Norderstedt
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500 Besucher flanieren auf der Rathausallee

Normalerweise werden bei der Haspa Geldgeschäfte abgewickelt – am Sonnabend sorgte die Band 4Andahat für ungewöhnliche Jazz-Klänge

Normalerweise werden bei der Haspa Geldgeschäfte abgewickelt – am Sonnabend sorgte die Band 4Andahat für ungewöhnliche Jazz-Klänge

Foto: Heike Linde-Lembke

Musikmeile: Behördliche Auflagen wie das Verbot von Open-Air-Konzerten und Begrenzung auf 22 Uhr sorgten bei Bürgern für Unverständnis.

Norderstedt.  Irish Folk von rechts, Country Music von links und Jazz von vorn. Fix was los auf der ersten Musikmeile in Norderstedt-Mitte. Von 18 bis 22 Uhr flanierten musikbegeisterte Bürgerinnen und Bürger entlang der Rathausallee, um mal im Tafelraum des Brauhauses Hopfenliebe das Duo Irish Pub Rovers zu hören, dann Claus Dixi Dierks und die Soulsängerin Barbara Grischek im Restaurant San Burrito gegenüber, dann den Singer-Song-Writer Jan Salander im Moorbek-Café. Bis 22 Uhr – dann wurden die Stecker gezogen.

„Wir dürfen laut städtischer Auflage nur bis 22 Uhr spielen“, sagte Christian Behrendt, Quartiersmananger für die Interessengemeinschaft Pact in Norderstedt-Mitte, der die erste Musikmeile mit Thomas Will, Mitglied von Pact, organisiert hatte. Die städtische Auflage würgte auch weitere Höhepunkte der Musikmeile ab. „Die Behörde hat uns untersagt, die Band draußen unterm Schirm wie sonst spielen zu lassen“, sagte Franz Maletzke vom Eine Welt Laden. Auch der riesige Rathausmarkt glänzte einmal mehr durch gähnende Leere, während sich im Tafelraum und in der Buchhandlung am Rathaus und im Weltladen das Publikum fast stapelte.

Viele Besucherinnen und Besucher sahen denn auch diesen Behörden-Erlass als sinnentleerte Schikane, zumal direkt über der Buchhandlung und dem Weltladen Rathaus-Büros sind. „Das ist sehr schade und nur schwer verständlich, dass die Musik drinnen bleiben musste, bei solchen Veranstaltungen sollte die Behörde auch mal locker werden, sonst wird das nie was mit Norderstedt-Mitte“, sagten Rosi und Dietmar Stein aus Norderstedt.

Dafür sorgte die Norderstedter Band Just Friends von Jack Nuguid in der Buchhandlung mit Cover-Songs und strahlender Laune für gute Stimmung. Auch das irische Duo Irish Pub Rovers heizte dem Publikum im Tafelraum der Hopfenliebe mächtig ein, Umfallen war ausgeschlosssen. Das galt auch für die Band False 5, ebenfalls aus Norderstedt, die ab 22 Uhr den Tafelraum bespielte, vor dem die Tische und Stühle gut besetzt waren.

Den Weg zur Moorbek-Passage fanden nicht alle Musikmeile-Besucher

„Die Musikmeile ist eine tolle Idee, und wir wollen auf jeden Fall alle Veranstaltungen besuchen“, sagten Conny Hardtke und Jutta Kloss aus Norderstedt. Sie hätten sich allerdings gewünscht, dass die Bands direkt in der Hopfenliebe aufgetreten wären und nicht im benachbarten Tafelraum. „Der Raum hat wenig Charme“, sagten die Norderstedterinnen. Doris und Reiner Thiel hingegen lobten die schwungvolle irische Musik: „Die Musikmeile sollte jedes Jahr veranstaltet werden, dann kommen immer mehr Leute hierher und die Stadt wird endlich lebendig“, sagte das Ehepaar.

Im Burrito versorgten Claus Dixi Dierks und Barbara Grischek die Zuhörer mit ruhigeren Klängen, bevor um 20 Uhr das Trio Doctor Love Power auftrat.

Den Weg über die Brücke zur Moorbek-Passage fanden indes nicht alle Musikmeile-Besucher. „Die Brücke über die Moorbek war schon immer so eine imaginäre Grenze“, sagt Britta Bayer. Trotzdem war das Moorbek-Café gut besetzt, als der Singer-Song-Writer Jan Salander aus Hamburg seine Lieder sang und sich die Gäste bei Kaffee und Wein, Eisbecher und belegten Brötchen vergnügten.

„Hier im Café ist es mit Jan Salander etwas ruhiger, wir finden Musik gut, bei der wir auch mitmachen können, beispielsweise Cover-Songs oder den Irish Folk in der Hopfenliebe“, sagten Lena Steiner und Nadine Hammer aus Norderstedt.

Zehn Euro für Sekt und einen Paten-Pass

Zurück über die Brücke und vorbei am Burrito flanierten die Besucher auch in die Hamburger Sparkasse. Das ist zwar keine Kneipe, doch statt Geld gab es am Kassenschalter Sekt und andere Getränke. Für einen guten Zweck. „Wir bitten um Spenden für die Stiftung Kinderjahre, die sozial benachteiligte Kinder unterstützt und ihnen beispielsweise Schulranzen spendet“, sagte Sparkassen-Mitarbeiterin Bettina Noack. Für zehn Euro gab es Sekt und einen Paten-Pass. 170 Euro konnte das Haspa-Team sammeln, während die Band 4Andahat jazzte.

„Die Musikmeile ist eine super Idee, so kommen wir mit unseren Kunden einmal auf eine ganz andere Art ins Gespräch, das ist sehr viel persönlicher“, sagte Noack. „Ich war anfangs eher skeptisch, doch es sind immer so 30 bis 50 Leute hier, damit hatte ich gar nicht gerechnet“, freute sich Jan-Ove Stukenburg, Bankkaufmann-Azubi im zweiten Jahr, über die gute Stimmung in der Sparkasse.

„Ich bin sehr zufrieden, denn alle Leute waren zufrieden, und wir hatten zirka 500 Gäste“, sagte Quartiersmananger Christian Behrendt. Viele Besucher hätten ihm gesagt, dass die Innenstadt durch die Musikmeile endlich einmal voll wäre. Behrendt hat sogar für die behördlichen Auflagen Verständnis: „Die Stadt hat einfach Angst, dass sie von Bürgern wegen Ruhestörung verklagt wird.“

So scheiterte auch sein Projekt Open-Air-Kino, gleichwohl es im vorigen Jahr viel Erfolg eingefahren hat. Behrendt aber hat schon eine Alternative. Am 24. und 25. Juni folgt im Spectrum-Kino eine Filmnacht, die bereits um 15 Uhr mit klassischen Kinderfilmen wie Pipi Langstrumpf beginnt und mit Film-Klassikern in die Nacht geht.