Norderstedt
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Anwohner wehrt sich gegen Asylheim-Bau

Gegen eine Asylunterkunft für 45 Menschen auf diesem Grundstück an der Ulzburger Straße wehrt sich ein Nachbar

Gegen eine Asylunterkunft für 45 Menschen auf diesem Grundstück an der Ulzburger Straße wehrt sich ein Nachbar

Foto: Andreas Burgmayer / HA

An der Ulzburger Straße soll eine Flüchtlingsunterkunft für 45 Asylbewerber entstehen. Das Vorgehen der Verwaltung sorgt für Unmut.

Norderstedt.  Wenn die Bagger den Mutterboden auf dem Nachbargrundstück für den Bau einer Notunterkunft abtragen, dann steht die Flüchtlingskrise buchstäblich vor den Türen der Anwohner. Für die meisten zeigt sich erst dann, wie belastbar die eigene Willkommenskultur ist.

In Norderstedt sind derzeit die Bagger kräftig am Werk. Die Stadt bereitet den Bau von Unterkünften mit über 400 neuen Plätzen vor. Wenn die Arbeiten im Frühjahr 2016 abgeschlossen sind und die letzten Holzrahmen-Bauten und Wohncontainer stehen, dann verfügt Norderstedt über eine Kapazität von etwa 1000 Betten für Asylbewerber. Doch Sozialdezernentin Anette Reinders weiß jetzt schon, dass das nicht ausreichen wird, um alle Menschen aufzunehmen, die im kommenden Jahr in der Stadt Schutz suchen werden.

Die Ausbau-Strategie der Verwaltung ist geprägt von Zeit- und Handlungsdruck, es ist ein Fahren auf Sicht zu unbekannten Ufern. „Über jede Unterkunft, die steht, bin ich froh“, sagt Reinders.

Das geschieht bisweilen so schnell, dass der Bürger nicht mehr mitkommt. An der Ulzburger Straße wird das jetzt zum Problem. Eine Unterkunft für 45 Flüchtlinge soll gegenüber des Rechenzentrums der Stadtwerke auf einer Wiese zwischen einem Autohändler und einem Privathaus gebaut werden. Bis März 2016 ist der Bezug geplant. Momentan ist auf der Fläche lediglich der Mutterboden abgetragen. Dass hier noch mehr passiert, dagegen will der Besitzer des Privathauses nebenan rechtlich vorgehen. Der Norderstedter, der seinen Namen hier lieber nicht lesen will: „Ich habe nichts gegen Asyl-Heime in dieser Stadt. Ich habe nur etwas gegen das Vorgehen der Norderstedter Verwaltung.“ Die Stadt quetsche lieber eine zehn Meter hohe Unterkunft für 45 Menschen zwischen einen Autohandel und ein Wohnhaus, als das gleich gegenüber seit Jahrzehnten freie Grundstück neben dem Vitalia-Gesundheitszentrum zu nutzen. „Die Pläne für ein Wohn- oder Geschäftshaus dort sind noch unausgegoren. Da könnten noch jahrelang Unterkünfte stehen“, sagt der Anwohner. „Ich habe der Verwaltung selbst ein Alternativgrundstück in der Stadt angeboten. Aber die im Rathaus überbauen lieber Flächen, auf denen sie Rechtssicherheit haben, ohne vorher groß mit dem Bürger zu diskutieren. Aus deren Sicht verstehe ich das ja. Ich als Bürger habe dann aber nur noch die Möglichkeit zu klagen.“

„Verwaltung muss die Interessen der Büger vertreten“

Er hat bereits versucht, im Eilverfahren den einstweiligen Rechtsschutz zu bekommen und so einen Baustopp zu erwirken. In Hamburg hatten Bürger mit dieser Taktik Erfolg. „Doch in Schleswig-Holstein ist das bei Verwaltungshandeln nicht so einfach. Es wurde abgelehnt.“

Trotz aller Kritik: Der Norderstedter betont, wie auskunftsfreudig und hilfsbereit die Norderstedter Fachämter im Rathaus seien. „Ich habe jetzt alle Unterlagen und komplette Einsicht. Der Baubescheid für das Wohnheim wird bald vorliegen. Mir wurde gesagt, dass ich gegen diesen dann rechtlich vorgehen könnte.“ Ob er das tun wird, macht der Mann davon abhängig, wie die Stadt nun mit seinem Widerspruch umgehen wird. „Ich engagiere mich im Willkommen-Team der Stadt. Ich weiß, dass die Integration der Flüchtlinge die derzeit wichtigste Aufgabe für uns alle ist. Aber die Verwaltung muss die Interessen aller Bürger vertreten.“

Eine Meinung, die offenbar auch bei anderen Nachbarn in spe von Asylheimen in der Stadt verbreitet ist. Laut Auskunft von Franz-Heinrich Höpcker fühlen sich seine Nachbarn an der idyllischen Sackgasse Wildes Moor von der Stadtverwaltung übergangen. Höpcker, Immobilienmakler und ehemaliger Kommunalpolitiker der Bürgerpartei und ehemals Mitglied des Norderstedter Ablegers der Schill-Partei Rechtsstaatliche Offensive (PRO): „Wenn die den Nachbarn hier bis auf drei Meter an die Grundstücksgrenze ein Asylantenheim hinsetzen, dann können die ihr Eigenheim doch nie mehr verkaufen. Das ist ein enormer Wertverlust.“

Ob am Wilden Moor oder an der Ulzburger Straße – mehr oder weniger unausgesprochen bleiben die Befürchtungen, die die Anwohner mit den neuen Nachbarn verbinden. Scheinbar rechnet niemand damit, dass ein weitgehend problemloses Nebeneinander von Bürgerkriegsflüchtlingen und Norderstedtern möglich ist. Da fällt es auch nicht ins Gewicht, dass dies an anderer Stelle in Norderstedt längst der Fall ist. „Aus den bestehenden Unterkünften sind keine nennenswerten Zwischenfälle bekannt. Uns nicht und auch nicht der Polizei“, sagt Anette Reinders.

Im Rathaus will man den Vorwurf nicht gelten lassen, die Öffentlichkeit nicht ausreichend über die Pläne der Stadt in der Flüchtlingsfrage informiert zu haben. „Alle Planungen wurden öffentlich in den Fachausschüssen diskutiert“, sagt Stadt-Sprecher Hauke Borchardt. „Und mit unseren öffentlichen Informationsabenden haben wir auch gute Erfahrungen gemacht.“ Zwei weitere Abende seien terminiert.

Zur möglichen Klage des Anwohners an der Ulzburger Straße mochte sich Borchardt nicht äußern. Man mag das auch als Ausdruck dessen werten, dass man sich im Rathaus seiner Sache ziemlich sicher ist.