Norderstedt
Ellerau

TSV Ellerau feiert seinen 60. Geburtstag

Gisela Schultz, 71, Tochter der Vereinsgründer, stöbert in der Chronik des Sportvereins

Gisela Schultz, 71, Tochter der Vereinsgründer, stöbert in der Chronik des Sportvereins

Foto: TSV Ellerau/Michael Schick

Erich und Grete Stein gründeten Sportverein vor 60 Jahren. Tochter Gisela Schulz war von Anfang an dabei. Sportlerparty im Bürgerhaus.

Ellerau.  Mitgliedsausweis? Hat sie nicht, gab es damals auch nicht, sagt Gisela Schultz. Die 71-Jährige war dabei, als der TSV Ellerau vor gut 60 Jahren gegründet wurde. Die Ellerauerin konnte gar nicht anders, denn ihre Eltern Erich und Grete Stein haben den Sportverein zusammen mit Hans-Werner Schultz am 3. Juni 1955 ins Leben gerufen. Da mussten die Kinder dabeisein. Der Grundschullehrer und seine Frau lebten für den Sport, engagierten sich so lange es ging im Verein, wurden mit dem Bundesverdienstkreuz und der Erich-Stein-Sporthalle geehrt und haben das Sportgen an ihre Kinder vererbt. Gisela Schultz führt den Verein 16 Jahre und ist immer noch aktiv.

Als ihre Eltern in die Gemeinde Ellerau zogen, lag das organisierte sportliche Leben weitgehend am Boden. Das geht gar nicht, sagten sich die Steins und riefen zur Gründungsversammlung. Landwirt Hans-Werner Schultz, übrigens nicht verwandt mit Gisela Schultz, machte mit. Er wollte seinen sportlichen Töchtern die Chance geben, ihr Können zu zeigen. Schüler zahlen 0,30, Jugendliche 0,50 und Erwachsene eine Mark Beitrag im Monat, steht im Gründungsprotokoll. „Das Geld haben wir immer beim Training kassiert“, sagt Gisela Schultz.

Handball, Faustball und Leichtathletik sollten betrieben werden, im Sommer Schwimmsport. „Mein Vater war einfach kein Fußballer“, erinnert sich die Tochter. Schon kurz nach dem Start ins Vereinsleben gab es erste Erfolge, die Faustball-Mädchen wurden Kreismeisterinnen, auch in der Leichtathletik mischten die Ellerauer die Konkurrenz auf, Gisela Schultz zählte zu den Besten im Mehrkampf. Und das auf einem „Acker“, wie sie die Sportanlagen im Vergleich zu den aktuellen Laufbahnen und Sprunggruben bezeichnet.

„Hauptlehrer Stein“ gab die Richtung vor, Handball kristallisierte sich als Vorzeigesport heraus – und ist es bis heute geblieben. „Wir haben noch auf großem Feld im Freien gespielt“, sagt Gisela Schultz, die von der Leichtathletik ins Handballtor wechselte.

Auf die Kreismeisterschaft waren die Mädchen quasi abonniert, Landesmeister wurden sie auch. In den 70er-Jahren spielten die Ellerauerinnen in der Regionalliga, zu der Zeit die höchste deutsche Spielklasse. „Außer Sport gab es ja auch nicht viel im Dorf“, sagt die erfolgreiche Sportlerin. Der regierte natürlich ins Familienleben hinein, die Spielpläne diktierten private Termine, Konfirmationen wurden auf spielfreie Wochenenden gelegt.

Handball war allgegenwärtig. Fangen, Werfen und Dribbeln wurden so ganz nebenbei während der Pausen auf dem Schulhof trainiert. Dort standen Tore, drei Bäume wurden mit Strahlern bestückt, damit auch im Dunkeln geübt werden konnte. „Die Lampen haben wir in Eigenarbeit angebracht, ohnehin haben wir vieles selbst erledigt. Allerdings hatten wir die Gemeinde hinter uns, sie hat den Sport immer kräftig gefördert“, sagt die pensionierte Grundschullehrerin. Konnte die Gemeinde auch, die Modefirma Erlhoff ließ die Gewerbesteuer kräftig sprudeln.

Gefeiert wurde natürlich auch, im Partykeller von Giselas Bruder. Der wiederum befand sich unter dem elterlichen Wohnzimmer. Mit zunehmendem Genuss von Wein, Bier und Cola-Rum wummerten die Bässe immer kräftiger. Doch die Eltern haben den Partylärm gelassen ertragen. „Es war schon super, durch den Sport eine so tolle Gemeinschaft zu haben“, sagt Gisela Schultz. Die hat in Teilen bis heute gehalten. Mit ihrer Freundin und früheren Mitspielerin geht sie regelmäßig in die Halle, um den Handballern von heute zuzusehen. Der Kontakt zu den jungen Leuten ist da und hält jung.

Das gilt auch für den Verein. Von den rund 670 Mitgliedern ist mehr als die Hälfte im Jugendbereich aktiv. Das Sportangebot steht inzwischen auf mehr Beinen, Volleyball oder Maxiball zum Vergnügen, Gymnastik, Fitness und Rückentraining gehören dazu.

Feiern will der TSV Ellerau seinen 60. Geburtstag am Freitag, 16. Oktober, von 20 Uhr an mit einer Sportlerparty im Bürgerhaus. Restkarten zu zehn Euro gibt es bei Elektro-Bollmann am Steindamm 1–3.