Norderstedt
Schröters Wochenschau

Bei uns gibt es viel Wald – aber keine Wale

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt, schreibt regelmäßig im Hamburger Abendblatt

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt, schreibt regelmäßig im Hamburger Abendblatt

Foto: Wolfgang Klietz

Diese Woche ist mal der Wald dran – und dem geht es sehr gut, schreibt Jan Schröter. Wale sind im Kreis Segeberg allerdings äußerst selten.

Norderstedt.  Wenden wir uns diese Woche dem zu, was in unserer Heimat am schönsten ist. Nein, nicht Angelique Kerber. Diese Woche ist mal der Wald dran. Dem geht es prima, sagt der aktuelle „Waldzustandsbericht“ des Landes Schleswig-Holstein. Das hört man gern. Immerhin sind 11 Prozent unseres Bundeslandes mit Wald bedeckt. Auf der restlichen Fläche liegen gerade tote Pottwale, aber auf den „Walzustandsbericht“ warten wir noch.

Im Kreis Segeberg sind sogar 15,1 Prozent der Gesamtfläche bewaldet. Der Grund: Hier kommen die Pottwale nicht hin. Vielleicht aber doch, zumindest teilweise, wenn sie nämlich explodieren. Das kann passieren, wenn man sie unfiletiert herumliegen lässt. Dann fliegen buchstäblich die Fetzen, dagegen ist das Dschungelcamp eine Waldorfschule. Ist „Waldorfschule“ eigentlich eine ländlich gelegene Schule für Wale? Egal. Freuen wir uns lieber über den Wald. Verloren die Bäume 2004 ein Viertel der Nadeln und Blätter, waren es 2015 nur 16 Prozent. Wir haben also noch fast alle Nadeln am Baum. Vorausgesetzt, der Baum ist nicht zu alt. Die Kronen der Bäume, die 60 Jahre oder länger im Wald stehen, sind stärker angegriffen als bei jungen Exemplaren. In Zahlen: „Die Alten haben mit 21 Prozent eine mehr als doppelt so hohe Kronenverlichtung wie die Jungen (neun Prozent)“.

Da geht es Baumsenioren also auch nicht besser als uns Männern. Wenigstens lehrt uns der Waldzustandsbericht eine treffliche Bezeichnung fürs altersbedingte Haarproblem. Zieht Ihre Frau Sie wieder einmal wegen Ihrer größer gewordenen Geheimratsecken auf, kontern Sie jetzt: „Das ist keine Glatze, das ist eine Kronenverlichtung.“

Leider wissen wir nun immer noch nicht, wohin mit den Pottwalen. Es strandeten in diesem Jahr einfach zu viele, mittlerweile steht schon vor jeder Kita ein Kletterskelett. Die Wale kommen von Norden und biegen hinter Großbritannien falsch ab, sagen die Experten. Wann stellt man dort endlich für diese Geisterschwimmer ein Hinweisschild auf?
Großer Pfeil mit Aufschrift: Wal-halla.