Norderstedt
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Kunden-Flaute im Neubau des Herold-Centers

40 Prozent unter den Umsatzerwartungen: Bäckerei-Franchisenehmer Nima Mani ist mit dem Kundenaufkommen in der Süderweiterung unzufrieden

40 Prozent unter den Umsatzerwartungen: Bäckerei-Franchisenehmer Nima Mani ist mit dem Kundenaufkommen in der Süderweiterung unzufrieden

Foto: Andreas Burgmayer / HA

Süderweiterung des Einkaufszentrum in Norderstedt wird von den Besuchern noch nicht angenommen, viele Geschäfte stehen leer.

Norderstedt.  Nachmittags, sagt Nima Mani, kommt kaum noch jemand an seiner Nur-Hier-Filiale vorbei. „Dann wird es hier ganz ruhig. Und ich muss nur einen Mitarbeiter an der Theke stehen lassen – das reicht völlig.“ Der Franchisenehmer in der neuen Süderweiterung des Herold-Centers an der Europaallee klagt über mangelndes Kundenaufkommen. „Meine Umsätze in der Bäckerei sind zwischen 30 und 40 Prozent unter dem, was sein müsste“, sagt Mani. „Ich hoffe natürlich, dass die drei leer stehenden Ladenflächen in der Passage bald vermietet werden. Vielleicht wird es dann endlich besser.“ Wem dauerhaft 40 Prozent Umsatz fehlt, der kann allerdings nicht ewig auf Besserung warten.

Im großen, modernen Rewe-Markt gleich nebenan gibt der Filialleiter keine Auskunft zur Situation und verweist auf die Firmenzentrale. „Doch uns fällt auf, dass der Markt schon Zehn-Prozent-Gutscheine an die Kunden verteilt. Was man so hört, sind die auch nicht zufrieden mit den Umsätzen“, sagt Sebastian Uerz. Der Norderstedter ist Friseur-Geselle beim alteingesessenen Friseur Vater und Sohn an der Europaallee, direkt am Ausgang der neuen Süderweiterung. „Seit sie eröffnet ist, kommen hier zwar mehr Leute durch. Aber zum Haareschneiden kommen nicht mehr Kunden.“ Uerz ärgert sich eher darüber, dass in der Passage noch eine Filiale einer Friseur-Kette angesiedelt wurde. „Das ist jetzt der 25. Friseur in der näheren Umgebung.“ Ein Verdrängungskampf, dem sich Einzelkämpfer wie Vater und Sohn stellen müssen. „Aber: Wir sind ganz gut davor und haben viele Stammkunden.“

Der Passage in der Süderweiterung müsse man wohl noch etwas Zeit zur Entwicklung geben: „Viele halten noch dem alten Rewe-Markt im Center die Treue. Und auch die Schüler aus dem Coppernicus-Gymnasium oder die Senioren aus dem Emma-Plambeck-Haus gehen eher da einkaufen. Der Weg ist einfach kürzer“, sagt Uerz.

„Wir sind sehr froh, dass die lange Bauzeit endlich beendet ist. Das war eine Herausforderung für die Geschäftsleute und Kunden“, sagt Olaf Heinzmann, Geschäftsführer der Ma­trix Immobilien GmbH, die den Einkaufsstandort in den letzten Jahren für rund 75 Millionen Euro um- und ausgebaut hat. In der ersten Phase wurde Karstadt modernisiert. Das Warenhaus holte den Sport aus dem Obergeschoss nach unten und erweiterte die Verkaufsfläche Richtung Berliner Allee auf 7900 Quadratmeter. Oben zog Saturn ein, der Elektronikmarkt bietet rund 5000 Artikel auf rund 3200 Quadratmetern. Nachdem diese Arbeiten nach 16 Monaten Bauzeit 2014 beendet waren, begann Teil zwei der Expansion.

Die Süderweiterung bringt auf zwei Geschossen nochmals rund 7000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Eingezogen sind der Rewe-Markt, ein Bäcker, ein Friseur, ein Tabakladen und ein Fitness-Studio. Drei Läden stehen noch leer. „Wir sind in Verhandlungen“, sagt Heinzmann. Im Gespräch seien eine Apotheke, ein Textil- und ein Schuhanbieter. „Durch die Süderweiterung hat der Standort deutlich gewonnen“, sagt der Matrix-Geschäftsführer. Das Unternehmen habe beim Ausbau darauf geachtet, dass die bekannten Wege zum Einkaufen erhalten bleiben und die Kunden die Eingänge nicht erst suchen müssen. Auch optisch werte der Neubau den Bereich auf: Die über viele Jahre vorhandene hässliche Brachfläche zwischen Karstadt und dem kleinen Geschäftszentrum an der Europaallee ist verschwunden.

„Wir spüren eine deutliche Belebung, wobei ich allerdings nur für das Herold-Center sprechen kann“, sagt Center-Managerin Danijela Brko. In der ersten Bauphase seien zwei wesentliche Lücken geschlossen worden. Saturn und der neue Sportbereich bei Karstadt machten den Standort deutlich interessanter für die Kunden. „40 Jahre mussten wir ohne Unterhaltungselektronik auskommen, das war im Vergleich zu anderen Einkaufszentren schon ein Nachteil“, sagt Brko. Außerdem sei die De-Gasperi-Passage neu gestaltet worden. Zahlen lägen nicht vor, aber die Umsätze würden kontinuierlich steigen. Durchschnittlich 33.000 Kunden pro Tag kaufen in den 140 Geschäften des Centers ein, das ein sehr lebendiger Standort sei.

Junge Leute treffen sich hier ebenso wie ältere. Norderstedter, Pinneberger, Quickborner, Langenhorner erledigten hier ihre Einkäufe. Der Einzugsbereich reiche bis nach Kaltenkirchen. „Unser Hauptkonkurrent ist weder das AEZ, noch Dodenhof oder der Langenhorner Markt, sondern die Hamburger City“, sagt die Center-Managerin, die sich noch mehr Bekleidungsangebote für Männer wünscht.

Nachdem der Einkaufstandort nun größer und attraktiver geworden ist, bleibt noch ein dunkler Fleck: die Europa-Passage, die Verbindung zwischen der Süderweiterung und dem Herold-Center, deren Betreiber, die Schintzel KG, sich bisher noch nicht zu einer Modernisierung durchringen konnte, aber: „Wir sind in Gesprächen“, sagt die Center-Managerin.