Norderstedt
Norderstedt/Kiel

Prozess: 14 Raubüberfälle in vier Wochen

Zweimal hatte der spielsüchtige Serientäter mit der Sonnenbrille auch in Norderstedt zugeschlagen

Zweimal hatte der spielsüchtige Serientäter mit der Sonnenbrille auch in Norderstedt zugeschlagen

Foto: iStock

Prozess vor Landgericht: Staatsanwältin fordert zehneinhalb Jahre Haft für den 28 Jahre alten Täter. Er erbeutete mehr als 10.000 Euro.

Norderstedt/Kiel.  Zweimal hatte der spielsüchtige Serientäter mit der Sonnenbrille auch in Norderstedt zugeschlagen: Am 10. und 28. November 2015 überfiel er Tankstellen an der Tangstedter Landstraße und im Alten Kirchenweg. Für insgesamt 14 Raubtaten innerhalb von knapp vier Wochen forderte die Staatsanwältin am Montag im Kieler Landgericht zehneinhalb Jahre Haft für den 28-Jährigen.

Was den Angeklagten, der als Achtjähriger mit seinen Eltern aus der Ukraine nach Schleswig-Holstein eingewandert war, vor einem halben Jahr zu seinem wilden Trip zwischen Tankstellen, Spielcasinos und Hotels bis nach Bayern getrieben hatte, blieb während der zweitägigen Beweisaufnahme offen. Als jüdische Kontingentflüchtlinge waren er und seine Angehörigen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den Kreis Segeberg übergesiedelt.

Am Ziel trennte sich der Vater von der Familie, ließ den Jungen im Stich, hob Strafverteidiger Christoph Sommermeyer als mögliche Wurzel für die Haltlosigkeit und Spielsucht seines Mandanten hervor. Der soll schon als Schüler sein Taschengeld verdaddelt haben. Später als Kellner verspielte er sein 2000-Euro-Einkommen am Roulettetisch der Kasinos und konsumierte Kokain, während er weiterhin freie Kost und Logis bei der Mutter genoss.

Unmittelbar nach der letzten Tat schnappte ihn die Polizei auf der A 7

Trotzdem reichte am Ende das Geld nicht. Der bis dahin kaum straffällig gewordene Angeklagte lieh sich einen Pkw, überfiel am 2. November seine erste Tankstelle in Hamburg am Winterhuder Weg und erlebte den Rest des Monats als „Rausch“ zwischen Raub, Roulette und Hotels. „Wie in einem Tunnel“ trieb es ihn durch die Republik, von Hamburg nach Lübeck über Ahrensburg und Nahe bis nach Dortmund, Stuttgart und Nürnberg.

Unmittelbar nach der letzten Tat am 28. November in Norderstedt schnappte ihn die Polizei auf der A 7. Der Mann legte sofort ein Geständnis ab, räumte auch Taten ein, die ihm bis dahin nicht zugerechnet worden waren. Die zeitlich begrenzte Serie und sein kooperatives Nachtatverhalten wertete der Verteidiger strafmildernd.

In der Summe hatte der stets mit einem Messer bewaffnete Kapuzenmann bei den 14 Raubtaten mehr als 10.000 Euro erbeutet und zwei Menschen leicht verletzt. Am 10. November stach er einem Norderstedter Tankwart beim Gerangel in den Daumen. In Stuttgart traf er auf eine resolute Kassiererin, die ihn wegschob. Dabei fasste die Zeugin in die Klinge seines Messers.

Ein Grund mehr für die Staatsanwältin, Einzelstrafen bis zu sechs Jahre wegen besonders schweren Raubes zu fordern. Aus Sicht der Verteidigung sind dem Angeklagten nur minder schwere Fälle vorzuwerfen. Das letzte Wort hat die Schwurgerichtskammer: Am kommenden Montag will sie das Urteil fällen.