Norderstedt

Sonne beschert Gymnasium 11.000 Euro pro Jahr

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Michael Schick
Walter Zielinski, Reinhard Thiemann, Reante Eileck und vom Verein Less-Solar (von links) und Schulleiter Carsten Apsel freuen sich über den jährlichen Gewinn, die die Sonne der Schule beschert

Walter Zielinski, Reinhard Thiemann, Reante Eileck und vom Verein Less-Solar (von links) und Schulleiter Carsten Apsel freuen sich über den jährlichen Gewinn, die die Sonne der Schule beschert

Foto: Michael Schick

Solaranlage auf dem Dach des Lessing-Gymnasiums ist bundesweites Vorzeigeprojekt und erwirtschaftet Gewinn für Hilfsprojekte.

Norderstedt.  Aus der Idee ist ein ertragreiches Projekt geworden: 1998 wurde das Solarprojekt am Lessing-Gymnasium aus der Taufe gehoben, jetzt hat sich die Anlage amortisiert und wirft Gewinn ab, jedes Jahr zwischen 11.000 und 15.000 Euro. Durchschnittlich bringt die Sonnenernte 25.000 Kilowattstunden im Jahr. „Das reicht, um acht Haushalte mit drei Personen ein Jahr lang mit Strom zu versorgen“, sagt Reinhard Thiemann, Vorstand im Verein Less-Solar, der die Anlage betreibt.

„Wir investieren den Gewinn in schulische Projekte oder andere Vorhaben, die zu unserem ökologischen und auf Nachhaltigkeit angelegten Vereinskonzept passen“, sagt Walter Zielinski, ebenfalls Mitglied im Vereinsvorstand – der pensionierte Lehrer, der lange am Lessing-Gymnasium unterrichtet hat, gilt als einer der Ideengeber und Motoren der Solaranlage und hat sich auch mit einem anderen Projekt Renommee erarbeitet: Das Team von Charity-Network bringt ausrangierte Computer auf den aktuellen Stand und gibt sie kostenlos an Menschen weiter, die digitale Hilfe brauchen – und das weltweit, mit besonderem Fokus auf Afrika.

Da ist auch Thieman, der am Lessing-Gymnasium Sport und Englisch unterrichtet, regelmäßig unterwegs. Er unterstützt mit anderen Pädagogen die Neshangwe High School in Zimbabwe und hat zusammen mit Charity Network dort 50 PCs installiert. „Doch die brauchen Strom, ohnehin ist das schulische Leben heute auf Elektrizität angewiesen“, sagt Thiemann. Doch Strom fließe dort nur zwischen 22 und 5 Uhr regelmäßig. Eine Solaranlage soll das ändern, 6270 Euro spendiert Less-Solar für die Module, die etwa ein Drittel des Strombedarfs für einen Drei-Personen-Haushalt liefern. „Das Geld fließt erst, wenn die Schule ihren Anteil von 15 Prozent aufbringt“, sagt Thiemann.

Vor einem Jahr engagierten sich die Lessing-Schüler, damit die afrikanischen Schüler ihren Durst stillen und die Toiletten benutzen können. Beim Sponsorenlauf der Norderstedter Gymnasiasten kamen 14.000 Euro zusammen, mit gut 4000 Euro wurden acht Solarpaneele für den Betrieb der Wasserpumpe installiert. Die Pumpe hängt in einem rund 40 Meter tiefen Bohrloch , sie fördert 3000 Liter pro Stunde, allerdings nur, wenn die Sonne scheint. „Das ist in Simbabwe an 300 Tagen für zehn bis zwölf Stunden der Fall und reicht, um die Tanks mit einem Fassungsvermögen von je 25.000 Litern zu füllen“, sagt Thiemann. Nicht nur die 600 Schüler der High School werden mit Wasser versorgt, sondern auch die 400 Schüler der benachbarten Primarschule und die Bewohner des umliegenden Dorfes.

Doch auch die Jungen und Mädchen, die am Lessing-Gymnasium Abitur machen wollen, profitieren vom Geld, das die Sonne schenkt. Lehrerin Renate Eileck bekommt Geld für das Wahlpflichtfach Robotik/Mathematik, in dem Mittelstufenschüler Roboter bauen und programmieren und so intensiv und praxisnah technisch-naturwissenschaftliche Bildung erleben. Finanziert wurde auch eine Studienfahrt zum Kernforschungszentrum Cern im schweizerischen Genf. „Und wir loben regelmäßig Preise für Schüler aus, die sich mit Nachhaltigkeitsprojekten befassen und beispielsweise daran arbeiten, den Energieverlust weiter einzudämmen“, sagt Schulleiter Carsten Apsel, der die Anfänge der Gewinn bringenden Solaranlage nicht persönlich miterlebt hat.

Schule für Projekt mehrfach ausgezeichnet

Als die ersten Überlegungen reiften, leitete noch Annette Leopold die Schule. „Die Schüler waren maßgeblich beteiligt, körperlich wie geistig“, sagt Zielinski. Für den Start der Anlage wurde ein Oberstufenprojekt gegründet. Die künftigen Abiturienten beschäftigten sich in Arbeitsgruppen mit Planung, Realisierung und Finanzierung – da ging es darum, ein Darlehen von der Bank zu bekommen. Das funktionierte nur, weil die Stadt bei dem ehrgeizigen Vorzeigeprojekt mitspielte und die Bürgschaft für 280.000 Euro übernahm. Der sonnige Lernstoff passte ideal zum innovativen Image der Stadt, „Norderstedt – eine Idee voraus“. Die Schüler packten auch kräftig mit an und schaufelten 16 Container Kies vom Dach und wuchteten anschließend Gehwegplatten wieder rauf, um die Voraussetzungen für den Aufbau der Kollektoren zu schaffen. Und dann entdeckten die Umweltaktivisten, was sich da in Norderstedt tat. Die Preise häuften sich, immer wieder waren Schüler-Delegationen unterwegs, um die Auszeichnungen entgegenzunehmen.

Keine drei Wochen, nachdem die Anlage am 18. Mai 2001 offiziell eingeweiht worden war, gratulierte die damalige schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis, die im Dezember einen mit 1000 Euro dotierten Jugendpreis des Landes persönlich überreichte.

1000 Euro Preisgeld gab es auch von der IHK, gar 3000 Euro beim Bundes-Umwelt-Wettbewerb 2001 vom Bundesumweltministerium, schließlich 2002 den „Climate Star 2002“ von der Alianza del Clima.

Drei Wechselrichter mussten inzwischen ausgetauscht werden. „Sonst funktioniert die Anlage einwandfrei und wartungsarm“, sagt Zielinski. Und Gewinn bringt sie jetzt auch.

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