Norderstedt
Urlaub

In Hasloh fühlen sich die Mobil-Camper wohl

Die beiden Freundinnen Conny Matthes (l.) und Maja Niethard aus Berlin machen mit ihren kleinen Kindern Mateo und Max Kurzurlaub auf dem Wohnmobil-Platz in Hasloh, um von hier aus Freunde in Hamburg und Quickborn sowie eine Hochzeit zu besuchen

Die beiden Freundinnen Conny Matthes (l.) und Maja Niethard aus Berlin machen mit ihren kleinen Kindern Mateo und Max Kurzurlaub auf dem Wohnmobil-Platz in Hasloh, um von hier aus Freunde in Hamburg und Quickborn sowie eine Hochzeit zu besuchen

Foto: Burkhard Fuchs

Stellplatz Tante Henni: Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Zahl der Besucher des Hasloher Platzes auf 1000 im Jahr verdreifacht.

Hasloh.  Seine Zielgruppe ist die reisefreudige Freizeitgeneration 55plus. „Die haben Zeit und Geld, wollen etwas erleben und sich auch einmal was gönnen“, sagt Norbert Schadendorf. Erst seit zwei Jahren betreibt der Unternehmer in Hasloh auf einer idyllisch versteckten Rasenfläche, die einmal der Tante seines Vaters gehörte, den Stellplatz für Wohnmobilisten „Tante Henni“. Der Erfolg gibt ihm recht. In dieser Zeit habe sich die Zahl der Übernachtungen auf 1000 im Jahr verdreifacht. „Das Bedürfnis nach mobiler, flexibler und individueller Freizeitgestaltung ist enorm gestiegen“, sagt Schadendorf. „Und das Reisemobil trägt zur Erfüllung dieser Art Freizeitgestaltung bei.“

Seine Besucher bestätigen diese Einschätzung. Das Ehepaar Elke und Hans-Jürgen Graf aus Löhne bei Herfort zum Beispiel. Sie wollen von Hasloh aus Hamburg, die Elbe und das Alte Land zu erkunden. „Wir fahren seit 30 Jahren mit unserem Wohnmobil quer durch die Lande und halten an, wo es uns gefällt“, sagt der passionierte Reisemobilist aus Westfalen, den es so an seinem 60. Geburtstag in das grüne Dorf Hasloh verschlagen hat.

Es sei diese Freiheit, nichts buchen zu müssen, sofort weiterfahren zu können, wenn das Wetter mies ist, wie voriges Jahr in der Bretagne, die sie an dieser Art des Reisens so lieben, erzählt Ehefrau Graf. Sie fahren einfach los, ohne zu wissen, wo sie schließlich landen. Wenn sie rasten wollen, schauen sie auf das Internetportal Promobil, das allein für Deutschland mehr als 3000 Plätze für Wohnmobilisten ausführlich beschreibt und bewertet. Darüber seien sie auch auf „Tante Henni“ in Hasloh gestoßen, wo es ihnen auf Anhieb gefallen hat.

Duschen, WC, Strom, Wasser, Abwasser, WLAN, Bistro und ein netter Betreiber spielten bei der Auswahl eine Rolle. „Das Wichtigste ist der Platz“, erklärt Graf. Sie müssten schon ihre Markise ausfahren können, unter der sie in aller Ruhe und gemütlich auf ihren Campingstühlen sitzen könnten. Manche Plätze seien so eng und dicht gedrängt, dass sie nicht einmal das Fenster aufmachen könnten. Das sei in Hasloh zum Glück nicht der Fall. Nun wollten sie hier ein paar Tage in aller Ruhe ausspannen, bis sie weiterführen, sagen die Spontanurlauber.

Schadendorf bringt diese Kultur des mobilen Reisens auf den Punkt, indem er das Selbstverständnis seiner Gäste beschreibt: „Im Hotel bin ich Gast, in meinem Wohnmobil bin ich zu Hause.“

Das gilt auch für die Berlinerinnen Conny Matthes und Maja Niethard, die mit ihren kleinen Kindern einen Ausflug in „Deutschlands zweitschönste Stadt“ machen, um Freunde zu besuchen. Der Stellplatz in Hasloh sei schön grün und ideal gelegen, um mit dem Fahrrad nach Hamburg reinzufahren, erklärt Conny Matthes. „Wir haben ja das Wohnmobil. Für ein Hotel wären unsere kleinen Rabauken viel zu lebhaft.“ Hier hätten sie ausreichend geschützten Raum, um draußen in der Natur zu toben und zu spielen. „Außerdem gibt es keinen Straßenlärm“, sagt die Berlinerin und staunt. Nur die Flugzeuge seien manchmal etwas laut, wenn sie hier über Hasloh Fuhlsbüttel ansteuerten.

Neben den Tages-, Spontan- und Kurzurlaubern beherbergt Schadendorf auch viele Durchreisende, die auf ihrem Weg nach Skandinavien oder in den Süden bei ihm Rast machten. „Vorige Woche waren einige Holländer und Schweizer darunter.“

Aber auch Gäste, die sich kein teures Hotel leisten könnten, aber notgedrungen hier sein müssten, gehörten dazu. Wie Monteure und Handwerker wie Holger Dethloff aus Heide, der gerade in Pinneberg eine Wohnung renoviert. Oder wie Hans-Joachim Schumann, dessen Frau Ingeborg gerade in der Hamburger Endo-Klinik an der Hüfte operiert wird und die der Rentner am Krankenbett natürlich begleiten möchte, ohne ein Vermögen für Hotelkosten ausgeben zu müssen.

„Der Tourismus ist ein riesiger Wirtschaftsfaktor, der im Kreis Pinneberg noch zu sehr verkannt wird“, wundert sich Schadendorf. Zum Hamburger Hafengeburtstag war sein Platz ausgebucht. Es fehle eine übergeordnete Strategie und eine Vernetzung der verschiedenen Angebote, klagt der Wohnmobilplatzbetreiber.

Eine Kritik, die Kreis-Wirtschaftsförderer Harald G. Schroers nicht so stehenlassen möchte. „Wir nehmen den Tourismus ernst und gehören dem Verband Holstein, Unterelbe Auenland an.“ Darüber würden die Aktivitäten gemeinsam von Glückstadt aus vermarktet. „Aber die meisten Leute kommen hierher, weil sie ein Event in Hamburg besuchen wollen. Im Tourismus ist der Kreis Pinneberg eher ein kleines Licht.“

Eine Einschätzung, die Schadendorf nicht teilen mag. „Es ist alles zu kleinteilig. Es fehlt das Übergreifende und praxisnahe Angebot, das dem Touristen auch für das Hamburger Umland ein Rundum-Sorglos-Paket beschert.“

Weitere Wohnmobilstellplätze gibt es im Kreis Pinneberg in Barmstedt am See (5 Stellplätze), in Uetersen am Stichhafen (4), in Wedel am Festplatz (20) und Yachthafen (12), in Pinneberg an der Hochbrücke (10), in Elmshorn am Nordufer (4), in Quickborn Holmmoor-Ost (2) und -West (10) und in Sestermühe (4).