Norderstedt
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Den realen Wahnsinn gibt’s nur Weihnachten

Gelungene Premiere im Festsaal am Falkenberg: Jutta Schmidt-Scherlitzki (von links) als Mamy, Yvonne Fröhlich als Pierette, Sophie Hubrich als Catherine, Nadine Chiara Carstensen als Louise, Ricarda Malleé als Madame Chantel und Uli Borcic als Gaby sorgen sich um Ramona Hubrich als Augustine

Gelungene Premiere im Festsaal am Falkenberg: Jutta Schmidt-Scherlitzki (von links) als Mamy, Yvonne Fröhlich als Pierette, Sophie Hubrich als Catherine, Nadine Chiara Carstensen als Louise, Ricarda Malleé als Madame Chantel und Uli Borcic als Gaby sorgen sich um Ramona Hubrich als Augustine

Foto: Heike Linde-Lembke

Das Theater Pur lieferte mit der Krimi-Komödie „Acht Frauen“ wieder eine gelungene Premiere im Norderstedter Festsaal am Falkenberg ab.

Norderstedt.  Ja, ist denn schon wieder Weihnachten? Wenn es nach Norderstedts Amateurtheatern geht, driften wir jetzt nahtlos vom Mai in den Advent. Die einen, das Neue Theater Norderstedt, NTN, hat am Sonnabend, 4. Juni, im Kulturwerk Premiere mit dem Märchen „Im Land der Leuchtkäfer“. Die anderen, das Amateurtheater Pur, führt die Krimi-Komödie „Acht Frauen“ im Festsaal am Falkenberg auf, mit Weihnachtsgirlanden und -bäumchen. Allerliebst!

Das Theater Pur gab mit der Krimi-Komödie „Acht Frauen“ wieder eine gelungene Premiere im Festsaal am Falkenberg am Langenharmer Weg 90.

Ansonsten geht’s unchristlich zu. Sogar der vielstrapazierte Begriff Zickenzoff ist bei dem Hexen-Oktett untertrieben. Fest steht indes, dass das Publikum im fast vollen Festsaal die Premiere und das Schauspiel-Team feierte, fest steht aber auch, dass Regisseurin Burga Jonas, die ihr Team ansonsten gut auf die Bretter gestellt hat, beim Rollenbuch kräftig hätte streichen können. Es wiederholt sich, die Szenen dehnen sich, eine straff durchgezogene Handlung brächte mehr Tempo und würde folglich den sieben Schauspielerinnen mehr Temperament entlocken.

Applaus-Abräumerin in der Premiere war zweifelsohne Ramona Hubrich als Augustine. Wie sie bei ihren angeblichen Herzattacken mit dem ganzen Körper zuckt und flattert, wie sie sich über den Boden wirft, um Geldscheine zu erhaschen, wie sie sich, das ganze Jammertal anrufend, selbst bemitleidet, war so etwas von ausgebufft über die Rampe gepowert, dass sie den Pur-Oscar für die beste Nebenrolle verdient hätte. Einfach saukomisch, diese Frau! Und noch einmal Hubrich, diesmal Sophie als Catherine. Sie spielt die verwöhnte Göre als jungdummdreistes Biest derart intensiv, dass sie jeder schütteln möchte. Hubrich, die Dritte, ist Ann-Kathrin als Susanne. Sie baut eher auf die introvertierten Töne, auf das leicht undurchsichtige Spiel, mal arrogant, mal verzweifelt.

Souverän agiert Jutta Schmidt-Scherlitzki als Mamy, gleichwohl sie mehr Empathie für das Geschehen zeigen könnte. Yvonne Fröhlich spielt Pierette, die gefallene Frau, die alle verachten, und sie legt ihre Rolle so ernst und geheimnisvoll an, dass die Komödie durchaus tragische Züge gewinnt. Ihre Gegenspielerin ist Uli Borcic, die als Gaby ebenso glaubwürdig spielt wie Ricarda Malleé die Hausdame Madame Chanel. Rausreißer ist Nadine Chiara Carstensen als schnoddrig-dreiste Dienst-Deern Louise, eine Paraderolle für alle, die das komisch-lakonische Fach lieben.

Aufführungen: Sonnabend und Sonntag, 4. und 5. Juni, 19 Uhr, Festsaal am Falkenberg, Langenharmer Weg 90. Karten zu 7,50 Euro im Vorverkauf, unter Telefon 040/60 94 17 57, unter www.theaterpur.de im Internet und an der Abendkasse.