Norderstedt
Schröters Wochenschau

Nur die Harten ernten im eigenen Garten

Eine Woche lang feinstes Sommerwetter! Alle Nachbarn stürzen sich wie entfesselt auf die Gartenarbeit. Ich zögere noch, denn ich erinnere mich ans letzte Jahr…

Eigenes Gemüse anbauen, erkläre ich meiner Frau, macht Spaß und spart Geld. Besonders schwer kann es nicht sein, sonst hätten ja nicht die dümmsten Bauern die dicksten Kartoffeln. Also genau das richtige Hobby für mich. Ich kaufe eine Tüte Tomatensamen für Einsfuffzich und reibe mir die Hände: Gemäß erster Hochrechnung werde ich vermutlich bei diesem bescheidenen Investment 15 Kilo Tomaten ernten, was für ein Geschäft. Okay, ich benötige einen Sack Anzuchterde, einen Satz winziger Tontöpfe und einen kleinen Anzuchtkasten mit Plastikhaube. Das verwässert die Gewinnrechnung minimal, bremst mich jedoch keineswegs.

Keime keimen, Pflänzchen wachsen und stehen im Wohnzimmer überall da, wo ich sie mit dem Staubsauger täglich umholze (wenn ich täglich saugen würde). Raus damit in den Garten. Leider droht noch Nachtfrost. Also erwerbe ich ein bescheidenes Gewächshaus (Basismodell, 299 Euro) und rüste es nach mit einem Fundament (89 Euro) und Belüftungsklappen (149 Euro). Ich muss dringend Geld verdienen und wieder zur Arbeit gehen. Damit ich auch bei Abwesenheit die Belüftungsklappen bedienen kann, ziehe ich einen IT-Experten zu Rate (Stundenlohn: 99 Euro). Jetzt reguliere ich die Belüftung ganz praktisch per App (249 Euro).

Die Tomaten danken es und gedeihen prächtig. Ich brauche Platz dafür. Ich warte, bis meine Frau für drei Tage zur Schwiegermama reist, pflüge das Beet mit den Azaleen und dem restlichen nutzlosen Blumenzeug um. Kaufe eine Anhängerladung Premium-Tomatenerde (486,57 Euro). Errichte einen Schneckenzaun (Modell Walter Ulbricht, 500 Ostmark). Zapfe illegal die Bramau an und baue ein abgefeimtes Bewässerungssystem mit Pumpwerk und Zeitschalter (2395 Euro). Muss ich machen. Könnte sonst nicht in den Urlaub fahren und müsste Stornogebühren in Millionenhöhe abdrücken. Meine Frau würde mich erschlagen. Dann könnte ich nie meine Tomaten ernten. Das teuerste Gemüse der Welt. Produktionskosten pro Stück: 167,42 Euro.