Norderstedt

Radeln in der Stadt soll attraktiver werden

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Michael Schick

Foto: Michael Schick

Joachim Brunkhorst ist erster Radverkehrsbeauftragter in Schleswig-Holstein. Er hat sehr konkrete Vorstellungen, von seiner Arbeit.

Norderstedt.  Das Hupen stört ihn nicht. Joachim Brunkhorst radelt unbeeindruckt auf der Fahrbahn der Rathausallee. „Wann immer es möglich ist, gehören Radler auf die Straße“, sagt der Mann, der nun den Radverkehr in offizieller Mission voranbringen soll und will. Der 65-Jährige ist Radverkehrsbeauftragter des Kreises Segeberg, der erste im neu geschaffenen Ehrenamt und einer mit genügend Erfahrung und Durchsetzungskraft. Als Vorsitzender des Umweltausschusses und Ortschef des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) hat der Norderstedter schon sehr konkrete Pläne, wie das Radeln in seiner Heimatstadt attraktiver werden kann.

Zentrale Wege im Netz müssen so ausgebaut werden, dass Radler flott vorankommen. Nur so könnten Berufspendler zum Umstieg von vier auf zwei Räder motiviert werden. Die Ost-West-Verbindung von Norderstedt-Mitte nach Glashütte weise eine entscheidende Lücke auf: An der Poppenbütteler oder gar auf der Poppenbütteler Straße zu radeln, scheidet für Brunkhorst aus. Die Randstreifen seien zu schmal für Radwege, die Fahrbahn zu eng, die Straße zu stark befahren. Der neue Radbeauftragte will eine Trasse vom Jägerlauf Richtung Norden bis zur neu gestalteten Kreuzung der Poppenbütteler mit der Schleswig-Holstein- und der Stormarnstraße schaffen. „Die Wege sind schon da, es fehlt nur ein kurzes Stück, wo der Weg an landwirtschaftlich genutzten Gebäuden entlang führen würde und vom Besitzer dafür freigegeben werden müsste“, sagt er.

Zweiter „Meilenstein“ für Ulzburger Straße

Von der Stormarnstraße bis zur Ulzburger Straße gibt es Radwege, die auch an der Rathausallee weiter nach Westen führen. Doch flottes Tempo lassen sie nicht zu. „Da es hier keine Benutzungspflicht für die Radwege gibt, fahre ich auf der Straße, da komme ich schneller vorwärts“, sagt Brunkhorst – und nimmt die Zukunft vorweg, denn: Die viel befahrene Verkehrsachse mitten durch Norderstedt soll so umgebaut werden, dass Radler auf der Straße fahren können. Das hat Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote angekündigt, der Norderstedt zur Fahrradstadt umbauen will und in Brunkhorst einen engagierten Unterstützer hat. Der Mittelstreifen soll verschwinden, dann sei genügend Platz für Radler und Autofahrer vorhanden.

Brunkhorsts weitere Pläne:

Die Ulzburger Straße muss so schnell wie möglich den zweiten „Meilenstein“ bekommen. Der beginnt südlich des Steindamms und erstreckt sich über 290 Meter bis zum Poolstieg. Wie im Bereich des vor einem halben Jahr eingeweihten ersten „Meilensteins“ zwischen Langenharmer und Glashütter Weg sollen die Radfahrer auch hier auf der Straße fahren.

Die Waldstraße soll zwischen Ulzburger Straße und den AKN-Gleisen zur Tempo-30-Zone werden. Dann können die Radler auch hier auf der Straße fahren, auch die Anwohner würden profitieren.

Der Nord-Süd-Radweg entlang der U-Bahn- und AKN-Gleise, der jetzt in Haslohfurth endet, soll nach Norden Richtung Henstedt-Ulzburg und Kaltenkirchen verlängert werden. Um schnelles Radeln zu ermöglichen, sollen die Radfahrer Vorrang gegenüber den Autofahrern haben, wenn sie Straßen überqueren.

Der Radschnellweg von Norderstedt bis nach Hamburg-Alsterdorf muss so schnell wie möglich realisiert werden. Brunkhorst steht in engem Kontakt mit Nizar Müller von der CDU-Bezirksfraktion Hamburg-Nord. „Die Chancen stehen gut, der Senat will das Veloroutenkonzept noch in dieser Wahlperiode realisieren“, sagt Brunkhorst. Auch hier seien schon viele Teilstücke vorhanden, die ausgebaut und ergänzt werden müssten.

Die Verbindung nach Langenhorn muss verbessert werden. „Da fehlt vor allem das letzte Teilstück zum Langenhorner Markt“, sagt der Fahrradbeauftragte, der sich nun im restlichen Kreisgebiet den Überblick verschaffen will, den er in Norderstedt schon hat. Dabei leistet Brunkhorst Pionierarbeit, der Kreis Segeberg ist der erste Landkreis in Schleswig-Holstein, der sich einen Radverkehrsbeauftragten gönnt. Und das auch nur ganz vorsichtig: Die Grünen hatten eine hauptamtliche Stelle gefordert, doch die Mehrheit sprach sich dafür aus, den Radverkehr zunächst ehrenamtlich zu stärken. Ziel sei, den Anteil am Verkehrsaufkommen von jetzt 10 auf 20 Prozent zu erhöhen. „Städte wie Kiel erreichen diese Größenordnung, weil sie einen Radbeauftragten haben“, sagt Arne Hansen, Fraktionschef der Segeberger Grünen und Initiator der neuen Stelle.

Brunkhorst nennt zwei Aufgaben: Zum einen muss der Kreis das Radverkehrskonzept fortschreiben. Das Förderkonzept habe sich verändert, es würden kaum noch teure Überlandwege gebaut. „Wo es geht, können Radschutzstreifen auf den Fahrbahnen eingerichtet werden“, sagt Brunkhorst, denn: Die Straße sei für alle da. Gerade die wachsende E-Bike-Gemeinde könne da gut mithalten. Den Elektro-Rädern will der Radverkehrsbeauftragte durch Subventionen schneller zu noch mehr Popularität verhelfen: „Warum fördert der Bund Elektro-Autos, E-Bikes aber nicht?“, fragt er und will dem Segeberger CDU-Bundestagsabgeordneten und Kreisvorsitzenden Gero Storjohan, Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestages, die Frage mit auf den Weg nach Berlin geben.

Brunkhorst will sich in den Städten und Gemeinden ein Bild vom Zustand des Radverkehrs machen, mit den Bürgermeistern sprechen und örtliche Radverkehrsbeauftragte als Ansprechpartner rekrutieren.

Zweiter Arbeitsbereich ist der Tourismus. Der Kreis brauche ein Radkonzept für Urlauber und alle anderen, die auf zwei Rädern die Sehenswürdigkeiten entdecken wollen. „Die Touren müssen in eine Karte münden“, sagt Brunkhorst, der die Arbeit nicht allein erledigen wird. Er sieht sich als Moderator des Radverkehrsbeirates von Experten aus unterschiedlichen Bereichen, der sich am 9. Juni konstituieren wird.

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