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Kaltenkirchen

Dieser Mann schützte Muhammad Alis Leben

Thomas Pütz, 50, ist Besitzer eines von Ali signierten XXL-Bandes. Er ist persönlich zur Trauerfeier in Louisville eingeladen

Thomas Pütz, 50, ist Besitzer eines von Ali signierten XXL-Bandes. Er ist persönlich zur Trauerfeier in Louisville eingeladen

Foto: Christopher Herbst / HA

Thomas Pütz, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer, erinnert sich an seine Begegnungen mit Boxlegende Muhammad Ali.

Kaltenkirchen.  Auch der Größte aller Zeiten hat manchmal einen Bodyguard gebraucht. Als Muhammad Ali im November 2003 zum letzten Mal die Hansestadt Hamburg besuchte und damals im Hotel Atlantic residierte, wich ihm ein Mann nicht von der Seite. Thomas Pütz, Chef des gleichnamigen Kaltenkirchener Sicherheitsunternehmens, war seinerzeit verantwortlich für die Sicherheit der Ikone. Ali war in der Stadt, weil ihm dort der Millenniums-Bambi verliehen werden sollte. Daran erinnert sich Pütz gar nicht mehr im Detail, wohl aber an die Präsenz eines der bedeutendsten Sportler aller Zeiten, der am Freitag gestorben ist. „Ali war etwas ganz Besonderes, er ist der Größte, den man in Boxen treffen kann.“

Die Wege beider Männer sollten sich wieder kreuzen. Denn Pütz, ein früherer Amateurboxer, machte sich im Geschäft mit seiner Firma einen Namen, war verantwortlich für unzählige große Boxevents, begleitete die Kämpfer bis in den Ring. Mit den Klitschko-Brüdern verbindet ihn darüber hinaus eine enge Freundschaft aus der Zeit, als die späteren Superstars ihrerseits noch Amateure waren. Weil Pütz so gut vernetzt war, kam 2010 die Anfrage, ob er sich vorstellen könne, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB) zu werden. Er sagte zu, gewann die Wahl, eine – ehrenamtliche – Funktionärslaufbahn begann.

Der BDB hat verschiedene Aufgaben. Im Prinzip schafft er die Grundvoraussetzungen für das Profiboxen in Deutschland, sanktioniert die Kämpfe, lizenziert die Kämpfer, ist zuständig für ärztliche Untersuchungen und Dopingkontrollen. „Ich habe keine Ahnung, wie viele Kämpfe ich pro Jahr live sehe, ich habe aufgehört zu zählen“, sagt Thomas Pütz. Weil es im Boxsport vier bedeutende Verbände gibt (WBC, WBA, IBF und WBO), finden auf der ganzen regelmäßig Zusammenkünfte, die „Conventions“, statt. So wie 2013 im mexikanischen Cancún. „Dort bei der WBC-Convention habe ich das letzte Mal Muhammad Ali getroffen. Er war nur noch ein Schatten seiner selbst.“ Pütz fragte sich deshalb, ob derartige Veranstaltungen dem von seiner Parkinson-Krankheit gezeichneten Ali noch zugemutet werden müssten.

Den Mythos hat der erschütternde körperliche Zufall eher noch vergrößert. Pütz sagt aber auch: „Ali war ein Farbiger, hatte eine große Klappe, das passte damals in die Zeit. Aber ob er das heute im Zeitalter des Internets noch alles so machen würde? Er hatte keine Marketing-Gedanken im Kopf. Das trägt zum Mythos bei.“ Die Selbstinszenierung als Markenzeichen, heute ist das für Boxer Standard, wirkt oft überzeichnet und unglaubwürdig – bei Ali hingegen war es zwar überbordend, aber doch authentisch.

„Heute ist das viel Marketing. Jeder Sportler hat seinen Medienberater, jeder Boxer probiert, sich ein Image zurechtzulegen. Die Klitschkos haben ein Saubermann-Image, so sind sie aber auch als Menschen. Dazu gehört dann immer ein Gegenpart“, sagt Thomas Pütz. „Es liegen 100 Millionen Dollar im Ring, es gibt Sponsoring auf den Shorts, Pay-per-View im Fernsehen, das wäre zu Alis Zeit nicht vorstellbar gewesen.“

Gern wird dieser Tage wieder der Quervergleich der Legenden gezogen und gefragt, ob ein Muhammad Ali auch heute noch Weltmeister sein könnte – trotz beispielsweise eines Wladimir Klitschko, der im Vergleich ein deutlich höheres Kampfgewicht auf die Waage bringt. „Heute werden die Kämpfer anders ausgebildet“, sagt Pütz. „Früher gab es nicht so viele Infos über andere Boxer, da hat sich vieles auf das Mann gegen Mann fokussiert. Und da war Ali der Größte seiner Zeit, so ist er ein Idol geworden. Heute hat das Internet viel verändert – wenn ein Gegner bekannt wird, geht es gleich zu Youtube.“ Der 50-Jährige glaubt nicht, dass sich in der Gegenwart Nachwuchsboxer noch Technik und Taktik bei alten Ali-Fights abgucken. „Ein Uwe Seeler ist ja auch für Fußballer kein sportliches Vorbild mehr – dafür menschlich. Es hat eine Weiterentwicklung stattgefunden.“

In der Kaltenkirchener Firmenzentrale von Pütz Security befindet sich ein spezielles Erinnerungsstück an Muhammad Ali. Eine auf 10.000 Stück limitierte Sonderedition im XXL-Format, ein massives Werk mit eindrucksvollen Fotos – und dazu persönlich signiert vom Jahrhundert-Sportler. Extra zum Buch gab es sogar weiße Stoffhandschuhe, damit die Hochglanzseiten beim Umblättern unbefleckt bleiben.

Thomas Pütz wird zudem zu „99 Prozent“ teilnehmen an der Trauerfeier am Freitag in Alis Geburtsstadt Louisville im US-Bundesstaat Kentucky. „Ali hat in Deutschland geboxt, die Weltverbände WBC und WBA haben mich eingeladen. Ich möchte mich gern persönlich verabschieden.“