Norderstedt

Der Ochsenzoll-Kreisel ist der Unfallschwerpunkt

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Andreas Burgmayer
Der Ochsenzoll-Kreisel gehört zu den am stärksten belasteten Verkehrsknotenpunkten Schleswig-Holsteins

Der Ochsenzoll-Kreisel gehört zu den am stärksten belasteten Verkehrsknotenpunkten Schleswig-Holsteins

Foto: Stadt Norderstedt

In dem Knotenpunkt wird gedrängelt, gehupt, unsicher oder aggressiv gefahren. Was sonst noch im Verkehrsreport 2015 steht.

Norderstedt.  Wer sich eine halbe Stunde neben den Kreisverkehr am Knoten Ochsenzoll stellt, der wird Zeuge des täglichen Wahnsinns an der größten Norderstedter Kreuzung, die mit 48.000 Autos am Tag zu den am stärksten belasteten Verkehrsknotenpunkten des Landes Schleswig-Holstein zählt. Autofahrer, die drängeln und hupen, die zu schnell oder zu langsam in den zweispurigen Kreisverkehr fahren, mal unachtsam, mal unsicher, mal rücksichtslos – aber immer wieder gegen alle Regeln.

Kai Hädicke-Schories, der Verkehrsexperte der Norderstedter Polizei, kehrt jährlich die Scherben zusammen, die bei den Unfällen auf dem Kreisel entstehen – im übertragenen Sinne. Er ist der akribische Chronist des Fehlverhaltens der Autofahrer. Sein aktueller Report für das Jahr 2015 weist insgesamt 42 Unfälle am Ochsenzoll aus – so viele wie noch nie. Darunter sind 23 Blechschäden, also Autos, Lastwagen und Motorräder, die auf- und aneinander geraten sind, die sich seitlich touchiert oder von hinten gerammt haben.

In sieben von 42 Unfällen wurden Menschen verletzt, meistens nur leicht, in einem Fall aber schwer: Am 25. August fuhr ein Autofahrer aus dem Kreisel in Richtung Norden und übersah einen Radfahrer, der von links über den Zebrastreifen fuhr. Einen Leichtverletzten gab es am 22. März zu beklagen: Ein Autofahrer fuhr aus dem Kreisel in die Langenhorner Chaussee, entschied sich dann aber, hinter dem Ausgang des Tunnels zu wenden – blanker Wahnsinn. Er stieß mit einem Auto zusammen, das gerade aus dem Tunnel kam. „Diese Wendemanöver gibt es immer wieder“, sagt Hädicke-Schories.

Als der Knoten Ochsenzoll noch eine Baustelle war, gab es weniger Unfälle

Nun sind 42 Unfälle bei 48.000 Autos am Tag nicht unverhältnismäßig viel. Trotzdem ist der aufwendig umgebaute Knoten Ochsenzoll die mit Abstand unfallträchtigste Stelle im Norderstedter Verkehr. „Aber der Knoten ist deswegen kein Sorgenkind“, sagt Hädicke-Schories. „Denn baulich wurde hier alles gemacht, was man machen kann. Was jetzt an Unfällen passiert, ist den Fahrfehlern der Autofahrer geschuldet.“ Das Paradoxe ist: Während der Umbauphase des Knotens zum leistungsfähigen Kreisverkehr mit Untertunnelung nach Norden im Jahr 2012 gab es kaum Unfälle. Auch in den Jahren davor, als alles auf der Kreuzung durch Ampeln geregelt war, lagen die Unfallzahlen niedriger.

Das Grundproblem ist die zweispurige Verkehrsführung im Kreisverkehr. Sie soll mit dauerhaften Mittelstreifen nun noch einmal klarer betont werden. Beim Spurwechsel im Kreis kommt es zu den Unfällen. Die meisten Zusammenstöße aber gibt es zwischen Autos im Kreisverkehr und denen, die in den Kreisel einfahren. „Es bleibt nur noch der Appell an die Autofahrer: Verhalten Sie sich im Kreisel vorausschauend und rücksichtsvoll“, sagt Hädicke-Schories.

Insgesamt gab es im Jahr 2015 in Norderstedt über 8 Prozent weniger Unfälle als 2014. Genau 1520-mal krachte es im Stadtgebiet (1659-mal in 2014). Schwer verletzt wurden bei den Unfällen 34 Menschen, leicht 321. Während die Polizei im Horror-Jahr 2014 sechs Unfälle mit sieben Toten aufnehmen musste, gab es 2015 lediglich einen Toten auf Norderstedter Straßen zu beklagen. Am 24. August wendete ein 37-jähriger Autofahrer auf dem Hummelsbütteler Steindamm und übersah einen 33-Jährigen auf seinem Motorrad. Der Biker starb nach dem Zusammenprall an der Unfallstelle. Das Wenden und Rückwärtsfahren ist in Norderstedt 2015 bei 72 Unfällen der Grund gewesen. Das Missachten der Vorfahrt ist aber wie in den Vorjahren mit 120 Unfällen 2015 an der Spitze der Rangliste der Fahrfehler. Danach folgt das Abbiegen mit 89 Unfällen.

Auf der verschwenkten Poppenbütteler Straße musste nachjustiert werden

Ein weiterer Unfallschwerpunkt in der Stadt bleibt auch nach dem Umbau die Kreuzung der Schleswig-Holstein-Straße mit der verschwenkten Poppenbütteler Straße und dem Langenharmer Weg. 35.640 Autos sind hier am Tag unterwegs. 13-mal kam es zu Unfällen, dabei gab es sechs Leichtverletzte und einen Schwerverletzten. „Nach dem Umbau mussten wir da noch mal nachjustieren“, sagt Hädicke-Schories. Autos, die von der Poppenbütteler Straße geradeaus in den Langenharmer Weg fahren wollten, wurden durch das Signal für die Rechtsabbieger in die Schleswig-Holstein-Straße irritiert. „Die dachten, sie haben auch Grün, fuhren los und krachten in den laufenden Verkehr auf der Schleswig-Holstein-Straße. Das waren allein drei Fälle mit sehr heftigen Zusammenstößen, weil die Autos hier mindestens mit 60 Stundenkilometern fahren.“ Gelöst wurde das Problem, indem die Geradeaus-Spur leicht vorgezogen wurde. Damit hat der erste Wartende keinen Blick mehr auf die Rechtsabbiegerampel. Die Signale der Ampel wurden zusätzlich mit Blenden abgeschirmt.

Schließlich der Radverkehr: Die Unfallzahlen liegen hier immer noch auf Rekordniveau. 2014 registrierte die Polizei mit 169 Unfällen die höchste Zahl seit 2000. Mit 157 Radunfällen ist die Fallzahl 2015 nur leicht niedriger. 144 Radfahrer wurden verletzt, sieben so schwer, dass sie mehrtägig im Krankenhaus behandelt werden mussten. Am häufigsten verunglücken Radler auf der Ulzburger Straße (33 Unfälle). Besonders gefährlich radeln Norderstedter auf links verlaufenden Radwegen (62 Unfälle). Hädicke-Schories: „In 74 Prozent der Unfälle hatten die Radfahrer die Schuld oder Mitschuld.“

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