Norderstedt
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„Die Bilder wird man so schnell nicht los“

Der CDU-Europaabgeordnete Reimer Böge aus Hasenmoor war während der Anschläge in Brüssel

Der CDU-Europaabgeordnete Reimer Böge aus Hasenmoor war während der Anschläge in Brüssel

Foto: Angelika Warmuth / dpa

EU-Abgeordneter Reimer Böge aus Hasenmoor hat Terroranschläge in Brüssel, bei denen mehr als 30 Menschen starben, hautnah miterlebt.

Norderstedt.  Als das Abendblatt den CDU-Europaabgeordneten Reimer Böge aus Hasenmoor am Mittwoch erreicht, sitzt er gerade in einem Zug von Brüssel nach Aachen. „Ich bin ziemlich erschlagen. Aber jetzt froh, bald wieder nach Hasenmoor zu kommen.“ Böge hat den IS-Terror in der belgischen Hauptstadt miterlebt. „Die Bilder werde ich noch lange mit mir herumtragen. Die kriegt man so schnell nicht los.“

Stunden zuvor hatte Böge noch in seiner Wohnung im sogenannten EU-Viertel der Stadt gestanden. Die meisten Institutionen der Europäischen Union befinden sich in dem Dreieck zwischen dem Brüsseler Park, dem Parc du Cinquantenaire und dem Leopold Park. Die Metrostation Maelbeeck, in der am Dienstag 20 Menschen durch die Explosion einer Bombe den Tod fanden, ist nur 100 Meter von Böges Wohnung entfernt. „Ich machte das Fenster auf, um zu lüften. Da sah ich, wie die Rettungskräfte offenbar immer noch Leichen aus dem U-Bahnschacht bargen und abtransportierten.“

Militär brachte die Politiker in Sicherheit

Am Tag des Anschlags war Böge gegen 7.40 Uhr an der Metrostation vorbeigelaufen. Um 8 Uhr begann seine Sitzung im Haushalts- und Wirtschaftsausschuss. „Ich diskutierte gerade mit einer italienischen Kollegin über die EU-Fiskalkapazität. Da erreichte mich ein Anruf meines Sohnes aus Hasenmoor: Vater! Anschlag im Flughafen Brüssel! Wo bist du?“

Die Sitzungen wurden sofort abgebrochen. „Langsam sickerte das ganze Ausmaß des Anschlages zu uns Abgeordneten durch.“ Das belgische Militär brachte die Politiker in Sicherheit. „Es war eine unwirkliche Situation. Ein Anschlag auf einem Flughafen, den wir alle zweimal in der Woche nutzen. Da kommst du zu dem Schluss: Es hätte auch mich treffen können.“

Jeder in Brüssel habe mit einem Anschlag gerechnet. „So viele Dschihadisten, die festgenommen wurden und gesungen hatten. Die Brüsseler sagten: Bevor die andere enttarnen können, schlagen die doch irgendwann los.“ Am Tag nach dem Anschlag habe eine beklemmende Stille über der Stadt gelegen, sagt Böge. Alle Abgeordneten suchten das Weite. „Wir wurden in Züge gesetzt. Ich habe einen Anschlussflug von Aachen nach Hause.“

Das Erlebte will der Europaabgeordnete und Landwirt nun in der vergleichsweise heilen Welt des Kreises Segeberg in Hasenmoor verarbeiten: „Morgen gehe ich auf meine Felder und richte ein paar Zäune, da kann ich am besten das Erlebte verarbeiten.“ Seine Gedanken werden bei den Belgiern und den vielen Opfern sein.