Norderstedt
Nach Referendum

Norderstedts Projekte leben weiter – trotz Olympia-Aus

Die Hamburger Bürger haben sich am vergangenen Sonntag gegen eine Bewerbung für die Olympischen Spiele entschieden (Symbolbild)

Die Hamburger Bürger haben sich am vergangenen Sonntag gegen eine Bewerbung für die Olympischen Spiele entschieden (Symbolbild)

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Norderstedt will die Pläne für ein Großsportzentrum nicht verwerfen. Auch der Autobahnanschluss bei Alveslohe soll kommen.

Kreis Segeberg.  „Schluss – Aus – Vorbei! Schade!“ Gerade hatte sich Norderstedts Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote „gute, bis sehr gute“ Chancen ausgerechnet, die Stadt als olympischen Sportstätten-Standort auf die Weltkarte zu bekommen, da ist der Traum nach dem Nein der Hamburger im Referendum am Sonntag auch schon wieder vorbei.

Die Pläne Norderstedts für ein Schießsportzentrum waren bei der Hamburger Olympia-Bewerbungsgesellschaft hoch willkommen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig saß in der vergangenen Woche noch in Grotes Dienstzimmer und bekundete, dass die Landesregierung mit voller Überzeugung hinter den Norderstedter Plänen stehe und im Falle eines Zuschlags auch finanziell die Stadt unterstützen werde.

Auch ohne Olympia soll Norderstedt ein neues Sportzentrum bekommen

„Aber das ist jetzt alles kalter Kaffee“, sagt Grote, putzt sich den Mund ab und blickt nach vorne. „Wenn die Olympia-Diskussion eines bewirkt hat, dann zumindest, dass die Sensibilität für das Thema Sportstätten in der Stadt geschärft wurde.“ Die strukturelle Weiterentwicklung des Sports in Norderstedt soll nicht mit dem Nein der Hamburger zu Olympia sterben. Olympia, das betonte Grote immer wieder, sei nur das Vehikel – allerdings eines, das 15,5 Millionen Euro in die Stadt chauffiert hätte. Um die Pläne für eine große Mehrzweckhalle mit Außenanlagen für den Breitensport, ein neues Eintracht-Stadion, eventuell eine Fußball- oder Handballschule zu verwirklichen, waren insgesamt zwischen 30 und 40 Millionen Euro aufgerufen. Grotes Devise lautet nun: „Kleiner, anders und an anderem Ort.“ Eine abgespeckte Großsportanlage also, nicht mehr so weit vom Stadtkern entfernt wie auf dem geplanten Grundstück des ehemaligen Brüderhofes auf Höhe Henstedt-Rhen an der Schleswig-Holstein-Straße.

„Ich werde nun das Gespräch mit der Norderstedter Politik suchen“, sagt Grote. „Heute schon werde ich einige Fraktionsvorsitzende treffen und sie über die Entwicklungen informieren.“ Die Stadt hatte ja weitreichende Gespräche mit dem HSV, mit Eintracht Norderstedt und privaten Investoren für das Olympia-Projekt geführt. Alle Partner sind noch Feuer und Flamme für die Norderstedter Pläne.

Eine Chance, die Grote nutzen will. „Seit der Stadtgründung haben wir nicht mehr in den Neubau von Sportinfrastruktur investiert. Wir haben nur bestehende Anlagen saniert und modernisiert“, sagt Grote.

„Planungsrechtlich ist es immer schwieriger geworden, Sportanlagen zu bauen. Jeder will sie haben, aber nicht vor der eigenen Haustür, weil dann der Sportlärm stört oder der Verkehr von und zu der Anlage.“ Doch in Norderstedt sei die Zeit des Ausbesserns alter Anlagen vorbei.

Gut Kaden hätte sich gerne in die Geschichtsbücher eingetragen

„Das ist sehr, sehr traurig“, sagt Wolfgang Mych, Geschäftsführer des Gut Kaden Golf und Land Clubs, der als Standort für die Austragung der Golf-Wettbewerbe als Favorit galt. Ein olympischer Wettbewerb auf Gut Kaden wäre einen Eintrag in die Geschichtsbücher der Region und des Vereins wert gewesen, sagt Mych. Er sei von dem Votum jedoch nicht überrascht gewesen. Kurz vor dem Referendum habe sich abgezeichnet, dass eine Mehrheit möglicherweise nicht zustande kommen könnte. Die Entscheidung sei bedauerlich für den Golf-Sport. Noch schwerer treffe es jedoch populärere Sportarten wie die Leichtathletik.

Der Autobahnanschluss auf Höhe Gut Kaden soll trotzdem kommen

Das Kieler Verkehrsministerium lässt sich durch die Hamburger Absage an die Olympischen Spiele zumindest in einem Punkt nicht beeindrucken. Auch ohne Olympische Spiele soll in Höhe des Golfplatzes Gut Kaden eine Autobahnabfahrt gebaut werden. Das teilte am Montag Ministeriumssprecherin Birte Pusback mit. „Wir verfolgen den Plan weiter, weil der Bedarf vorhanden ist und in der Region eine weitere Abfahrtsmöglichkeit gewünscht wird.“ Das bedeutet aber auch: Einen Autobahnanschluss Ulzburg-Mitte wird es in den nächsten Jahren nicht geben. Denn davon waren Politiker und Bürgermeister zunächst ausgegangen. Vor allem in Henstedt-Ulzburg war die Begeisterung groß, weil die Forderung nach einem weiteren Autobahnanschluss schon lange auf dem Tisch liegt. In Ellerau und Alveslohe hatte man es kritischer gesehen, weil eine Zunahme des innerörtlichen Verkehrs befürchtet wird.

Von einem Autobahnanschluss sei aber nie die Rede gewesen, hatte das Verkehrsministerium bereits vor Beendigung des Hamburger Olympia-Referendums mitgeteilt. Eine richtige Anschlussstelle sei planerisch in diesem Zeitraum nicht zu verwirklichen.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Volker Dornquast hält eine Behelfsabfahrt in Höhe Gut Kaden für ausgemachten „Quatsch“. Er will demnächst eine offizielle Anfrage an das Verkehrsministerium stellen.

Landrat Jan Peter Schröder freut sich, dass der Verkehrsminister an dem Plan der Autobahnabfahrt in Höhe Alveslohe festhält. „Die Idee ist nicht doof“, glaubt er . Ansonsten ist er etwas geknickt über das Votum der Hamburger. Die Olympischen Spiele wären seiner Ansicht nach eine „Riesenchance“ für die Metropolregion insgesamt und für den Kreis Segeberg gewesen. Manche Dinge, so glaubt er, hätten beschleunigt werden können. Zum Beispiel die Elektrifizierung der AKN oder der Weiterbau der Autobahn 20.