Norderstedt
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Erster Radeltest auf der Ulzburger Straße

Wie radelt es sich auf der Ulzburger Straße? Kai Wüstermann macht den Test

Wie radelt es sich auf der Ulzburger Straße? Kai Wüstermann macht den Test

Foto: Michael Schick

Kai Wüstermann fährt, wie vorgeschrieben, auf der Straße. Ihn stört, dass Radler ständig die Straßenseite wechseln müssen.

Norderstedt.  Trauen sie sich nicht auf die Straße? Oder wissen sie nicht, dass sie im neu ausgebauten Bereich der Ulzburger Straße auf der Fahrbahn fahren müssen? Noch immer radeln viele auf dem sandfarben gepflasterten Stück zwischen Langenharmer Weg und Glashütter Weg auf den dafür nicht ausgelegten und viel zu engen Fußwegen. Einer, der sich auf den Asphalt wagt und unter die Autos mischt, ist Kai Wüstermann. Er hat seine Erfahrungen aufgeschrieben und ist die Strecke für das Hamburger Abendblatt abgefahren.

Sein Fazit fällt grundsätzlich positiv aus: „Die gemeinsame Benutzung der Fahrbahn funktioniert hervorragend. Es wird aber noch sehr lange dauern, bis die Autofahrer das Vertrauen aller Radfahrer gewinnen können. Immerhin ist man Jahrzehnte lang von der Fahrbahn gehupt und gedrängelt worden“, sagt Wüstermann. Zudem habe ihn beeindruckt, dass die Stadt Parkstreifen in Fahrradstreifen umgewandelt hat. So viel Mut habe er der Verwaltung nicht zugetraut.

Es folgt Kritik: „Leider verließ die Mitarbeiter der Mut zur letzten Konsequenz. Warum werden Radfahrer aus Richtung Süden nicht schon am Alten Kirchenweg auf die Fahrbahn geleitet? Wie es vorbildlich geht, zeigt die Stadt am Anfang des Ausbauabschnitts.“ Dort werden die Radfahrer über ehemalige Parkplätze und Markierungen auf der Fahrbahn auf die Straße geleitet. So, wie es jetzt ist, sei es „einfach nur nervig“, die Ulzburger Straße in Richtung Norden zu befahren, denn: Wer mit dem Rad den Meilenstein regelkonform absolvieren will, müsse auf einem Kilometer Fahrstrecke dreimal über die Straße und fünfmal an einer Ampel warten.

Die Pendeltour beginnt an der Kreuzung Ulzburger Straße/Alter Kirchenweg/Rathausallee. Wüstermann beschreibt seinen Selbstversuch wie folgt: An der Rathausallee werde ich auf die linke Fahrbahnseite geleitet und muss zweimal an der Fußgängerampel warten. Auf dem westlichen Radweg fahre ich rund 400 Meter, ehe mich der schwarze Pfeil auf gelbem Grund zwingt, die Straßenseite zu wechseln. Also wieder zweimal über die Fahrbahn, zweimal auf Grün warten. Drüben erwartet mich eine Überraschung, ein blaues Schild, das hinter der Ampelanlage versteckt ist, verpflichtet mich, den Fußweg zu benutzen, aber nur für wenige Meter. Über den ehemaligen Parkstreifen werde ich auf die Fahrbahn geleitet.

Das Fahren auf der Straße funktioniert prima. Die Autofahrer akzeptieren mich und fahren geduldig hinterher. Dann fahre ich wieder auf einem ehemaligen Parkstreifen bis zum Weg am Denkmal, dort müsste ich wieder mal an einer Fußgängerampel die Seite wechseln. Ich möchte aber rechts abbiegen, doch die Fahrradspur endet vor der Kreuzung. Eigentlich müsste ich jetzt für fünf Meter auf die Fahrbahn wechseln, mogele mich aber durch. „Bleibt zu hoffen, dass sich diese durch den ständigen Wechsel doch irritierende Situation verändert, wenn die weiteren Ausbauabschnitte folgen“, sagt Wüstermann.

Andere Leser kommentieren die neue Optik, die dem Einkaufsbereich rund um das Nachbarschaftszentrum mehr Flair verleihen soll. „Vieles ist ansprechender geworden als vorher: Zum Beispiel das großflächig wirkende hell-beige Pflaster im Vergleich zum hundertfach geflickten alten Asphalt-Belag auf Fahrbahn, Rad- und Fußwegen“, schreibt Helmut Litzenberger in seinem Leserbrief an die Redaktion. Autofahrer finden mehr Parkplätze als vorher, nur zum Teil auf anderen Flächen. Auch der Versuch, Fußgänger, Auto- und Radfahrer zu gleichberechtigten Verkehrsteilnehmern zu machen, sei zu begrüßen. Die neuen Straßenlaternen leuchteten den Bereich deutlich besser aus als vorher.

„Ein verkehrstechnischer Offenbarungseid“

Litzenberger fragt sich allerdings auch, warum die vielen Fahrradbügel anstatt von Pkw-Parkplätzen in Höhe des Penny-Marktes aufgestellt wurden. Die Radler stellten ihre Räder doch in die Ständer direkt vor den Eingangstüren der Geschäfte. Es gebe sicher weitere Negativpunkte, aber: Die Stadt sei einem Boulevard ein großes Stück näher gekommen. „Und vielleicht lockt der neu gestaltete Abschnitt auch Gewerbetreibende an“, sagt der Leser.

„Was hier mit immerhin einer Million an Steuergeld geschaffen worden ist, möchte ich als verkehrstechnischen Offenbarungseid oder zumindest als Armutszeugnis titulieren“, schreibt Roland Schubert. Die Ulzburger Straße sei und bleibe eine hässliche Hauptverkehrsader. „Was soll einen Bürger bewegen, auf dieser abgasstrotzenden Strecke zu flanieren?“, fragt Schubert. Durch den Umbau werde nicht eine Eiswaffel, Küchenzeile, Fitnessvertrag oder Flatscreen verkauft.

Dass man die Bürger, vor allem auch ältere und behinderte Menschen mit ihren Rädern auf die Straße zwingen will, sei nicht zu fassen. Genervte Autofahrer, unsichere Radfahrer und hohes Risikopotenzial – das seien die Folgen. Schuberts Fazit: „Bitte liebe Stadtverwaltung, keine zusätzlichen Verschlimmbesserungen mehr auf der Ulze!“ Angesichts dieser „baulichen Glanzleistung“ könne die Stadt die nächsten Millionen an Steuergeld für den Rückbau schon mal einplanen.