Norderstedt
Kreis Segeberg/Neumünster

Die üble Masche mit hilfsbereiten Senioren

Die Erfolgsquote des Trickdiebs bei den elf angeklagten Fällen: keine 40 Prozent

Die Erfolgsquote des Trickdiebs bei den elf angeklagten Fällen: keine 40 Prozent

Foto: Michael Rauhe

Schöffengericht verurteilt Angeklagten wegen gewerbsmäßigen Diebstahls. Trickdieb schaffte sich Zugriff zu Geldbörsen von Senioren.

Kreis Segeberg/Neumünster.  Tatort Supermarkt-Parkplatz: Mit der scheinbar harmlosen Bitte um Wechselmünzen für den Einkaufswagen verschaffte sich ein Trickdieb immer wieder Zugriff zu den Geldbörsen hilfsbereiter Senioren. Der mit dieser Masche schon mehrfach aufgefallene Serientäter wurde jetzt in Neumünster zu einem Jahr und sechs Monaten „Haft pur“ verurteilt.

Das Schöffengericht erkannte auf besonders schweren Diebstahl in acht Fällen. Drei weitere Tatvorwürfe wurden eingestellt, eine einschlägige Vorverurteilung miteinbezogen. Schon in Soltau und in Hameln hatte der rumänische Staatsbürger mehrmonatige Haftstrafen verbüßt. Von Hannover aus operierten seine gesondert verfolgten Landsleute, schickten ihn und weitere Täter gruppenweise im Pkw bis nach Flensburg und Harrislee.

Am 2. Oktober 2014 hatte der Angeklagte auf einem Aldi-Parkplatz in Hamburg-Langenhorn einem 79 Jahre alten Kunden eine Zwei-Euro-Münze entgegengehalten. Gemeinsam mit dem arglosen Zeugen hantierte der Angeklagte an dessen Portemonnaie herum – angeblich, um die gewünschten Münzen zu zeigen. Dass er in Wirklichkeit die Scheine – in diesem Fall rund 70 Euro - herauszuziehen wollte, räumte er vor Gericht über Dolmetscher ein.

Zur Verschleierung der Taten hielt der Angeklagte, der in Deutschland keinen festen Wohnsitz hat, gelegentlich ein Blatt Papier in der Hand. In anderen Fällen lenkte er die Senioren ab, indem er hinter ihren Rücken zeigte oder einem Komplizen in der Nähe etwas Unverständliches zurief.

Einen 89-Jährigen hatte der Trickdieb unterschätzt

Die Erfolgsquote des Trickdiebs bei den elf angeklagten Fällen: keine 40 Prozent. Meistens blieb es beim Versuch, weil die Angesprochenen misstrauisch wurden. Zwar öffneten fast alle Zeugen bereitwillig ihr Portemonnaie, wandten sich aber ab, als der Fremde ihnen immer dichter auf die Pelle rückte.

Vor dem Verhandlungssaal warteten die Geschädigten auf ihren Aufruf zur Aussage. Vornamen wie Friedrich, Joseph, Wilhelm, Reinhold und Siegfried zierten die Zeugenliste. Einen 89-Jährigen, der am 29. August 2014 bei einem Discounter einkaufen wollte, hatte der Täter offenbar unterschätzt: Unmittelbar nachdem er dem freundlichen Rentner blitzschnell 115 Euro in Scheinen entwendet hatte, schnappte dieser selbst zu und entriss ihm das Papiergeld.

Der Angeklagte flüchtete mit zwei Unbekannten in einem dunklen Opel-Kombi. Die höchste Beute – 500 Euro – machte er am 5. September 2014, nachdem er einen Sparkassenkunden beim Abheben am Geldautomat beobachtet hatte. Er verfolgte den 84-Jährigen zum Parkplatz, wedelte wieder mit der Zwei-Euro-Münze herum. Kurz nachdem der Täter mit dem Bündel 50-Euro-Scheine die Flucht antrat, bemerkte das Opfer den Diebstahl und rief laut hinterher.

Der Angeklagte kam zurück und behauptete, der Wind habe die Scheine weggeweht. Zuvor warf er das Geld unter einen Pkw. 240 Euro bekam der Zeuge mit Hilfe von Passanten zurück. Wenig später bespuckte der Trickdieb einen 81-Jährigen, der ihn verfolgte und zum Handy gegriffen hatte, um die Polizei zu alarmieren.