Norderstedt
Public Viewing

Fußball-EM: Norderstedt guckt in die Röhre

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In der Stadt gibt es kein Public Viewing – dafür aber in Henstedt-Ulzburg vor dem CCU und in Bad Segeberg bei Möbel-Kraft.

Kreis Segeberg.  Es wäre für viele Sportfans in der Stadt ein Traumszenario gewesen: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft marschiert bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich durch das Turnier, und in Norderstedt feiern viele Tausend Menschen beim Public Viewing Partys in Schwarz-Rot-Gold – vorzugsweise vor der Waldbühne im Stadtpark oder auf dem Rathausmarkt. Doch zwei Wochen vor dem Start der EM steht fest: Weder vor dem Rathaus noch im Stadtpark werden Großleinwände stehen und die Massen anlocken.

„Wenn sich ein Veranstalter meldet, kann man darüber reden“, sagt Stadtpark-Geschäftsführer Kai Jörg Evers. Gemeldet hat sich bisher niemand. Denn die Kosten schrecken ab. Selbst das Fanfest auf dem Hamburger Heiligengeistfeld wäre beinahe geplatzt, ehe Ende April mit Lidl ein neuer Sponsor gefunden war. Doch auch dort werden ausschließlich Partien mit deutscher Beteiligung gezeigt.

Evers hat Zweifel, ob sich eine solche Veranstaltung in Norderstedt lohnen würde. Außerdem glaubt er, dass für die Zuschauer nur die Spiele mit der deutschen Mannschaft interessant seien. „Und wenn die dann in der Vorrunde ausscheidet?“ Er denkt mit Grausen an den Schleswig-Holstein-Tag 2012 im Stadtpark, als auf der NDR-Bühne im Feldpark das Spiel Deutschland gegen Spanien gezeigt wurde – bei elf Grad und Nieselregen. „Wir hatten mehr Sicherheitspersonal und Feuerwehrleute als Zuschauer dort.“

Bewährt hat sich dafür offenbar das Konzept des Alten Reporters. Die Glashütter Gaststätte hatte vor zwei Jahren zur WM mit einer 16 Quadratmeter großen LED-Wand in den Biergarten (300 Sitz- und Stehplätze) gelockt. Genauso soll es auch diesmal ablaufen, und zwar ab dem 10. Juni täglich. Nachdem es 2014 einige Beschwerden über das schlechte Bild gegeben hatte, wird nun ein „technisch hochwertigerer“ Großbildschirm gemietet, wie das Lokal versichert.

In Henstedt-Ulzburg ist es hingegen tatsächlich gelungen, ein Public Viewing auf die Beine zu stellen. Der Verein „Henstedt-Ulzburg bewegt“ präsentiert vom 10. Juni bis 10. Juli Fußball auf der Großleinwand. Bis zu 1500 Besucher können sich bei freiem Eintritt alle 45 EM-Spiele auf dem Marktplatz vor dem City Center Ulzburg auf einer elf Quadratmeter großen Video-Wall ansehen.

Die Idee wurde bereits vor Jahren geboren. Maurice Bornhorst, Vorsitzender von „Henstedt-Ulzburg bewegt“, und seine Mitstreiter scheiterten bisher allerdings jedoch an den hohen Hürden der Fußballverbände Fifa und Uefa sowie an finanziellen Unwägbarkeiten. Früher galt der Bürgerpark als erste Adresse für eine solche Veranstaltung. Jetzt aber ist alles anders: Der Verein hat im Ort und darüber hinaus viele Unterstützer gefunden: 24 Unternehmen, Vereine, Behörden und Institutionen unterstützen das Großereignisses finanziell und ideell. Darunter viele Geschäfte aus Ulzburg-Mitte und die Gemeinde selbst. Hauptsponsor ist Rewe. Der Verein hat extra eine Website (hu-4u.de) geschaltet. Dazu gibt es ein großes Rahmenprogramm unter anderem mit Panini-Tauschbörse, Kinderflohmarkt, Open-Air-Partys, Kindertagen und einer Modenschau.

„Wir sind mit der Uefa in Kontakt getreten und haben den Auflagenkatalog durchgearbeitet“, sagt Bornhorst. „Denn einfach ist es nicht, ein Public Viewing zu organisieren.“ Tatsächlich haben die Uefa-Sponsoren Vorrang; erst wenn die abwinken, können andere Partner gesucht werden. So hatte zum Beispiel McDonald’s kein Interesse an der Henstedt-Ulzburger Veranstaltung – anders als der Brauereikonzern Carlsberg, dessen Bier nun ausgeschenkt wird.

Ob sich das Public Viewing rechnet, ist unklar

Insgesamt musste „Henstedt-Ulzburg bewegt“ einen „höheren Betrag“ aufbringen. Die genaue Summe nennt Maurice Bornhorst nicht. Die Übertragungslizenz der Uefa ist allerdings nicht einmal der größte Posten: Wer eine Veranstaltung mit einer Kapazität zwischen 1001 und 2500 Besuchern anmeldet, muss einmalig 1000 Euro zahlen. Hinzu kommen jedoch die Miete für die Fläche, die der Gemeinde gehört, es sind Gema- und GEZ-Gebühren fällig, Strom- und Wasserkosten sowie weitere Ausgaben für die Infrastruktur und den Sicherheitsdienst. Bornhorst hofft, dass sich der Veranstaltungsmonat „rechnet“ und mit Hilfe der Sponsoren und des vom Verein aufgebauten Getränkestandes alle Kosten wieder hereinkommen. „Wenn nicht, müssen wir aus privater Tasche zahlen. Da besteht ein gewisses Risiko, wir machen es aber aus Spaß an der Freude.“

Weniger auf die Einnahmen als auf den Imagegewinn setzt Günter Loose, Vorstand bei Möbel Kraft in Bad Segeberg. Dort ist das größte Public Viewing der Region mit bis zu 7000 Menschen bei Spitzenspielen geplant. Auf dem Parkplatz sind in der Vorrunde die drei Spiele mit deutscher Beteiligung zu sehen. Danach werden alle Spiele gezeigt, jeweils bei freiem Eintritt. „Das ist eine klare Marketing-Veranstaltung“, sagt Loose.