Norderstedt
Mangelnde Hygiene

Machte Reinigungsfirma schmutzige Geschäfte?

Laut der Gewerkschaft werden Hygienestandards und Arbeitsbedingungen in der Boostedter Unterkunft angeblich nicht eingehalten

Laut der Gewerkschaft werden Hygienestandards und Arbeitsbedingungen in der Boostedter Unterkunft angeblich nicht eingehalten

Foto: Carsten Rehder / dpa

Gewerkschaft kritisiert Reinigungsfirma. Arbeitsbedingungen im Erstaufnahmelager angeblich nicht eingehalten. unternehmen weist dies zurück.

Boostedt.  Neuer Ärger im Erstaufnahmelager für Flüchtlinge: Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt wirft der Reinigungsfirma Beyersdorf „schmutzige Geschäfte“ vor. Die für Gebäudereiniger zuständige Gewerkschaft kritisiert mangelnde Hygiene, unbezahlte Arbeitsstunden und Zwangspausen für die Beschäftigten. Die Gewerkschaft hat den Zoll aufgerufen, die Arbeitsbedingungen zu überprüfen. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück.

Erst vor weniger Wochen hatte das Land als Betreiber der Unterkunft die Zusammenarbeit mit dem Sicherheitsdienst Secura Protect fristlos aufgekündigt, ohne öffentlich die Gründe zu nennen. Nach Abendblatt-Informationen ermittelt die Staatsanwaltschaft Kiel wegen Betruges, weil es zu Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung der geleisteten Stunden gekommen sein soll. Außerdem wird geprüft, ob die Sicherheitsmitarbeiter für ihre Aufgaben ausreichend qualifiziert waren. Das Land hatte vor „gravierenden Vorkommnissen“ gesprochen.

Reinigungsfirma will rechtliche Schritte prüfen

Im Fall der Reinigungsfirma kritisiert die Gewerkschaft die Arbeitsbedingungen, über die mehrfach, aber ohne Erfolg mit Beyersdorf-Geschäftsführer Thomas Müller gesprochen worden sei. „Von unzureichenden Arbeitsmaterialien bis zu fehlenden Impfungen – dem Unternehmen scheint die Gesundheit der Mitarbeiter egal zu sein“, beklagt Gewerkschaftssekretär André Grundmann. In Boostedt sind nach Gewerkschaftsangaben 15 Beyersdorf-Beschäftigte für die Reinigung der Unterkunft mit 800 bis 1000 Bewohnern zuständig.

Grundmann wirft dem Unternehmen außerdem vor, den gesetzlichen Mindestlohn zu unterschreiten. „Die Beschäftigten mussten teilweise mehr als 13 Stunden arbeiten“, sagt Grundmann. „Und sie sind dazu gezwungen, zwischen den Schichten zwei Stunden Pause zu machen – ohne Bezahlung.“ Damit bekämen die Mitarbeiter nicht einmal den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde, so der Gewerkschafter. In der Gebäudereinigung gilt sogar ein Branchen-Mindestlohn von 9,80 Euro in der Stunde,

Die Gewerkschaft kritisiert zudem die „mittlerweile unhaltbaren hygienischen Zustände“ in der Einrichtung, unter denen Flüchtlinge und Reinigungskräfte gleichermaßen litten. Für 80 Personen gebe es nur acht Toiletten. Eine Reinigung nach den geltenden Hygienestandards erfolge nicht.

Beyersdorf-Geschäftsführer Thomas Müller weist die Vorwürfe der Gewerkschaft als unzutreffend und ex­trem geschäftsschädigend zurück. Er kündigte an, rechtliche Schritte zu prüfen. Das Unternehmen zahle entsprechend den Regeln des Rahmentarifvertrages. „Erklären lässt sich der Vorwurf der Gewerkschaft nur damit, dass Uneinigkeit über die Vergütung der Pausenzeiten besteht“, sagt Müller. Die Rechtsauffassung des Unternehmens, dass Pausenzeiten keine Arbeitszeiten seien, habe das Landesarbeitsgericht bestätigt. Auch die Vorwürfe über mangelnde Hygiene während der Reinigungsarbeiten bestreitet Müller.

Auch das Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH), das für die Unterkunft verantwortlich ist, kann bislang keine Hinweise auf ein Fehlverhalten der Firma entdecken. „Bezüglich der für das Land zu erbringenden Reinigungsleistungen gibt es keine besonderen Beanstandungen“, sagt GMSH-Sprecherin Stefanie Bäuchler. Die Firma sei weiter im Auftrag des Landes tätig.