Norderstedt
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Mittelpunkt des Stadtteils Friedrichsgabe

Elisabeth und Eckhard Wallmann in „ihrer“ Johanneskirche in Friedrichsgabe, die in diesem Jahr 50 wird

Elisabeth und Eckhard Wallmann in „ihrer“ Johanneskirche in Friedrichsgabe, die in diesem Jahr 50 wird

Foto: Helge Buttkereit / HA

Gleich mehrere Kirchen in der Region werden in diesem Jahr 50 Jahre alt. Den Anfang macht die Johanneskirche in Norderstedt.

Norderstedt.  Wer immer schon eine Norderstedter Kirche zu Hause stehen haben wollte, der kann sich in Friedrichsgabe nun die Johanneskirche kaufen. Zumindest als Modell. Denn die Kirche, die 1966 für 700.000 Deutsche Mark gebaut wurde, gibt es jetzt als Modelbogen für drei Euro zum Mitnehmen. „Unsere Kirche mit ihren klaren geometrischen Formen eignet sich ja gut zum Basteln“, sagt Pastor Eckhard Wallmann.

Für ihn ist die Johanneskirche nicht nur aus Gründen des Lokalpatriotismus die schönste der Norderstedter Kirchen ist. „Unsere Kirche ist nicht durch Umbauten der 1970er-Jahre unkenntlich gemacht worden“, sagt er.

Der Modellbogen der Johanneskirche wurde professionell entworfen und ist nun in der Kirchengemeinde pünktlich zum 50. Geburtstag der Kirche am 3. April zu haben. Dann wird Propst Karl-Heinrich Melzer im Gottesdienst predigen, im Anschluss geht die besondere Geburtstagsfeier im Gemeindehaus weiter. Aber auch schon vorher wird in Friedrichsgabe gefeiert. Die Gemeinde hat die ersten Konfirmanden eingeladen, die vor 50 Jahren in der Johanneskirche konfirmiert wurden. Am 20. März findet die goldene Konfirmation statt. „Wir würden uns freuen, wenn wir noch mehr Rückmeldungen bekommen“, sagt Pastor Wallmann.

Pastorat für südlichen Bezirk gibt es nicht mehr

Er selbst kam vor 13 Jahren von Helgoland gemeinsam mit seiner Familie nach Norderstedt und teilt sich seitdem mit seiner Frau Elisabeth die Pfarrstelle im kleinsten Norderstedter Stadtteil. „Als die Kirche geweiht wurde, hat der damalige Bürgermeister gesagt, hier ist jetzt das Zentrum“, berichtet Wallmann. Und dass die Kirchengemeinde immer noch so etwas wie der Mittelpunkt des Stadtteils ist, zeigt sie auch mit dem Gemeindebrief, der viele Nachrichten aus Friedrichsgabe enthält. „Wir verstehen unsere Arbeit als Pastoren so, dass wir unter den Menschen leben wollen und vor Ort etwas machen“, fasst Wallmann zusammen. Er ist gemeinsam mit seiner Frau immer ansprechbar, dieses Gefühl sei für die Menschen wichtig, auch wenn sie das Angebot vielleicht nie annehmen, meint Wallmann.

Der Pastor ist froh darüber, dass es bei den Fusionsgesprächen keinen Zusammenschluss mit einer anderen Gemeinde gegeben hat. Veränderungen gab es aber auch in Friedrichsgabe. „Wir mussten unseren Standort im Süden schließen“, sagt Wallmann, denn mittlerweile ist das ehemalige Gemeindehaus in Friedrichsgabe-Süd nur noch eine Kindertagesstätte. Auch das Pastorat für den südlichen Bezirk gibt es nicht mehr, das kirchliche Leben konzentriert sich rund um Gemeindehaus und Kirche in der Bahnhofstraße.

Landgemeinden nach dem Krieg verkleinert

Besonders stolz ist Wallmann auf die Johanneskantorei mit etwa 70 Mitgliedern, die offene Jugendarbeit und den Johannestisch, bei dem jede Woche etwa 40 Personen gemeinsam Mittag essen.

Der Bau der Johanneskirche durch den Hamburger Architekten Heinz Graaf als Beispiel für moderne Dorfkirchen in Industriegemeinden fiel in eine Zeit regen Kirchenbaus. Landauf landab entstanden in Schleswig-Holstein viele neue Kirchen, und die großen Landgemeinden wurden verkleinert. Quickborn, zu dem bis nach dem Zweiten Weltkrieg die heutigen Gemeinden Ellerau, Quickborn-Heide und eben Friedrichsgabe gehörten, war nur ein Beispiel unter vielen. 1966 beispielsweise entstanden auch die Paul-Gerhardt-Kirche in Garstedt, die Christuskirche in Alveslohe und die Apostel-Johannes-Kirche in Oering, sodass auch diese in diesem Jahr ihr Jubiläum feiern. Andere Kirchen der Region, die wie Oering und Alveslohe im landesweiten Kapellenbauprogramm realisiert, feierten ihre Jubiläen in den vergangenen Jahren – Kisdorf und Hartenholm gehören dazu. Andere wie Sievershütten und Schmalfeld haben ihren 50. Geburtstag in den kommenden Jahren vor sich.

Oering, Alveslohe und Paul-Gerhardt-Kirche

Bereits vor 60 Jahren entstanden an der Heidbergstraße Kirchsaal und Gemeindehaus, am 30. Oktober 1966 wurde dann die Paul-Gerhardt-Kirche geweiht. Wer Fotos von Veranstaltungen, Mitwirkenden oder Ereignissen jeder Art hat, die in einer Ausstellung gezeigt werden können, kann sich bei Pastorin Carolin Paap unter Telefon 040/521 84 12 oder per Mail an die Adresse dr.carolin.paap@googlemail.com melden. Gefeiert wird dann dieses Jahr zweimal, zum einen zur Nacht der Kirchen am 17. September und zum anderen mit einem Festgottesdienst am 30. Oktober, bei dem Professor Claus-Hunno Hunzinger predigen wird.

Das Kirchweihfest in Alveslohe aus Anlass des 50. Bestehens der Kirche wird am 25. September gefeiert. Geplant ist ein Festgottesdienst mit Propst Kurt Riecke und ein Gemeindefest rund um die Kirche in der Bahnhofstraße. Die Kirchengemeinde Kaltenkirchen, zu der Alveslohe gehört, freut sich über Geschichten, die die Gemeindeglieder mit ihrer Kirche verbinden. Wer mag, kann sich deswegen bei Pastorin Simone Pottmann unter Telefon 04193/80 75 81 melden.

Die Apostel-Johannes-Kirche in Oering feiert am 19. Juni ihren 50. Geburtstag mit einem Gottesdienst und einem Fest rund um die Kirche, deren Entwurf beim ersten Kapellenbauprogramm der Landeskirche in den 1960er-Jahren den zweiten Platz belegte. Predigen wird der Schleswiger Bischof Gothard Magaard.