Norderstedt
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Dekra-Prüfer muss hohe Geldstrafe zahlen

Weil er einer Rostlaube eine gültige Prüfplakette ausstellte muss ein Prüfer der Dekra nun eine Geldstrafe zahlen

Weil er einer Rostlaube eine gültige Prüfplakette ausstellte muss ein Prüfer der Dekra nun eine Geldstrafe zahlen

Foto: Michael Rauhe

Prüfplakette für Rostlaube: Alvesloher wegen Falschbeurkundung im Amt verurteilt. Schlechter Zustand des Fahrzeugs fiel Polizisten auf.

Norderstedt.  Der Dekra-Sachverständige Jürgen O., 53, aus Alveslohe, der, wie berichtet, einem an tragenden Teilen verrosteten Ford Transit im November des Jahres 2013 mit dem Aufkleben der Prüfplakette die Verkehrssicherheit für weitere zwei Jahre bescheinigt hatte, ist jetzt vom Amtsgericht in Norderstedt wegen Falschbeurkundung im Amt zu einer Geldstrafe von 4800 Euro verurteilt worden. Nach Vernehmung weiterer Zeugen kam das Gericht zu dem Ergebnis, dass der Angeklagte bewusst die starken Durchrostungen des Fahrzeugs übersehen und eine falsche Bescheinigung ausgestellt hatte, möglicherweise aufgrund eines Abkommens mit der Autowerkstatt oder dem Arbeitskollegen des Fahrzeughalters Agim K., 53, aus Lentföhrden, der das Auto zur Hauptuntersuchung brachte.

Bewiesen werden konnte eine solche Absprache im Prozess genauso wenig wie eine Geldzahlung an den Angeklagten. Wie berichtet, hatte Stephan G., 44, aus Bokholt-Hanredder seinem Arbeitskollegen, dem Eigentümer des verrosteten Ford, angeboten, den Wagen „durch den TÜV“ zu bringen und dafür 200 Euro erhalten. Wer letztlich das Geld kassierte, blieb im Prozess vor dem Amtsgericht offen. Stephan G. bestritt im Zeugenstand, den Wagen zur Hauptuntersuchung gebracht oder Geld kassiert zu haben.

Aussagekräftiger war hingegen der Bericht des Zeugen Selim E., 44, der damals, Ende 2013, den Ford in einer Elmshorner Autowerkstatt begutachtete. Der Kfz-Mechaniker erzählt davon, dass er sofort die starken Roststellen gesehen habe, ohne das Fahrzeug aufgebockt zu haben. „Ich habe Herrn K. gesagt, dass es aussichtlos sei“, so der Zeuge. Richter Jan Buchert erinnert sich an ein Telefonat mit dem Zeugen vor Prozessbeginn, in dem er diesem den Sachverhalt geschildert hatte. Als er davon erfahren habe, dass der Wagen eine Prüfplakette erhalten habe, habe er spontan gesagt: „Na, da muss aber der Prüfer bestochen worden sein!“

Wie berichtet, fiel der stark verrostete Wagen zwei Polizisten auf. An vielen Stellen waren Verrostungen mit Klebeband abgedeckt. Bei einer Untersuchung der Verkehrssicherheit wurden unter anderem Durchrostungen an tragenden Querstreben unter dem Wagen, durchrostete Hintertüren sowie defekte Bremsen festgestellt. Ergebnis: Das Fahrzeug wurde stillgelegt.

Der Angeklagte hatte bei dem Wagen als Dekra-Prüfer nur leichte Mängel festgestellt. Bereits in der Vergangenheit war der 53-Jährige mehrmals ins Visier der Strafverfolgungsbehörden wegen falscher Prüfberichte geraten – alle Verfahren wurde jedoch eingestellt. Von einem Unrechtsbewusstsein ist beim Angeklagten nach wie vor nichts zu spüren. Wie bereits am ersten Prozesstag jammerte er. In seinem Schlusswort sagte Jürgen O.: „Wir sitzen immer zwischen allen Stühlen. Der Kunde verlangt eine günstige Plakette, die Werkstätten wollen volle Auftragsbücher.“

Das Mitleid der Anwesenden hielt sich in Grenzen.