Norderstedt
Bad Bramstedt

Kirche bekommt besonderes Buch zum 700. Geburtstag

Foto: Wolfgang Klietz

Wissenschaftler der Kieler Uni schreiben die Geschichte der Bramstedter Maria-Magdalenen-Kirche auf. Festwoche im Juli geplant.

Bad Bramstedt.  In diesem Jahr wird in Bad Bramstedt gefeiert: Die Maria-Magdalenen-Kirche wird 700 Jahre alt. Für den Juli bereitet die Kirchengemeinde eine Festwoche vor, die mit der Präsentation eines Buch-Projekts beginnen soll. Professor Oliver Auge vom Historischen Seminar der Kieler Universität arbeiten derzeit mit mehreren Wissenschaftlern an dem Werk, das sich mit der Geschichte des Gotteshauses vom Bau bis zur heutigen Zeit beschäftigen wird. Auge, der Herausgeber, geht davon aus, dass das Buch etwa 200 Seiten stark sein wird.

Obwohl in diesem Jahr das Jubiläum gefeiert wird, will sich der Leiter der Abteilung Regionalgeschichte an der Uni nicht festlegen, wie alt genau die Kirche im Herzen der Stadt tatsächlich ist. Im Jahr 1316 wurde sie zum ersten Mal beiläufig in einer Urkunde erwähnt. Auge ist jedoch sicher: „Es gab die Kirche schon vor 1316.“

Die Idee, die lange Historie des denkmalgeschützten Bauwerks zu erforschen, kam vom Bramstedter Pastor Rainer Rahlmeier, der sich ebenfalls mit der Geschichte beschäftigt. Er fragte in Kiel bei Auge an und hatte Erfolg. „Das war ein schönes Angebot“, sagt Auge, der das Buch als dritten Band der Reihe Nordelbische Ortsgeschichten herausgeben wird. Die ersten Bände beschäftigen sich mit den Ortsgeschichten Brokstedts und Nortorfs.

Die Wissenschaftler wälzen die Literatur und suchen in Archiven nach Informationen. Historikerin Nadine Albers untersucht die Anfänge im Mittelalter, als die Kirche noch alt-katholisch war. Sie stand vor den größten Lücken in der Überlieferung. Auch deshalb wird das genaue Datum des Baus vermutlich nie zu klären sein. Offen bleibt außerdem, warum die Kirche nach Maria-Magdalena benannt wurde und wie die Bramstedter das vergleichsweise große Bauwerk finanzierten. „Es gibt nur wenige Quellen“, sagt Auge. „Man muss wie ein Detektiv arbeiten.“

Sicher dürfte sein, dass die Kirche in den ersten Jahrzehnten dem kleinem Gotteshaus im wenige Kilometer entfernten Stellau geähnelt haben dürfte und damals noch keinen Turm hatte.

Handfeste Streitereien mit demPastor waren früher üblich

Auf weitaus mehr Informationen stieß der Historiker Stefan Magnussen, der die Recherchen für das umfangreichste Kapitel der Kirchengeschichte von den Umwälzungen der Reformation bis zum Jahr 1864 übernahm. Krisen, Kriege und Katastrophen prägten diese Zeit, die erheblich besser dokumentiert ist als die Jahre davor.

Zu den erstaunlichsten Entdeckungen Magnussens gehört, dass in früheren Jahrhunderten immer wieder neue Türme gebaut wurden. „Zeitweise baute jede Generation neu“, sagt der Historiker. Außerdem stieß er in den Dokumenten immer wieder auf Protokolle über handfeste Streitereien der Gemeinde mit ihren Pastoren, die häufig nicht vor drei Stunden lange Predigten am Sonntagmorgen zurückschreckten.

Mal warfen die Bramstedter ihrem Geistlichen Verschwendungssucht vor, mal kannte er angeblich die Gebote nicht. Auch die Pastoren sparten nicht mit Kritik. Einige waren aus größeren Städten wie Bremen oder Erfurt nach Bad Bramstedt gekommen und haderten mit der rustikalen Lebensweise in dem holsteinischen Flecken.

Zu den dunkelsten Kapiteln in der Geschichte der Kirche zählt Auge den Abschnitt, den der Historiker Knut Kollex bearbeitet. Er hat die Zeit von 1864 bis zur Gegenwart inklusive der NS-Geschichte untersucht. Bad Bramstedt und die Region gehörte deutschlandweit zu den Hochburgen der Nationalsozialisten, die dort Anfang der 30er-Jahre überdurchschnittliche Wahlergebnisse erzielten.

„Die Kirche hat sich Freiräume für eigene Veranstaltungen schaffen können, obwohl die Nationalsozialisten immer wieder hineinregierten“, sagt Kollex. So sei es beispielsweise gelungen, den Posaunenchor und die Frauenkantorei zu erhalten. Dennoch sei die Zahl der Kirchenaustritte während der Nazi-Herrschaft hoch gewesen; nach dem Krieg habe die Kirche wieder verstärkt Eintritte verzeichnet.

Die Autoren wollen vor allem ein verständliches Buch schreiben

Kunst- und Baugeschichte ist das Fach der Wissenschaftlerin Katja Hillebrand, die das Gotteshaus als denkmalpflegerisches Kleinod bezeichnet. Die Maria-Magdalenen-Kirche war der erste und einzige Backsteinbau als Kirchspielkirche im Holstengau, das etwa der Fläche des mittleren Schleswig-Holsteins entspricht. Katja Hillebrand hat sich außerdem intensiv mit dem sogenannten Triumphkreuz beschäftigt, das heute an der linken Innenwand der Kirchenwand hängt. Das Bild des gekreuzigten Jesus stammt aus vorreformatorischer Zeit und trennte einst – von der Decke hängend – den Altar als geistlichen Raum und der Gemeinde.

Herausgeber Auge betont, das Buch werde nicht nur fürs Fachpublikum geschrieben. „Wir wollen einen Spagat: Wir genügen wissenschaftlichen Ansprüchen und schreiben ein verständliches Buch“, kündigt er an.

Das Buch trägt den Titel „Die Maria-Magdalenen-Kirche in Bad Bramstedt (1316-2016). Die Geschichte eines Gotteshauses, seiner Pfarrei und seiner Gemeinde im südlichen Holstein – Aus Anlass der 700-Jahrfeier der urkundlichen Ersterwähnung“. Die Publikation wird in allen Buchhandlungenerhältlich sein. Der Preis soll bei etwa 25 Euro liegen. Autoren und Verlag stellen das Buchprojekt am Donnerstag, 5. Juli, um 19.30 Uhr im Gemeindehaus am Schlüskamp vor.