Norderstedt
Tierschutz

Stadt Norderstedt verbannt die Wildtiere

Foto: Wucherpfennig

Zirkusse, die Elefanten, Affen und andere Exoten in der Manege zur Schau stellen, dürfen in der Stadt nicht mehr auftreten.

Norderstedt Etwa 300 Zirkusse, so die Schätzung des Deutschen Tierschutzverbandes, touren in Deutschland immer noch mit exotischen Wildtieren. Um Norderstedt müssen sie künftig einen Bogen machen. Denn die Stadt gehört nun zu den 56 Städten in Deutschland, die ein kommunales Wildtierverbot auf allen städtischen Veranstaltungsflächen erlassen haben. Elefanten und Co. in der Manege – das ist in Norderstedt nun Vergangenheit.

Es war die Fraktion der Grünen, die das Thema im Hauptausschuss auf die Tagesordnung brachte. Die Kommunalpolitiker stießen bei der Stadt auf offene Türen. Denn dem Aufsichtsrat der Entwicklungsgesellschaft Norderstedt (EgNo), die im Auftrag der Stadt alle städtischen Liegenschaften verwaltet, vermarktet und verpachtet, lag bereits ein fertiger, rechtssicherer Entwurf für ein Wildtierverbot in Zirkussen auf Norderstedter Boden zur Abstimmung vor.

Die Rechtssicherheit ist entscheidend. Denn ein solches Verbot ist nur wirksam, wenn es richtig formuliert und begründet ist, handelt es sich doch um einen schweren Eingriff in die Berufsfreiheit der Zirkusbetriebe.

Zum Beispiel muss genau aufgeführt werden, welche Tiere nicht zur Schau gestellt werden dürfen. In Norderstedt sind das: Affen Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörner, Flusspferde, Tümmler, Delfine, Greifvögel, Flamingos, Pinguine, Wölfe und Robben. Die Zirkusse dürfen also in Norderstedt mit domestizierten Tieren ihre Shows machen, also mit Ziegen, Schafen, Schweinen, Hunden Katzen oder Ponys.

Ausdrücklich ausgenommen von dem vom EgNo-Aufsichtsrat beschlossenen Verbot sind Zirkusbetriebe, die vor dem 15. Juni bereits Gastspiele in der Stadt gebucht hatten – wobei solche Buchungen nicht bestehen. Außerdem Zirkusse, die nachweisen können, dass sie Wildtiere in ihrem Bestand haben, für die eine anderweitige Unterbringung nicht möglich ist. In der Auflistung der Tiere fehlen die Großkatzen. „Von Befürwortern der Zirkustiere wird gesagt, der Löwe liegt auch in der freien Natur 23 Stunden auf der faulen Haut und geht nur für eine Stunde jagen“, sagt Thomas Pietsch, Wildtierexperte der Tierschutzorganisation Vier Pfoten in Hamburg. „Deswegen eigne er sich für die Dressur und Haltung im Zirkus.“ Laut der Stadt Norderstedt gibt es einschlägige Urteile, die das Halten von Großkatzen in Zirkussen erlauben. Deswegen habe man sie aus der Verbotsliste gestrichen.

„Man kann Norderstedt zu dem Verbot nur beglückwünschen“, sagt Pietsch. „Doch wir erleben in anderen Städten, dass sich Zirkusse dann Flächen in Privatbesitz suchen und mit den Eigentümern Verträge machen.“ Die Kommune habe gegen diese privatrechtlichen Verträge keine Handhabe, könne lediglich an die Eigentümer appellieren, das Wildtierverbot mitzutragen. „Die kommunalen Verbote sind gut, aber sie sind auch eine ziemliche Flickschusterei“, sagt Thomas Pietsch. „Wir sind deshalb für eine bundesweite Regelung.“

Der Bundesrat hat zuletzt am 18. März mit einer Entschließung die Bundesregierung aufgefordert, eine bundesweit geltende Regelung einzuführen. „Doch bislang ist die Regierung nicht tätig geworden“, sagt Pietsch. Im europäischen und internationalen Ausland seien landesweite Verbote längst Standard. „In den Niederlanden wurde das gerade erst durchgesetzt.“

Für die deutschen Tierlehrer und Zirkus-Lobbyisten sind gerade die Niederlande ein Negativbeispiel. In ihrer Entgegnung zur Bundesratsinitiative wies der Tierlehrerverband darauf hin, dass in den Niederlanden der bislang führende Zirkus des Landes, der Zirkus Hermann Renz, seinen Betrieb einstellen musste.

„Andere Unternehmen sind gezwungen, Tiere abzugeben, die so aus ihrem gewohnten Umfeld entrissen werden. Ein betroffener Elefant ist bereits nach kurzer Zeit in einer Auffangstation verstorben.“

Die Diskussion um Wildtierverbote und die kommunalen Verbote seien für Tierlehrer „wie ein Damokles-Schwert, das sie in ihrer beruflichen Existenz bedroht“.

Aus Sicht von Detlev Grube, dem Fraktionschef der Grünen in der Stadtvertretung, fügt das Norderstedter Wildtierverbot auf städtischen Flächen niemandem Schaden zu. „Das ist einfach das Gebot des tiergerechten Umgangs mit Wildtieren in unserer Stadt.“