Norderstedt
Heidmühlen

Großer Gäste-Andrang auf Amelies Torten

Fix was los: Bei der Eröffnung des Mühlenholz Cafés von Amelie Brakel in Heidmühlen kamen etwa 700 Gäste

Fix was los: Bei der Eröffnung des Mühlenholz Cafés von Amelie Brakel in Heidmühlen kamen etwa 700 Gäste

Foto: Andreas Burgmayer / HA

Existenzgründung auf dem Lande: Amelie Brakel, 23, eröffnet ihr Landcafé Mühlenholz in Heidmühlen – Teil zwei der Serie.

Heidmühlen.  Es gibt Stammgäste, die waren schon an vier Wochenende Torte futtern in Amelie Brakels Café – obwohl das Café erst an drei Wochenenden geöffnet war. „Ein Mann und dessen Tochter kamen vor der Eröffnung zufällig bei einem Tortentest vorbei, dann waren sie zur Eröffnung am Muttertag und an Pfingsten da und letztes Wochenende saßen sie wieder am Tisch. Ich finde das so unheimlich süß“, sagt Amelie Brakel.

Vielleicht ist das der größte Erfolg, den man als Existenzgründerin mit einem Hofcafé erzielen kann. Stammgäste. Schon nach den ersten Wochen.

Die Eröffnung des Landcafés Mühlenholz am 8. Mai muss den Menschen im ansonsten idyllisch-ruhigen Heidmühlen vorgekommen sein, wie ein nicht angekündigtes Open-Air-Konzert der Rolling Stones. Autos mit Kennzeichen aus der gesamten Metropolregion auf den wenigen Straße, rund um das Landcafé Parkplatzeinweiser, die Fahrzeuge aus allen Himmelsrichtungen auf die zum Parkplatz umfunktionierte Pferdekoppel lotsten. „Anfangs dachte ich: Parkplatzeinweiser – voll übertrieben. Dann war ich froh, dass sie da waren.“ Amelie Brakel hatte mit ihrem Vater um ein Abendessen gewettet, wie viele Gäste zur Eröffnung kommen würde. „Kannst froh sein, wenn 150 kommen!“, wettete der Papa. Die Café-Wirtin tippte auf 200 bis 300 Leute. Nun – der Papa kann schon mal einen Tisch reservieren. An die 700 Menschen drängelten sich bei herrlichem Sonnenschein in und rund um das Café um die Sitzplätze an den Tischen. Hunderte Freunde und Bekannte aus Brakels Heimatort Nützen, die halbe Feuerwehr des Ortes. „Sogar meine Realschullehrerin war da! Und unglaublich viele hatten den Artikel im Abendblatt gelesen“, sagt Amelie.

Auf diesen Massenansturm hatte sie sich nicht wirklich vorbereitet. Sie musste Improvisationskunst beweisen. „Biskuit-Böden hatten wir massig vorgebacken. Nichts wäre schlimmer, als wenn dir bei der Eröffnung die Torte ausgeht.“ Aber im Service mussten schnell Kräfte her. Brakel engagierte flugs ein paar Mädchen aus Heidmühlen, die sich ein paar Euro verdienen wollten. Neun Bedienungen flitzten schließlich mit hoch roten Köpfen am Eröffnungstag durch den Café-Garten und die Innenräume. „Wir hatten 30 Torten vorbereitet. Am Ende hatten wir 50 bis 60 rausgehauen. Ich stand nur noch in der Küche und habe Torten gemacht.“ Zwischendurch Bussi hier und Bussi da. Keinem der Gäste und Freund konnte die junge Wirtin richtig genügen, selbst wenn sie sich gevierteilt hätte.

Größere technische Katastrophen blieben aus. Auch wenn am Abend vor der Eröffnung die Spülmaschine versagte. „Und die Sahnemaschine gab den Geist auf. Aber ein netter Service-Techniker aus Norderstedt brachte mir gegen Leihgebühr ganz schnell einen Ersatz." Der Kassensturz nach der Eröffnung fiel positiv aus. „Gut, wir haben einige Tortenstücke und Cafés gar nicht abgerechnet, etliche Leute haben wir eingeladen, weil es Familie oder Helfer waren“, sagt Brakel. „Zur Eröffnung war es mir nur wichtig, dass ich Plus-Minus-Null rauskomme. Hauptsache alle waren zufrieden.“ Es ist am Ende ein kleines Plus übrig geblieben.

Und die Leute waren zufrieden. Sie ließen Amelie Brakel kaum Zeit zum Verschnaufen und kamen fast alle am Pfingstwochenende erneut vorbei. „Da hatten wir erneut an die 400 Gäste.“ Den Pfingstmontag ließ Brakel dann geschlossen. Dafür fing sie sich den Unmut einiger Gäste ein. „Ich bekam E-Mails. Manche regten sich auf, dass ich ausgerechnet an einem Feiertag geschlossen hatte.“ Aber mehr als zwei Tage am Wochenende ist eben derzeit nicht drin. Schließlich arbeitet Amelie Brakel ja noch Vollzeit beim Jugendaufbauwerk als Ausbilderin.

Auf das kommende Wochenende hat sich die Wirtin mit drei Bedienungen gut vorbereitet. „Ich kann schließlich nicht immer meine ganze Familie im Service einbinden.“ Von den Gästen hört sie, dass über die Größe der Tortenstücke diskutiert wird. „Ich mache einen Zehner-Schnitt, also zehn Stücke aus einer Torte. Manchen ist das zu dick. Ich finde es genau richtig!“

Das Abendblatt begleitet Amelie Brakel ein Jahr lang bei der Existenzgründung auf dem Lande. Das Landcafé Mühlenholz liegt an der Straße Mühlenholz 4 in Heidmühlen, Telefon 0152/23 32 73 74.