Norderstedt
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Mit Charme und Cello – Hila Karni begeistert in der „TriBühne“

Cellistin Hila Karni, Dozentin am Hamburger Konservatorium, begeisterte mit leidenschaftlichen Spiel

Cellistin Hila Karni, Dozentin am Hamburger Konservatorium, begeisterte mit leidenschaftlichen Spiel

Foto: Heike Linde-Lembke

Entspannte Atmosphäre beim Empfang und anschließendem Konzert zum 50. Jahrestag israelisch-deutscher Beziehungen in der „TriBühne“.

Norderstedt.  Kraftvoll. Innig. Mit warmen Ton. Tief in die Musik und ihrer Aussage versunken spielte Cellistin Hila Karni das „Tramonto“ von Luis S. Alarcón, in den der 43-jährige Komponist einen Sonnenuntergang beschreibt. Einen Sonnenuntergang, wie ihn auch Israel bietet, und die Interpretation der israelischen Musikerin war das emotionale Flugticket direkt nach Tel Aviv an den Mittelmeerstrand.

Hila Karnis Spiel war der Höhepunkt des Konzerts des Symphonischen Blasorchesters Norderstedt in der „TriBühne“, das ein Empfang der Stadt und des Vereins Chaverim – Freundschaft mit Israel zum 50. Jahrestag der deutsch-israelischen diplomatischen Beziehungen einleitete.

Zum Empfang erschienen neben Norderstedter Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und Mitgliedern jüdischer Gemeinden aus Hamburg auch Yakov Hadas-Handelsman, israelischer Botschafter in Berlin, und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig.

„In wahrlich unruhigen Zeiten wie diesen ist es gut, verlässliche Partner und Freunde zu haben“, sagte Norderstedts Oberbürgermeister und Gastgeber Hans-Joachim Grote. Die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland 20 Jahre nach dem Holocaust sei ein historischer Meilenstein. Doch Freundschaft müsse auch vor Ort gelebt werden, und dies würde der Verein Chaverim umsetzen.

Als David Ben-Gurion, Israels Staatsgründer und Premierminister, und der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer im März 1960 miteinander sprachen, setzten sie sich lauten Protesten vor allem der Überlebenden des Holocausts aus. Deutschland? Nie wieder! Doch unermüdlich arbeiteten beide Seiten an der Aufnahme der Beziehungen, zuerst aus wirtschaftlichen Gründen.

„Es war wie ein Wunder 20 Jahre nach der Shoah, unter der in Israel Tausende von Menschen litten und leiden“, sagte Albig. Der Ministerpräsident betonte, dass es gerade unter Freunden möglich sein müsse, ein­ander kritische Fragen zu stellen. „Israels Sicherheitslage hat die deutsche Unterstützung. Wir befinden uns zwar im Frieden, aber dennoch muss Deutschland gerade deshalb U-Boote nach Israel liefern“, sagte Albig.

„Unsere Freundschaft basiert auf der Vergangenheit, der Shoah, aber auch auf die heute facettenreiche Zusammenarbeit“, sagte Yakov Hadas-Handelsman. Zum Erfolg habe die Art beigetragen, wie Deutschland sich seiner Schuld gestellt habe. Bei einer Schlussstrich-Politik wäre die Freundschaft nie zustande gekommen, sagte der Botschafter. Israelis und Deutsche würden einen intensiven Kulturaustausch pflegen.

Nach einer Szene aus dem Theaterstück „Genau wie heute“, das die Juden-Verfolgung durch NS-Deutschland thematisiert und von Marion Buchholz und Bennet Zerial gespielt wurde, verwies Chaverim-Vorsitzende Ayala Nagel auf Projekte des Vereins wie den Bustan im Stadtpark und den Norderstedt-Wald in Israel.

„Es wäre gut, wenn die Freundschaft zwischen Israel und Deutschland mehr in die Breite der Gesellschaft getragen würde“, sagten Keren Muhs vom Jüdischen Nationalfonds und Roberto Lehmann von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Hamburg. „Wir wünschen uns, dass sich mehr Jugendliche für gegenseitiges Verstehen einsetzen“, sagten die Schwestern Franziska, 13, und Antonia Behrens, 16. „Die beiden Staaten sollten sich wie unter Freunden auch kritisch begleiten“, sagten Wolfhart und Angelika Tietgen aus Norderstedt. „Die Beziehungen sollten noch verbessert und intensiviert werden“, sagte Felix Epstein, Vorsitzender der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hamburg. „Ich wünsche mir für Israel von den Medien Fairness und eine ausgewogene Berichterstattung“, sagte Elie Levy, Pantomime aus Hamburg.

Hila Karni indes begeisterte auch im Duo mit ihrer zwölfjährigen Tochter Lir Vaginsky, Geigerin, einer Passacaglia nach Georg Friedrich Händel und dem israelischen Tanz Hora als Zugabe, wie immer kongenial vom Symphonischen Blasorchester begleitet, das ohnehin unter der Leitung von Bernhard Volk mit seinem dichten, temperamentvollen und versierten Spiel überzeugte und mit den Solistinnen in Beifallstürmen baden konnte.