Norderstedt
Schröters Wochenschau

Joints aus nachhaltigem Anbau

Jan Schröter

Jan Schröter

Foto: Wolfgang Klietz

Wir erleben wieder Frostnächte, dabei sehnen sich alle Gartenliebhaber längst danach, bei milden Frühlingslüften im Freien ihrer Passion nachzugehen.

Manch einer hält die winterliche Abstinenz überhaupt nicht mehr aus und verlegt sich bereits aufs Indoor-Gärtnern. So auch zwei 28-Jährige, die in ihrem Norderstedter Reihenhaus auf 70 Quadratmetern eine Marihuana-Plantage betrieben. Die Polizei stellte eine bereits säuberlich abgeerntete Menge von 7,5 Kilo Cannabisblüten (Norderstedter Südhang, First Flush) sicher.

Für ihren Fleiß verdienten die Täter eigentlich ein Jahr Strafnachlass, allerdings müssten sie für ihre Dämlichkeit ein Zusatzjahr Knast aufgebrummt bekommen. Aufgeflogen ist das illegale Treiben nämlich, weil es der Nachbarschaft seltsam vorkam, dass die Fenster des Plantagenhauses sämtlich mit Jalousien und Folie abgedeckt waren – rund um die Uhr. In einer Reihenhaussiedlung. Wirklich total unauffällig. Eigentlich hätten die beiden Jungunternehmer gleich ein blinkendes Schild an die Haustür nageln können: „Gutes aus der Region: Joints aus nachhaltigem Anbau – zweimal klingeln.“

Ein Schaden von 25.000 Euro bei einer Beute von wenigen Hundertern

Nach ihrer Verurteilung werden die Täter ihre Grünen Daumen im Gefängnisgarten beweisen können. Bei guter Führung dürfen sie während des letzten Drittels ihrer Haftzeit auch landschaftsgestaltend im öffentlichen Raum wirken, beispielsweise im Norderstedter Stadtpark. Man sollte sich dann bloß nicht darüber wundern, was danach dort für merkwürdige Pflanzen wachsen.

Gärtnern ist wenigstens kreativ. Der neueste Ganoventrend ist dagegen komplett destruktiv: Fahrkarten- und Geldautomaten sprengen, zuletzt den automatischen Ticket-Spender an der Haltestelle Haslohfurth. Ein Schaden von 25.000 Euro bei einer Beute von wenigen Hundertern, das macht betriebswirtschaftlich gar keinen Sinn. Wenn man diese Typen schnappt, werden sie erst einmal in der Gefängnisbuchhaltung einen Chrash-Kurs belegen müssen. Bei guter Führung dürfen sie während des letzten Drittels ihrer Haftzeit dann auch in einer öffentlichen Verwaltung…

Ach nee. Vielleicht lieber doch nicht.