Norderstedt
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WZV-Mitarbeiter schweigt zu Prozessbeginn

Laut Staatsanwaltschaft soll der 40-Jährige 30.000 Euro veruntreut haben. Sein Verteidiger ist davon überzeugt, dass der Kronzeuge lügt

Norderstedt. Vor dem Amtsgericht Norderstedt hat am Donnerstag der Prozess gegen den Leiter der Recyclinghöfe des Wege-Zweckverbandes (WZV) begonnen. Dem 40-jährigen wird vorgeworfen, zwischen dem 17. Februar und dem 8. Oktober 2014 insgesamt 30.181,25 Euro veruntreut zu haben. Laut Staatsanwaltschaft soll der WZV-Mitarbeiter bei der täglichen Kassenabrechnung im Norderstedter Recyclinghof an der Oststraße mit gefälschten Storno-Buchungen in 50 Fällen Beträge zwischen 23 und 800 Euro aus der Kasse abgezweigt haben.

Zum Prozessauftakt machte der Angeklagte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Den ganzen Prozesstag über saß er stumm neben seiner Frau, die demonstrativ im Gerichtssaal an seiner Seite blieb. Der Angeklagte wird von dem Kieler Anwalt Gerald Goecke vertreten. „Wenn ein Angeklagter nichts sagt, denken viele, es schlummere tief in seinem Bauch etwas, das er zu verbergen suche“, sagte Goecke. „Dem ist nicht so. Ich werde mit allen Mitteln dafür kämpfen, dass seine Unschuld festgestellt wird.“ Der Verteidiger ging sogar noch weiter. Der Kronzeuge für die Anschuldigungen, der 56-jährige Kollege des Angeklagten, hat nach Ansicht des Anwalts gelogen und die Beweismittel nachträglich erstellt. „Und zwar so technisch aufwendig, dass er das nicht allein gemacht haben kann“, sagte Goercke.

Der 56-jährige, der seit 25 Jahren beim WZV arbeitet wirkte nicht wie der Kopf eines Kartells aus Kollegen, die ihren unliebsamen Abteilungsleiter zur Strecke bringen wollen. Seinen Aussagen vor Richter Matthias Lohmann nach sah er sich 2014 in einer verzweifelten Zwickmühle. Er habe über Monate festgestellt, das Geld in der Kasse fehle. Er habe begonnen, heimlich nach Feierabend Kassenbelege auszudrucken und diese mit der tatsächlichen Abrechnung abzugleichen. Dabei habe immer ein Betrag gefehlt. Außerdem habe er regelmäßig die gefälschten Storno-Belege gesammelt, die der Täter offenbar unbedacht dort entsorgt hatte.

Der Zeuge schaltete den Anti-Korruptionsbeauftragten ein

Kollegen oder Vorgesetzten gegenüber Vorwürfe zu erheben, habe er sich nicht getraut. In seiner Not habe er sich schließlich anonym an den Schleswig-Holsteinischen Anti-Korruptionsbeauftragten Wolfgang Pistol gewandt. Der schickte die Unterlagen an die Staatsanwaltschaft Kiel weiter und die Sache kam ins Rollen. Am 8. Oktober 2014 kam es zur Hausdurchsuchung im Recyclinghof an der Norderstedter Oststraße.

Anwalt Goercke nutze den kompletten ersten Prozesstag für die akribische Indiziensuche. Den 56-jährigen Zeugen nagelte er auf sämtliche Widersprüche in seinen Aussagen fest und versuchte, ihn einem unglaubwürdigen Licht erscheinen zu lassen. Doch ob nun wirklich Geld veruntreut wurde oder nicht, stand nach dem ersten Tag nicht zweifelsfrei fest. Erhellend wäre auch die Aussage des WZV-Vorstehers Jens Kretschmer gewesen, der im Vorfeld des Prozesses sich hinter seinen angeklagten Mitarbeiter und damit gegen den vermeintlichen Whistleblower beim WZV ausgesprochen hatte. Doch die Zeit reichte am Donnerstag nicht aus um Kretschmer zu hören.

Der Prozess wird am Dienstag, 24. Mai, um 9 Uhr fortgesetzt. Weitere Termine werden folgen.