Norderstedt
Exklusives Wohnen

Wahrzeichen in Bad Segeberg zu verkaufen

Der Wasserturm ist eines der Wahrzeichen Bad Segebergs. Er wird gerade renoviert, bekommt eine neue Spitze und ein neues Dach. Der Turm dient als Wohnhaus, seine Besitzer wollen es verkaufen

Der Wasserturm ist eines der Wahrzeichen Bad Segebergs. Er wird gerade renoviert, bekommt eine neue Spitze und ein neues Dach. Der Turm dient als Wohnhaus, seine Besitzer wollen es verkaufen

Foto: Helge Buttkereit

Wasserturm in Bad Segeberg wird nach Blitzeinschlag saniert. Eigentümer wollen das 270 Quadratmeter große Wohnhaus verkaufen.

Bad Segeberg.  An der Spitze des Turms ist deutlich zu sehen, dass der Blitz hier eingeschlagen ist. Auch den Ort, an dem er wieder austrat, meint Wolfgang Harksen ausmachen zu können. An beiden Stellen sind im Metall deutliche Spuren zu sehen. Den Blitzschlag selbst hat er kaum mitbekommen. Natürlich krachte es, als es bei einem Gewitter im vergangenen Jahr passierte. Auch die Sicherungsschalter im Stromkasten sprangen raus, die Telefonanlage wurde beschädigt und der Fahrstuhl funktionierte nicht mehr. Das aber bekam Wolfgang Harksen zunächst gar nicht mit. Er schaute sich das Schauspiel des Gewitters aus einem der vielen Fenster des Wohnzimmers im fünften Stock seines Turms an. Hier wohnt er mit seiner Familie seit 1998 – Gewitter sind immer noch spannend. „Das ist wie eine Theatervorstellung“, sagt der 66-Jährige.

Erst als seine Frau Marlies nach dem Gewitter nach Hause kam, wunderte sie sich. Der Fahrstuhl, der bis zur Küche im vierten Stock des Wasserturms führt, funktionierte nicht mehr. Erst nach und nach wurden auch die anderen Schäden sichtbar. Sie sind längst behoben. Nur die Spitze des Turms muss noch repariert werden. Seit ein paar Wochen liegt sie neben dem Turm, Harksen kann die Schäden von Nahem betrachten. Mit einem Spezialkran wurde die Spitze, die etwa eine Tonne wiegt, vor Kurzem in drei Teilen abgebaut. Bald soll sie wieder ganz sein und per Kran auf dem 26 Meter hohen Bauwerk angebracht werden. Da bei einem anderen Sturm gleich noch fast das halbe Dach abgedeckt wurde, ist derzeit der ganze Turm eingerüstet. Er bekommt ein neues Dach, auch das Mauerwerk wird ausgebessert. Über die Jahre haben verschiedene Umweltschadstoffe dem Gebäude zugesetzt, das auf seinen Besitzer manchmal wie eine Burg wirkt.

„Uns reichen jetzt auch 100 Quadratmeter zum Wohnen.“

Der Turm wird damit auch für die potenziellen Nachfolger der Familie Harksen schick gemacht. Denn Wolfgang Harksen und seine Frau wollen ihr besonderes Wohnhaus mit 270 Quadratmeter Wohnfläche auf acht Etagen verkaufen – auf jeder Etage ist ein Zimmer größtenteils mit eigenem Bad. „Was müssen wir auf 270 Quadratmeter wohnen, uns würden auch 100 reichen“, sagt Wolfgang Harksen. Die beiden Söhne sind aus dem Haus, sodass er den Turm mit seiner Frau allein bewohnt. „Wir wohnen so gerne hier, können uns das aus Gründen der Gesundheit aber nicht mehr leisten“, sagt Harksen, der vor seinem Ruhestand unter anderem als Vermögensberater bei der Sparkasse gearbeitet hat.

Der Wasserturm unweit der Freilichtbühne diente bis 1977 der Wasserversorgung der Stadt. Zwanzig Jahre lang stand er dann leer, bis die Familie Harksen das Gebäude kaufte, komplett entkernte und zum Wohnhaus umbaute. Neben dem Fahrstuhl für die ersten vier Stockwerke gibt es in der Mitte eine Wendeltreppe, die in alle Stockwerke führt. Unten liegen Büro und Kinderzimmer, im Eingangsbereich gibt es eine große Sitzecke und eine Empore. Über der Küche befinden sich auf je einer Etage Wohnzimmer und Schlafzimmer und direkt unter dem Dach ist der Hauswirtschaftsraum mit der Waschmaschine. „Das ist praktisch“, sagt Marlies Harksen. „Da muss ich mit der Wäsche nicht so weit laufen.“ Im Turm gibt es schließlich etwa 136 Stufen – die genaue Zahl ist zwischen den Ehepartnern umstritten, und das Schlafzimmer mit dem großen Kleiderschrank ist im Stockwerk unter der Waschmaschine.

Neben den vielen Stufen gibt es auch viele Fenster. Insgesamt 83 hat der Wasserturm, die regelmäßig geputzt werden müssen. Nun, wo der Turm eingerüstet ist, möchte Marlies Harksen sie allesamt von außen streichen. Durch die Fenster haben sie einen erstklassigen Blick auf die Stadt und den Großen Segeberger See. Auch die Karl-May-Festspiele können sie verfolgen – zumindest bei offenem Fenster, ansonsten sei es schön ruhig, sagt Wolfgang Harksen. Im Sommer verlegen sie ihr Abendbrot gerne auf die Zeit, in der am Sonnabend nach der Vorstellung ein kleines Feuerwerk steigt. „Das können wir uns immer wieder ansehen“, sagt Marlies Harksen. Und ihr Mann ergänzt: „Wir können hier auf die Menschen herabsehen, ohne hochnäsig zu sein.“