Norderstedt
Kreis Segeberg

Raucher: Endlich aufhören mit der Qualmerei

Viele Raucher scheiterten schon mal beim Versuch, sich die Zigarette abzugewöhnen

Viele Raucher scheiterten schon mal beim Versuch, sich die Zigarette abzugewöhnen

Foto: Andrea Warnecke / dpa-tmn

Jeder dritte Mann und jede fünfte Frau in Schleswig-Holstein rauchen. Norderstedter Suchthilfe ATS bietet Rauchern eine neue Chance.

Kreis Segeberg.  Vielleicht lesen Sie diesen Artikel, nachdem Sie eben draußen auf der Terrasse waren, um eine zu schmöken. Dann ist das schlechte Gefühl, das Sie dabei hatten sicher noch ganz frisch. Hatten Sie sich nicht geschworen, mit diesem verdammten Rauchen endlich aufzuhören? Vielleicht zuletzt in der Silvester-Nacht, mit Champagner im Blut und den inneren Drang verspürend, es im neuen Jahr endlich besser zu machen als im alten? Und jetzt standen Sie wieder da draußen, mit der Zigarette an der Lippe und dachten: Ich kann nicht ohne dieses entspannende Gefühl, wenn das Nikotin in meiner Blutbahn Fahrt aufnimmt.

Kleiner Trost: Sie sind nicht alleine. Etwa 18 Millionen Menschen in Deutschland rauchen. Sechs Millionen davon versuchen regelmäßig aufzuhören – und scheitern.

Astrid Mehrer von der Sucht- und Drogenberatungsstelle Norderstedt (ATS) weiß, dass Raucher gerade zu Jahresbeginn mit sich und ihrer Sucht hadern. „Kaum ein Raucher, der nicht schon mal versucht hat, von der Zigarette wegzukommen“, sagt die Sozialpädagogin. Sie möchte den Rauchern Unterstützung anbieten auf ihrem Weg in ein rauchfreies Leben, wie sie sagt. Am Münchner IFT-Institut für Gesundheitsförderung hat sich Mehrer zur Trainerin innerhalb des bundesweiten „Rauchfrei“-Programms zertifizieren lassen, das IFT in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung entwickelt hat. Seit Jahren gibt es das Programm, fast 90.000 Raucher haben daran teilgenommen, immerhin 30 Prozent davon kamen auch ein Jahr danach noch ohne Zigarette aus.

Astrid Mehrer bietet vom 3. Februar an in Norderstedt eine Neuauflage des mehrwöchigen Rauchfrei-Kursus an. Sechs Gruppentreffen sind geplant. „Dazu werde ich mit jedem Teilnehmer individuelle Telefontermine vereinbaren.“ Die Raucher werden zunächst auf den neusten Stand gebracht, was die Methoden angeht, die einem die Zigarette abgewöhnen. Hypnose, Akupunktur, Nikotinpflaster, Medikamente – für jeden Typ Raucher gibt es die passenden Varianten. Zusätzlich bekommen die Raucher Info-Material an die Hand. Und einen Raucher-Abreißkalender für die ersten 100 Tage ohne Zigarette. Täglich bekommt der Raucher aufmunternde Sprüche und wird auf die positiven Effekte hingewiesen, die er in bestimmten Phasen der Rauchentwöhnung spüren müsste.

Nach der allgemeinen Einführung bereitet die Gruppe bei einem der Treffen gemeinsam den rituellen Rauchstopp vor. Mehrer weiß noch nicht, ob man gemeinsam eine letzte Zigarette rauchen oder gemeinsam die letzte Schachtel vernichten wird. „Es wird auf jeden Fall ein Ritual geben – welches, das muss ich mir noch überlegen.“

Wem die Argumente fehlen, um das Rauchen endlich sein zu lassen, dem kann Astrid Mehrer natürlich auch die aktuellen Horror-Statistiken vorlegen. In Schleswig-Holstein rauchen etwa 31,1 Prozent aller Einwohner, also jeder dritte Mann und jede fünfte Frau. 29 Prozent rauchen 20 Zigaretten am Tag, 21 Prozent zwischen elf und 19 Stück und 24 Prozent täglich bis zu zehn.

In ganz Deutschland rauchen etwa 18 Millionen Menschen. 2013 lag die Zahl der nachweislich an den Folgen des Rauchens verstorbenen Menschen bei 121.000. Im Jahr 2009 waren es noch 109.000 Menschen gewesen. Zwei Drittel aller Raucher-Toten starben an Lungenkrebs. Bei den rauchenden Männern ist der Darm- oder Leberkrebs häufig, bei den Frauen der Bauchspeicheldrüsenkrebs. Astrid Mehrer: „Rauchen ist das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko.“

Wer gut damit zurecht kommt, sich und seine Gesundheit zu ruinieren, der sollte zumindest darüber nachdenken, was er anderen antut. Durch das Passivrauchen sterben immerhin 3300 Menschen jährlich in Deutschland. 40 Prozent aller Kinder und Jugendlichen leben mit mindestens einem rauchenden Elternteil. „Und es gibt immer noch Eltern, die im Auto rauchen, während auf dem Rücksitz die Kinder sitzen“, sagt Mehrer. Die Sozialpädagogin, die viel in der Kinder- und Jugendarbeit engagiert ist, kennt die Ängste der Kinder um ihre rauchenden Eltern. „Die Kinder wissen, dass Rauchen tötet oder krank machet. Sie sehen die Sprüche auf den Schachteln.“ Sie erlebe oft, dass Kinder die Zigarettenschachteln der Eltern verstecken oder sogar vernichten, weil sie Angst um ihre Eltern haben. Manche Kinder glauben sogar, sie seien Schuld daran, dass die Eltern rauchen. „Zum Beispiel: Wenn der Vater nach dem Fußballspiel des Sohnes sagt: Ihr habt so schlecht gespielt, jetzt muss ich erst mal eine rauchen“, sagt Mehrer.

Ein Einführungs- und Informationstreffen für den Kursus gibt es am Mittwoch, 3. Februar, von 18.30 bis 20 Uhr in den Räumen der ATS an der Feldstraße 2. Der neue Kursus startet am 10. Februar und dauert bis zum 23. März. Die Gruppe trifft sich sechsmal, jeweils an einem Mittwoch, von 18.30 bis 20 Uhr. An zwei Tagen sind individuelle Telefongespräche geplant. Anmeldung und weitere Information unter 040/523 32 22 oder unter der E-Mail sucht.nor@ats-sh.de. Die Kosten des Kursus betragen 160 Euro. Die Krankenkassen erstatten gegen Bescheinigung zwischen 70 und 100 Prozent der Kosten.