Norderstedt
Bildung

Beste Schule des Jahres steht in Norderstedt

Die Lehrer freuen sich über den Sieg: Schulleiterin Barbara Schirrmacher, Stellvertreter Rainer Bülck, Gunhild Röll, Ulla Siebert, Stephan Kruse und Uta Dose.

Foto: Michael Schick

Die Lehrer freuen sich über den Sieg: Schulleiterin Barbara Schirrmacher, Stellvertreter Rainer Bülck, Gunhild Röll, Ulla Siebert, Stephan Kruse und Uta Dose.

An der Gemeinschaftsschule Harksheide lernen Schüler selbstständig. Bis Klasse acht gibt es keine Noten. Sieg wird tüchtig gefeiert.

Norderstedt.  Ein grüner Stift und fünf Würfel sind die Symbole des Sieges. Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hat die Gemeinschaftsschule Harksheide als "Schule des Jahres" ausgezeichnet. Die Würfel stehen für die fünf Säulen des Gewinner-Konzeptes: Gemeinsam lernen, selbstständig, transparent, vernetzt und modern lernen – diese Schlagworte füllen Lehrer und Schüler der Norderstedter Schule so gut mit Leben, dass die Jury das Lehren und Lernen als herausragend bewertete.

Gemeinsamkeit: "Das Kollegium muss an einem Strang ziehen und hinter dem Konzept stehen. Das ist uns gelungen", sagt Schulleiterin Barbara Schirrmacher. Auch das Lernen funktioniert grundsätzlich gemeinsam, wobei es stark individualisierte Phasen gibt. "Wir haben in den Klassen vier Niveaus, denen wir gerecht werden müssen und wollen", sagt Konrektor Rainer Bülck. Behinderte Kinder mit Förderbedarf, Kinder, die den Ersten Allgemeinbildenden Schulabschluss (früher Hauptschulabschluss), den Mittleren Allgemeinbildenden Schulabschluss (Realschulabschluss) oder das Abitur anstreben. Dennoch verzichten die Harksheider Pädagogen darauf, die Schüler in Kurse mit unterschiedlichen Anforderungen aufzuteilen. Binnendifferenzierung lautet das Stichwort, die Jungen und Mädchen bekommen leistungsangepasste Aufgaben, jeder seinen persönlichen Lernfahrplan. Nicht jeder kann und soll am Ende das gleiche Wissen, die gleichen Fertigkeiten besitzen, sondern mit seinen persönlichen Stärken glänzen. Das stärke Selbstbewusstsein und Motivation. Gemeinsam lernen heißt für die Harksheider auch voneinander lernen. Die Leistungsstarken helfen den Schwächeren, die Älteren den Jüngeren.

Selbstständig lernen: Viel Zeit verwenden die Pädagogen darauf, die Grundlagen zu legen. Wie lege ich einen Ordner an? Wie finde ich Informationen? Wie recherchiere ich ein Thema? Funktioniert die Basis, können die Schüler auch ohne Lehrer lernen, gerne auch mal mit dem Rücken an der Wand, dem schulischen Notebook auf dem Schoß und hingelümmelt auf dem Fußboden im Treppenhaus. Die Lehrer setzen auf Selbstverantwortung und Selbstkorrektur, und da kommt der grüne Stift ins Spiel, grün ist die Korrekturfarbe der Schüler.

Transparent: In den Klassen fünf bis sieben gibt es keine Noten, die Schüler bekommen Bewertungsbogen statt Ziffernzeugnisse. Am Rand und unter der Arbeit stehen ein Minus, ein Kreis, ein Plus oder ein Ausrufzeichen. "Wir knüpfen damit an Beurteilungssymbole an, wie sie die Schüler aus der Grundschule kennen", sagt Schirrmacher. Beurteilt werden Basiskompetenzen wie Arbeitsorganisation, Konzentration, Selbstständigkeit, die Bereitschaft, sich an Regeln zu halten und anderen zu helfen, Konflikte mit fairen Mitteln zu lösen. Wie weit die Ziele erreicht sind, lässt sich an der Länge der Balken ablesen. Das gilt auch für Wissen und Können in Deutsch, Mathe, Englisch und Weltkunde. Ab Klasse acht sind Noten verpflichtend.

Vernetzt ist die Gemeinschaftsschule mit anderen Schulen in der Stadt und im Land. "Wir tauschen uns regelmäßig aus", sagt die Schulleiterin. Es gibt eine Kooperation mit den Stadtwerken, Schüler bekommen dabei auch ganz praktisch Einblicke ins Berufsleben. Vertraglich besiegelt ist die Zusammenarbeit mit dem Berufsbildungszentrum in Norderstedt – dorthin wechseln Gemeinschaftsschüler nach Klasse zehn. Inzwischen schafft rund die Hälfte den Übergang Richtung Abitur oder Fachabitur. Das pädagogische Konzept scheint zu fruchten.

Als Erfolg ihrer Arbeit werten die Pädagogen auch das gute Abschneiden bei VERA – die Schulen im Norden können sich in den Klassenstufen drei, sechs und acht an landesweiten Vergleichsarbeiten in Deutsch, Mathe und Englisch beteiligen. "Und da liegen wir immer über dem Durchschnitt in Schleswig-Holstein ", sagt Schulleiterin Barbara Schirrmacher.

Auch intern ist die Harksheider Schule vernetzt und setzt auf digitale Medien, womit auch das Stichwort "modern" mit Inhalt gefüllt ist. "Bei uns gibt es keine grüne Tafel und keinen Kreidestaub mehr", sagt die Schulleiterin. Stattdessen Activ Boards, WLAN und Notebooks. Dazu hat der Um- und Neubau Schülern wie Lehrern ausreichend Räume beschert, vor allem Differenzierungsräume, in denen Schüler allein oder in Gruppen Lücken schließen können. Jeder Lehrer hat einen Arbeitsplatz mit Bewegungsfreiheit, keine Selbstverständlichkeit, wie ein Blick in viele andere Lehrerzimmer zeigt.

Konzept und Einsatz der Harksheider Pädagogen wurden nicht nur mit einer Urkunde, sondern auch mit 10.000 Euro belohnt. Was macht die Schule damit? "Genau steht das noch nicht fest. Wir werden sicher feiern und uns etwas anschaffen", sagt die Schulleiterin.

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