Norderstedt
Schröters Wochenschau

Schmidts Tod wie Trauerfall im Bekanntenkreis

Jan Schröter blickt auf die vergangene Woche zurück

Jan Schröter blickt auf die vergangene Woche zurück

Foto: Wolfgang Klietz

Die Anteilnahme an dem Tod des Alt-Bundeskanzlers ist auch in Norderstedt gewaltig. Grund dafür ist nicht nur seine Lebensleistung.

Im Norderstedter Rathaus wurde auf Wunsch vieler Bürger ein Kondolenzbuch für Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt ausgelegt. Im Hamburger Rathaus ebenfalls, und dort standen diejenigen, die schriftlich kondolieren wollten, bereits am Mittwoch zwei Stunden in der Warteschlange. Was treibt die Menschen dazu?

Beim Ableben eines politischen Kalibers wie Schmidt sind Eilmeldungen, Sondersendungen und Extrablätter zu erwarten. Speziell ist in diesem Falle, fühlte sich jeder davon betroffen – obwohl man dem Verstorbenen wahrscheinlich niemals persönlich begegnet ist. Das liegt an der Lebensleistung Schmidts, aber nicht nur. Es liegt auch daran, dass wir ihn zu kennen glauben. Auch privat. Über wie viele Menschen außerhalb Ihres engsten Familien- und Freundeskreises wissen Sie Sachen wie: „Er und seine Frau haben sich schon in der Schule kennengelernt, da hat sie ihn mal verhauen“ oder auch bloß „raucht wie eine Dampflok, spielt Schach und schippert am Wochenende in einer Segeljolle übern Brahmsee“? Solches Wissen schafft Nähe. Meist müssen wir etwas erst anfassen, um es zu begreifen. Etwas berühren, damit es uns tatsächlich berührt. Doch manchmal überwindet jemand diese Grenzen menschlichen Empfindens und ist „einer von uns“, ohne bei uns zu sein.

Norderstedter dürfen Helmut Schmidts Tod quasi als nachbarschaftlichen Trauerfall beklagen. Schließlich liegt des Ex-Kanzlers Reihenhaus lediglich ein Stück weit vom Ochsenzoll entfernt. Das Norderstedter Kondolenzbuch wird am Ende geschlossen werden und in einem Archiv verschwinden. Das wird denen, die sich darin eingetragen haben, vermutlich egal sein. Sie wollten ihrer Wertschätzung für den Verstorbenen Ausdruck verleihen, nicht mehr und nicht weniger. Was bleibt, sind Erinnerungen, ein Haufen zitatreifer Schmidt-Schnauze-Sprüche und – gerüchteweise – Zehntausende von Menthol-Zigaretten im Langenhorner Reihenhaus. – Raucht die überhaupt noch irgendjemand?