Norderstedt
Norderstedt

Busenwunder, Eierköppe und Papp-Kameraden

Regina Lemburg arbeitete ihren körperlosen Kopf als beleidigte Mine

Regina Lemburg arbeitete ihren körperlosen Kopf als beleidigte Mine

Foto: Heike Linde-Lembke

Kulturverein Malimu gestaltete seine Ausstellung „Körper“ mit viel Witz und zeitkritischer Satire. Schau hat bis zum 19. Juni geöffnet.

Norderstedt.  Busenwunder? Eierkopp? Auf jeden Fall Satire. Anke Redeker häkelte Eiermützen, zehn Stück an der Zahl. Neun schwarze mit einem weißen Dödel. Und eine weiße mit einem schwarzen Dödel. Den weißen Eierkopp stülpte sie um, sodass der schwarze Dödel aus der weißen Hülle guckt, als wäre das Ganze – eben ein Busenwunder auf einer weißen Häkeldecke. Zu sehen ist Anke Redekers „Busenwunder und Eierkopp“ in der Ausstellung „Körper“ des Kulturvereins Malimu in der Rathaus-Galerie.

Neben ihrer Häkel-Satire platzierte Redeker ihre Malerei „Erleuchtung garantiert/Doris Dörrie lässt grüßen“. Sie ist leicht sinnfrei, wäre da nicht das Leuchten hinter dem blau umflorten Kopfgebilde, in der Form einer Yoga-Handhaltung ähnlich. Redeker bezieht sich auf die Dörrie-Komödie mit Uwe Ochsenknecht und Gustav-Peter Wöhler, eine Satire auf Feng-Shui, Esoterik und Co. – und so schließt sich der Redeker-Kreis doch noch.

Auch Frank Boje-Schulz arbeitet mit Textil. Vor dem Tangstedter ist kein Putzschwamm sicher. Für die Malimu-Schau hat er diese bunten Dinger im Objekt „Kulturschwämme“ in eine streng geometrische, miteinander korrespondierende Ordnung gebracht. Malimu-Vorsitzender Manfred Thiel sammelt Verpackungsstücke von per E-Mail bestellten Flyer-Drucken. Er klebte sie zu einer gedrehten Säule und nennt das Ganze „Flyeralarm“.

Regine Lemburg hat die Gemeinschaftsarbeit „Caput“ mit Dagmar Blach, Regina Kaphengst, Helga Paulsen, Bettina Renk und Marianne Werner gestaltet. Ob die sechs Frauen bei ihren Kopfgestalten an den Rapper Caput gedacht haben, ist ungewiss.

Eine inhaltsreiche Arbeit hat Wolfgang Kopkow mit seiner Figur als Versuch einer provokanten Antwort auf die Ausstellung „Körperwelten“ von Gunther von Hagen gearbeitet. Er beklebte eine kopf-, arm- und beinlose Schaufensterpuppe mit zusammengestepptem Ziegenleder aus Ersatzhaut, sodass die Nähte wie Wunden stark sichtbar bleiben, und hängte sie auf. Fast klassische Malerei zeigt Regina Sattler mit „Familie“, im gleichen Duktus gestaltete Waltraut Watty „Das verlorene Ich“ als im Nebel versunkene Schemen. Verrätselt wie immer inszenierte Renate Fürst ihr „Unsere Kleider? Rana Plaza“ als Mahnung gegen die Ausbeutung von Näherinnen in Fernost an.

„Körper“ ist bis Sonntag, 19. Juni, Mo., Di., Do., Fr., 11 bis 14 Uhr und 15 bis 18 Uhr, So. 15 bis 18 Uhr, in der Galerie im Rathaus, Rathausallee 50, zu sehen.