zueinander“, sagt Schmok. Ein Problem hat die Polizei noch nicht gelöst: Bislang hat sich niemand gefunden, der in Norderstedt und in Bad Segeberg als Sicherheitsberater für Senioren ehrenamtlich arbeiten möchte.

Wer die Berater für eine Veranstaltung einladen möchte, sollte sich an die örtliche Polizeidienststelle wenden.