Norderstedt
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Stadionpläne werden vorerst zurückgestellt

Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote, Horst Hrubesch und Plambeck-Geschäftsführer Carsten Gemeinhardt (von rechts) diskutierten über eine Fußball-Strategie für Norderstedt

Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote, Horst Hrubesch und Plambeck-Geschäftsführer Carsten Gemeinhardt (von rechts) diskutierten über eine Fußball-Strategie für Norderstedt

Foto: Christopher Herbst / HA

Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote will, dass Norderstedts Fußballer zusammenarbeiten und eine gemeinsame Strategie entwickeln.

Norderstedt.  Oberbürgermeis­­ter Hans-Joachim Grote hat Pläne, dass in Norderstedt ein drittligataugliches Fußball-Stadion für 10.000 Zuschauer gebaut werden könnte, vorerst zurückgestellt. Dafür sollen sich nach seinem Wunsch die bei diesem Thema maßgeblichen Vereine (Eintracht Norderstedt, TuRa Harksheide, Glashütter SV, SV Friedrichsgabe) möglichst bald zusammensetzen und ihrerseits eine Strategie entwickeln, mit welchem Konzept perspektivisch Profifußball in der Stadt möglich sei – und das ausdrücklich mit Sportlern aus der Region.

Auf diese Idee ist Grote allerdings nicht alleine gekommen, sondern er ließ sich zuvor von Horst Hrubesch beraten. Der U21-Bundestrainer und frühere HSV-Torjäger hat eine große persönliche Bindung zur Stadt, wohnte hier selbst von 1978 bis 1980, später in Kükels bei Bad Segeberg, dann in Niedersachsen und mittlerweile in Boostedt. Dazu ist Hrubesch unter anderem gut befreundet mit den Verantwortlichen von Eintracht Norderstedt. Er sagt: „Es ist wichtig, dass die Norderstedter Vereine kooperieren und mit jungen Spielern aus der Region einen gemeinsamen Weg gehen. Wenn sich alle an einem Projekt beteiligen, dann gibt es die Chance, 3. Liga zu spielen.“

Was vorgeschlagen wird, klingt revolutionär. Zwar gibt es eine Interessengemeinschaft der Clubs, doch dieses Gremium hatte eher den Zweck, eine gemeinsame Linie für die Entwicklung neuer Sportstätten zu finden – durchaus mit Erfolg. Gerade im Fußball gibt es jedoch klare Trennlinien.

„Es geht nicht nur um den Punkt, dass Eintracht Norderstedt in die 3. Liga aufsteigen soll“, sagt Hans-Joachim Grote. „Der Grundstock ist nicht, ein Stadion auf eine grüne Wiese zu bauen, sondern Strukturen zu schaffen. Erst dann sprechen wir über eine Finanzierung, alles andere wäre von oben herab gedacht.“ Hrubesch nimmt diesen Ball auf: „Es geht nicht nur um den bezahlten Fußball. Alle reden immer davon, dass Horst Hrubesch mit der U21 Europameister geworden ist. Aber wer hat die Spieler gemacht? Die kommen alle aus kleinen Vereinen. Man muss sich an einen Tisch setzen und fragen: Was kann man tun? In jedem Verein finden sich fünf, sechs Leute, die top sind. Nur wenn man die Kräfte bündelt, kann man erfolgreich sein.“ Er betont: „Ein Verein alleine wird es nicht schaffen.“

Der Unterschied zwischen Regionalliga – dort ist die Eintracht Achter – und 3. Liga ist immens. Wer mithalten will, braucht einen reinen Profikader, die Kosten liegen im unteren bis mittleren siebenstelligen Bereich. „Ein Verein darf keine Eintagsfliege sein. Es gibt viele Clubs, die einmal aufgestiegen sind und dann wieder in der Versenkung verschwanden“, sagt Grote.

Auch deswegen sieht er die Stadionfrage mittlerweile etwas zurückhaltender. Wäre Norderstedt im Zuge der gescheiterten Hamburger Olympia-Bewerbung Standort der Schießwettbewerbe geworden, sähen die Dinge vielleicht anders aus. Genauso, wenn die Eintracht noch eine Chance auf die Teilnahme an den Aufstiegsspielen hätte. Oder wenn der Garstedter Club sein jetziges Edmund-Plambeck-Stadion (5068 Plätze) besser füllen würde – im Schnitt kommen gerade einmal rund 600 Fans inklusive Gästen.

An der Ochsenzoller Straße könnte definitiv keine neue Arena entstehen beziehungsweise die jetzige Heimstätte auf eine doppelte Kapazität erweitert werden. Bekannt ist, dass schon über alternative Flächen wie am Brüderhof oder nahe Kiesow nachgedacht wurde. In Garstedt – die Sportanlage gehört der Stadt – könnte neuer Wohnraum entstehen, das Areal soll einen Wert von bis zu 40 Millionen Euro haben. „Wenn man den Standort aufgeben würde, wäre dieser eine für die Stadtentwicklung hochinteressante Fläche“, sagt der Oberbürgermeister zumindest.

Horst Hrubesch, der mit seiner U21 im Sommer zu den Olympischen Spiele nach Rio fliegt, würde sich als Berater hier und da mit Sicherheit weiter einbringen. Was die Vereine selbst von dem Vorstoß halten, wird sich zeigen. Für Eintracht Norderstedt war Plambeck-Geschäftsführer Carsten Gemeinhardt beim Treffen im Rathaus dabei, vertrat kurzfristig den verhinderten Horst Plambeck. Gemeinhardt bekleidet kein Amt im Club, war aber einst erfolgreicher Regionalligaspieler beim 1. SC Norderstedt. Der 48-Jährige zeigte sich offen für die Vision: „Ein sehr interessanter Ansatz, jeder Einzelne kann davon nur profitieren. Bisher hat sich jeder Verein für sich allein entwickelt.“