Norderstedt
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Norderstedt kämpft gegen das Katzenelend

Frei lebende Katzen bei der Fütterung: Der Verein Straßentiger kennt etliche dieser "Hot Spots" des Katzenelends in der Region

Frei lebende Katzen bei der Fütterung: Der Verein Straßentiger kennt etliche dieser "Hot Spots" des Katzenelends in der Region

Foto: Claudia Keck

In der Stadt gibt es Hunderte wild lebende Tiere, im Kreis mehrere Tausend. Über generelle Kennzeichnungspflicht wird diskutiert.

Norderstedt.  75.000 Tiere sind es im ganzen Land Schleswig-Holstein, etwa 6000 im Kreis Segeberg und mindestens 400 davon in Norderstedt – wild lebende Katzen. Teilweise erbärmliche Kreaturen, gezeichnet von Mangelernährung und Krankheiten. Um das Katzenelend einzudämmen, wird nun in Norderstedt und im Kreis Segeberg die Einführung einer Katzenverordnung diskutiert. Mit ihr ließe sich die Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht von Katzen mit Freilauf durchsetzen.

Das Land Schleswig-Holstein überlässt es den Städten und Kommunen, die Verordnungen überall dort einzusetzen, wo es Sinn macht und wo sich das Elend der Tiere nicht durch andere Maßnahmen verhindern lasse, beispielsweise durch den Einsatz von Tierschutzorganisationen. Ganz einfach ist der Erlass der Verordnung aber nicht: Denn sie ist ein Eingriff ins Eigentumsrecht. Schließlich kann sie Katzenhaltern den unkontrollierten freien Auslauf ihrer fortpflanzungsfähige Katzen verbieten. Will die Kommune eine Verordnung erlassen, muss sie exakte Schutzgebiete definieren, also in welchen Straßen oder Arealen in der Stadt sie gelten soll und welche Haushalte betroffen sind. Eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht kann im Schutzgebiet generell erlassen werden. Die Katzenhalter sollen dabei immer miteinbezogen und zu freiwilligen Maßnahmen aufgefordert werden. Fazit: ein enormer organisatorischer Aufwand für die Kommunen.

Claudia Keck vom Verein Straßentiger glaubt trotzdem, dass die Verordnung für Norderstedt und andere Kommunen im Kreis Segeberg Sinn machen könnte. „Es gibt viele Hot Spots in Norderstedt, wo wir immer wieder auf ausgewilderte Tiere stoßen. Und oft ist die Quelle ein Bauernhof, um den herum unkastrierte Tiere leben“, sagt Keck, die Hunderte der hilfsbedürftigen Nachkommen ausgesetzter Haus- oder vernachlässigter Hofkatzen von ihren zahllosen Hilfs-Aktionen kennt. Mit ihrem von Spenden getragenen Verein sorgen Keck und viele ehrenamtliche Helfer an Futterstellen für Ernährung und Kastration von so vielen Tieren wie möglich.

Auch beim Zweckverband Fundtiere wird das Thema rege diskutiert

Seit 2011 hat Straßentiger 1587 Katzen kastriert, 954 weibliche und 633 männliche. „Wenn man rechnet, dass eine weibliche Katze zwei Mal im Jahr vier Junge bekommt und ein Kater zwei weibliche Katzen deckt, die zwei mal vier Junge im Jahr bekommen, dann haben wir 17.320 ungewollte Katzenbabys verhindert“, sagt Keck. Trotzdem die Lage ganz gut im Griff sei – die Verordnung würde mehr Handhabe gegen notorisch ignorante Katzenhalter bieten. Keck: „Früher gab es die generelle Kastrationspflicht für die frei laufenden Katzen auf Basis des Ordnungsrechts. Das wäre noch besser als die Verordnung, die auf Basis des Tierschutzrechts mit dem Leid der Tiere argumentiert.“

Entscheiden über die Einführung einer Verordnung muss der Zweckverband Fundtiere Segeberg West. Über ihn regeln Norderstedt, Henstedt-Ulzburg, Kaltenkirchen, Ellerau und die Ämter Kaltenkirchen-Land und Kisdorf die Fundtierbetreuung. Verbandsvorsteher ist Henstedt-Ulzburgs Bürgermeister Stefan Bauer. „In meinen Gemeindegrenzen macht die Verordnung keinen Sinn“, sagt er, „wir haben die Lage durch den Einsatz der Aktiven des Tierheims und des Vereins Straßentiger gut im Griff. Katzenelend ist kein aktuelles Problem.“ Trotzdem werde die Einführung einer Verordnung in der Zweckverbandsversammlung rege diskutiert. „Es gibt schon die Überlegung, vielleicht eine gemeinsame Satzung für den ganzen Zweckverband zu erarbeiten“, sagt Bauer.

Doch er sieht ein generelles Problem: Eine erlassene Verordnung ist sinnlos, wenn sie nicht konsequent auf Einhaltung geprüft werde. „Und damit geht die Durchsetzbarkeit gegen Null. Wild lebende Katzen fallen oft gar nicht auf. Sie sterben in den Wäldern und Knicks – unbemerkt. Und selbst wenn wir die Tiere finden, wissen wir nicht, wer die Halter sind.“ Die Bürgermeister des Zweckverbandes müssten sich gut überlegen, welchen Aufwand sie für welchen Erfolg bereit sind, zu leisten. Bauer: „Am Ende könnte es effektiver sein, das Geld an Vereine wie Straßentiger zu spenden.“