Norderstedt
Norderstedt/Kiel

57-Jähriger gesteht, Frau erstochen zu haben

Die Tat ereignete sich am 30. Juli 2015

Die Tat ereignete sich am 30. Juli 2015

Foto: Michael Rauhe

Totschlag in Norderstedt – Prozess vor Kieler Gericht hat begonnen. Mann aus Ghana soll seine Lebensgefährtin erstochen haben.

Norderstedt/Kiel.  Ein Beziehungsdrama wird seit Freitag vor dem Kieler Landgericht verhandelt. Ein 57-jähriger Mann aus Ghana, der sich seit 1999 illegal in Deutschland aufhält, soll seine ebenfalls aus Ghana stammende Lebensgefährtin in ihrer Norderstedter Wohnung erstochen haben. Die Anklage lautet auf Totschlag.

Nachbarn alarmierten am Abend des 30. Juli 2015 die Polizei, nachdem sie einen lautstarken Streit, später auch Hilfeschreie und ein Rumpeln gehört hatten. Als die Beamten die Wohnung betraten, lag die 55-Jährige leblos am Boden. Zuvor hatte der im Kern geständige Angeklagte noch versucht, das Küchenmesser mit der 17 Zentimeter langen Klinge, sich selbst und das Opfer vom Blut zu reinigen.

Mehr als 20 Stich- und Schnittverletzungen sprechen für eine emotional aufgeladene Situation. Der englischsprachige Afrikaner berichtet von starken Spannungen, die das Verhältnis zu seiner angeblichen Ehefrau über Monate hinweg belastet hätten. Man habe nach afrikanischem Brauch geheiratet, „I think, five years ago.“ Doch die Hinterbliebenen wüssten davon nichts, sagt die Anwältin der Familie.

Nur indirekt und zögernd berichtet der abgelehnte Asylbewerber am Ende seiner vierstündigen Vernehmung über die Hoffnungen, die er sich von der legal in Norderstedt lebenden Landsmännin machte. Ein gemeinsames Kind, sagt er, hätte ihm eine dauerhafte Bleibeperspektive eröffnet. Doch die Bemühungen des Paares fruchteten nicht. Der verhinderte Vater soll die Frau, die regelmäßig für ihn kochte, deshalb als minderwertig beleidigt haben. Im April setzte ihn die 55-Jährige vor die Tür, tauschte die Schlösser aus, verbot ihm wiederzukommen.

Zwei Monate war der Angeklagte obdachlos, schlief bei Freunden „mal hier mal da“. Gleichzeitig machte die christlich afrikanische Kirchengemeinde, in der sich das fromme Paar kennengelernt hatte, ihren Einfluss geltend. In vielen Gesprächen sollen sich die Kirchenoberen für den Erhalt der Ehe eingesetzt haben. Auch die Verwandten in Afrika und Amerika wurden informiert, sagt der Angeklagte, „sie wollten alle für uns beten“.

„Ich habe die Kontrolle verloren“

Doch die Frau bestand auf getrennten Betten, verweigerte ihm den eigenen Wohnungsschlüssel. Immer habe er sich anmelden müssen, um eingelassen zu werden. Unmittelbar vor der Bluttat habe seine Ehefrau für eine Woche verreisen und ihn solange vor die Tür setzen wollen. Es kam zum Streit, sagt er. Als er an ihr am Esstisch vorbei auf die Toilette wollte, habe die Frau zum Messer gegriffen, mit dem sie dort vorher ein Stück Melone aufgeschnitten habe. „Ich bekam Angst, hielt ihre Hand fest“, behauptet der Angeklagte. „So begann unser Kampf. Ich habe die Kontrolle verloren.“ Doch Melonenreste fanden sich später nicht im Wohnzimmer, sondern nur in der Küchenspüle. Der Prozess wird fortgesetzt.