Norderstedt
Gemeinde Dreggers

Zwei Frauen mit einem großen Herz für Tiere

Mit Ziegenmilch füttert Christiane Gransee derzeit drei Rehkitze. Zwei von ihnen haben ihre Mutter durch einen Zug verloren.

Mit Ziegenmilch füttert Christiane Gransee derzeit drei Rehkitze. Zwei von ihnen haben ihre Mutter durch einen Zug verloren.

Foto: Petra Dreu

In Dreggers kümmern sich Christiane Gransee und Verena Grygolin um junge und verletzte Wildtiere. Kompetenz spricht sich herum.

Dreggers.  Sie ziehen Schwäne und Rehe groß, helfen Igeln über den Winter, und wenn ihnen eine Amsel mit Gehirnerschütterung vorbeigebracht wird, können sie auch nicht Nein sagen. Christiane Gransee, 51, aus der kleinen Gemeinde Dreggers und Verena Grygolin, 52, aus Bahrenhof sind zwei Frauen vom gleichen Schlag: Sie kümmern sich um junge und verletzte Wildtiere.

Wer schon einmal versucht hat, Hilfe für einen verletzten Singvogel, ein verlassenes Rehkitz oder ein anderes Wildtier zu finden, wird wissen, dass das ein schwieriges Unterfangen ist, denn die nächste Wildtierstation in Elmshorn-Sparrieshoop liegt nicht gerade um die Ecke. Ein Weg, den viele scheuen, auch wenn sie dem Tier noch so gerne helfen wollen. „Manchmal kommen hier ältere Leute im Taxi mit einem Tier vorbei. Die kann man doch nicht mit dem Taxi nach Elmshorn schicken“, sagt Verena Grygolin.

Doch es sind längst nicht nur Privatleute, die ihnen Wildtiere bringen. Das Tierheim in Bad Oldesloe und auch die Polizei greifen gern auf ihre Hilfe und Erfahrung zurück. Und auch bei Jagdpächtern hat sich der Sachverstand der beiden Frauen bereits herumgesprochen, die mit dem Amtstierarzt und Tierärzten gleichermaßen gut zusammenarbeiten.

Der Zeitaufwand für die Pflege ist groß. Als ihr zwei kleine Rehkitze gebracht wurden, deren Mutter einem Bahnunfall zum Opfer gefallen ist, ist Christiane Gransee sogar nachts aufgestanden, um ihnen die Flasche zu geben. Groß ist auch der finanzielle Aufwand, denn die Ziegenmilch, mit der die Kitze großgezogen werden, ist nicht billig. 300 Euro rechnet Christiane Gransee pro Tier, im vergangenen Jahr hat sie zudem 700 Euro für Frostfutter ausgegeben. Geld für die Pflege bekommt sie in der Regel nicht, nur wenn kranke Vögel vorbeigebracht werden, bittet sie um eine kleine Spende für das Futter.

Vögel werden oft gebracht, und so stehen in ihrer Küche mehrere Boxen mit Wildvögeln. Entweder litten sie nach dem Flug gegen eine Fensterscheibe an Gehirnerschütterung, oder aber die Vogeleltern konnten ihr Gelege nicht versorgen. Auch eine verrückte Elster wurde ihr schon gebracht. Sie flog rückwärts und immerzu im Kreis. „So etwas habe auch ich noch nicht gesehen“, sagt Verena Grygolin.

Die Oldesloer Polizei hat sicherlich schon so manches Mal ein Stoßgebet gen Himmel geschickt, weil sich Christiane Gransee bereit erklärt hatte, ihnen eine tierische Last abzunehmen – wie etwa drei kleine, mutterlose Schwäne vom Bad Oldesloer Königsteich oder die drei Ferkel, die wahrscheinlich aus einem Tiertransporter abgehauen waren.

Obwohl Christiane Gransee und Verena Grygolin ihr Geld und ihre Zeit opfern, um Wildtieren zu helfen, die ausnahmslos alle wieder in die Natur entlassen werden, sobald sie gesund oder groß genug dafür sind, werden sie immer wieder angezeigt. Die letzte Anzeige gab es, nachdem eine Jägerin ein erwachsenes Reh vorbeigebracht hatte, das ungewöhnlich zutraulich war. „Das Reh hatte einen Rapskoller. Manche Sorten haben keine Bitterstoffe, das Tier hatte einfach zu viel davon gefressen“, erzählt Christiane Gransee. Zwei Monate blieb das Reh bei ihr, bis es wieder in den Wald gebracht werden konnte. Verena Grygolin: „Die Leute sollen wissen, dass das in Ordnung ist, was wir hier machen. “