Norderstedt
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Hier können Jugendliche Politik aktiv mitgestalten

Die jugendlichen Kandidaten für den Jugendbeirat wollen erreichen, dass es künftig ein Jugendcafé in Norderstedt gibt

Die jugendlichen Kandidaten für den Jugendbeirat wollen erreichen, dass es künftig ein Jugendcafé in Norderstedt gibt

Foto: Markus Scholz / picture alliance / Markus Scholz

Mit dem 7. Kinder- und Jugendbeirat wählen sich alle Bürger zwischen zwölf und 20 Jahren im März eine neue politische Vertretung.

Norderstedt.  Wenn Kindern und Jugendlichen in Norderstedt etwas gegen den Strich geht, wenn sie protestieren wollen gegen Entscheidungen der Stadt oder bei Politik und Verwaltung ihre Wünsche loswerden wollen, dann haben sie dazu nicht nur das Recht, sondern auch das nötige politische Gremium. Den Kinder- und Jugendbeirat. In Norderstedt wird der Beirat jetzt zum siebten Mal gewählt. Vom 2. bis 17. März können Jugendliche zwischen 12 und 20 Jahren an allen weiterführenden Schulen ihre Stimme abgeben.

Dass Norderstedt politische Entscheidungen rund um die minderjährigen Bürger der Stadt nicht über deren Köpfe hinweg fällen darf, ist längst Gesetz. Die Gemeindeordnung verpflichtet Verwaltung und Stadtvertretung dazu, jugendliche Einwände zu berücksichtigen. In über 40 Städten und Gemeinden des Landes gibt es schon Kinder- und Jugendbeiräte. „Eine lebendige Demokratie braucht Kinder und Jugendliche, die sich einmischen“, sagte Jugendministerin Kristin Alheit beim letzten Landesforum der Jugendparlamente und -beiräte im November 2015. „Jugendliche wollen sich einbringen. Sie sollen es auch. Wir müssen ihnen deshalb den Raum dazu geben.“ Es gehe dabei auch um die Vermittlung des „demokratischen Handwerkszeuges“, wobei aber auch der Spaß nicht zu kurz kommen soll, sagt Alheit.

In Norderstedt dürfen die Schüler Anträge in den Fachausschüssen einbringen und haben Rederecht im Jugendhilfeausschuss. Im städtischen Haushalt sind jährlich 6500 Euro Budget für den Beirat eingestellt. Mit Sozialarbeiter Oliver Jankowski beschäftigt die Stadt einen Koordinator für die Nachwuchspolitiker. „Die Unterstützung durch Verwaltung und Politik ist in Norderstedt überwältigend und sicher größer als in vielen anderen Kommunen“, sagt Jankowski.

Ein gut gestimmtes politische Ins­trument liegt für die Kinder und Jugendlichen in Norderstedt also bereit. Doch in der Realität des politischen Beteiligungsprozesses wird es zu selten gespielt. In den vergangenen 13 Jahren seines Bestehens hat sich der Beirat weniger als politisch streitbares Gremium bewiesen. Kommunalpolitik im klassischen Sinne steht nicht im Zen­trum des Interesses der Kinder und Jugendlichen. Vielmehr drehen sich die Themen des Beirates um die Freizeitgestaltung und den schulischen Alltag, also um ihre unmittelbare Lebensrealität. Es sei nicht leicht, die Jugendlichen zum Beispiel für die teilweise trocken-theoretischen Themen eines Bauausschusses zu begeistern, sagt Jankowski. „Aber es ist das Ziel. Und vielleicht sollten wir das künftig mit Schulungen unterstützen“, sagt Jankowski. Doch erstes Ziel aller Bemühungen um den Beirat ist es, überhaupt ausreichend Kandidaten zu finden. „Wir hatten vor der Wahl viel Werbung an den Schulen gemacht und gehofft, dieses Mal mehr Bewerber zu bekommen“, sagt die Beiratssprecherin Areti Bouras, 19. Doch mit 13 Jugendlichen ist die Zahl so gering wie bei kaum einer Wahl zuvor. Alle Kandidaten sind damit schon gewählt – denn bis zu 21 Plätze darf das Gremium besetzen.

Viele Kandidaten sind bereits im Beirat

Die meisten Kandidaten sind schon länger beim Beirat dabei. Und es sind hauptsächlich Ältere. Entweder stecken sie im Abitur oder haben die Schule schon abgeschlossen und gehen ins Studium. „Kinder sind unterrepräsentiert im Kinder- und Jugendbeirat“, sagt Koordinator Jankowski. „Deswegen haben wir überlegt, auch schon Kinder unter 14 Jahren aufzustellen. Aber das ist auch eine Frage der Reife.“

Bei den Wünschen des Beirates an die Stadt schlägt sich das Alter der Beiräte nieder. „Da geht es viel um die Abendgestaltung für Jugendliche“, sagt Jankowski. Für die jüngeren Schüler ist das noch nicht so entscheidend.

Die Jugendlichen wollen erreichen, dass es künftig ein Jugendcafé in Norderstedt gibt. „Die Frage ist ja immer: Wo können sich Jugendliche treffen, wenn Einrichtungen wie der Bunker in Norderstedt-Mitte schon geschlossen sind“, sagt Areti Bouras. Ein Café, in dem es Getränke zum günstigen Preis gibt, vielleicht betrieben durch eine Azubi-Firma, wäre aus Sicht des Beirates die Lösung.

Der Bunkerabend soll erhalten bleiben

Ganz wichtig ist dem Beirat die Fortführung des erfolgreichen Bunkerabends, ein regelmäßiger Open-Stage-Abend für Nachwuchskünstler in dem Jugendtreff.

Nachdenklich machen sollten Politik und Verwaltung der Wunsch des Beirates nach der Einführung von Schulpsychologen an allen weiterführenden Schulen. „Viele haben Hemmungen, ihre Probleme durch Leistungsdruck, Mobbing oder private Krisen mit Schulsozialarbeitern und Vertrauenslehrern zu besprechen.“, sagt Bouras. „Es gibt nur den Schulpsychologen des Kreises. Der hat es mit einer großen Zahl an Fällen zu tun. Im internationalen Vergleich schneiden wir da schlecht ab.“

Ein weiteres Kernthema des Beirates ist die Flüchtlingssituation. Die Schüler wünschen sich mehr Kontakt zu jugendlichen Flüchtlingen. „Wir würden gerne mehr machen in der Betreuung, haben da aber noch keine Erfahrung“, sagt Bouras.

Infos zum Kinder und Jugendbeirat gibt es unter www.kjb-norderstedt.de. Bilder aller Kandidaten finden sie in der aktuellen Ausgabe der Abendblatt-Regionalausgabe Norderstedt.